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Corona Wie Apps & Co. Gesundheitsämtern und Ärzten den Rücken freihalten können

| Autor / Redakteur: Markus Hertlein* / Susanne Ehneß

Die Corona-Pandemie hat viele Kommunen und Länder unvorbereitet getroffen. Nicht nur die medizinische Infrastruktur gelangte vielerorts rasch an ihre Grenzen, auch der technologische Rückstand in Sachen digitaler Bürgerdienste und Verwaltung wurde schonungslos offengelegt. Ein Gastbeitrag von Markus Hertlein, Geschäftsführer der XignSys GmbH.

Gemeinsam die Infektionskurve abflachen, auch mithilfe von Apps
Gemeinsam die Infektionskurve abflachen, auch mithilfe von Apps
(© Zubada - stock.adobe.com)

Besonders in den ersten, akuten Wochen der Pandemie in Deutschland Ende März/Anfang April wurde klar, dass die Infrastrukturen an ihre Grenzen gelangen: Überall brachen die eilig eingerichteten Beratungshotlines im Daueransturm vieler besorgter Bürger zusammen. Ärztliche Wartezimmer verwandelten sich innerhalb weniger Tage zu Hochrisikozonen, und die über die Medien verbreiteten Tabellen zu Symptomatik und Schwere der Krankheit stifteten Verwirrung und Angst in der Bevölkerung, waren derzeitig aber die einzige verlässliche Informationsquelle.

Ein Gefühl der Ohnmacht stellte sich bei Vielen ein: Zur allgemeinen Ungewissheit um die berufliche Situation und die weiteren Entwicklungen der Gesamtsituation gesellte sich oft eine Verunsicherung in Bezug auf den eigenen Gesundheitszustand. Meist blieb ob der unerreichbaren Beratungs-Hotlines und den abgeschotteten Wartezimmern nur die Quarantäne und das Ausharren in den eigenen vier Wänden.

Genau an diesem Punkt, der Schnittstelle zwischen Informationsbedürfnis der Bürger und dem Absicherungsbedürfnis der öffentlichen und medizinischen Stellen treten jetzt digitale Hilfsmittel auf den Plan. Durch die vielen Berührungspunkte, die wir im Rahmen anderer Projekte, mit dem Bereich eGovernment haben, war für uns schnell klar, dass wir mit einer sicheren Corona-App unterstützen können. Bei der Entwicklung der Corona-App „FlatCurve“ waren wir von dem Gedanken getrieben, wie es gelingen kann, den unvermeidlichen Ansturm auf Hotlines und die Gesundheitsämter so zu kanalisieren, dass das System standhält, weiterhin valides Feedback gibt und die schweren Infektionsfälle von den leichten zu trennen.

Eine funktionierende Corona-App muss verschiedene Gedanken und Funktionsweisen vereinen:

  • Schnelle Analyse und gesundheitliche Beratung,
  • optionales Tracking zur Rückverfolgung von Infektionsketten sowie
  • Datenschutz der Nutzer.

In unserer App FlatCurve beginnt alles mit einer Selbstauskunft des Nutzers zu seinem individuellen Befinden und seinen Symptomen. Der Test ist dabei an dem der Berliner Charité angelehnt. Im nächsten Schritt ordnet ein Algorithmus diese Anfragen nach Vorerkrankungen und individueller Dringlichkeit (beispielsweise Atemnot und Fieber vor leichtem Husten oder Kopfschmerzen). Die Einstufung wird dem Nutzer dann individuell in Form eines Ampelsystems dargestellt. Dabei werden die auf Stufe Rot eingeschätzten Patienten entsprechend hochgestuft und als Erstes zu einem Gespräch mit medizinischem Fachpersonal gebeten. Nun schalten sich Ärzte oder Mitarbeiter des Gesundheitsamtes in dieses „virtuelle Wartezimmer“ und beraten die Betroffenen in Form von Video-Calls.

Den meisten Nutzern kann in Form dieser ersten Einschätzung schon ein wichtiges Feedback und Unterstützung gegeben werden. Das frühzeitige Nehmen von Ängsten hat bei vielen Patienten eine positive Auswirkung auf den Krankheitsverlauf. Durch die erste digitale Prüfungsinstanz werden die Personen herausgefiltert, bei denen ein Test elementar wichtig ist. Diese werden dann zeitnah dem nächsten Testcenter zugewiesen und dort entsprechend auf Covid-19 getestet. Die Fälle, die nicht als akut eingestuft werden, begeben sich, auf den ärztlichen Rat hin, in die häusliche Isolation und beobachten den Krankheitsverlauf.

Tracking

Die App verfügt auch über eine optionale Trackingfunktion: Nutzer die ihre Familie und ihr Umfeld besonders schützen möchten, können sich über die App vernetzen. Wird ein Nutzer durch einen Abstrich im Testcenter positiv getestet, kann er diesen Befund direkt in der App melden und informiert damit alle mit ihm vernetzten Nutzer. Dies kann entweder anonymisiert geschehen, oder auch auf individuellen Wunsch, mit Angabe der Personendaten. Erkrankte Nutzer isolieren sich und treten über die App mit dem zuständigen Gesundheitsamt in Kontakt, das durch beständige Updates stets über den jeweiligen Krankheitsverlauf informiert ist und notfalls frühzeitig eine stationäre Behandlung in der Klinik in die Wege leiten kann.

Die App soll darüber hinaus dabei helfen, das soziale Gefüge zu stärken und niemanden zurückzulassen. So ist es beispielsweise möglich, über die Kommunikationskanäle der App anzuzeigen, dass man bereit ist, für ältere oder besonders gefährdete Nachbarn Einkäufe und Besorgungen zu erledigen. Außerdem werden stets die aktuell gültigen Bestimmungen des Gesetzgebers aufgegliedert nach Bundesland abrufbar sein. Ein News-Room versorgt die Nutzer zudem mit aktuellen Nachrichten aus vertrauenswürdigen Quellen und beugt somit der Verbreitung von Fake News vor.

Kommunen entlasten

Die FlatCurve-App startet gerade im Rhein-Kreis-Neuss in die aktive Testphase. Weitere Kommunen folgen. Besonders zu Beginn der Corona-Krise hatten die Behörden in Neuss mit einem außergewöhnlich hohem Aufkommen an Anrufern zu kämpfen. Der Einsatz der App soll die bis zu 110 eingesetzten Mitarbeiter im Kreis-Gesundheitsamt entlasten und Betroffenen schnelles Feedback zu ihrem jeweiligen Zustand ermöglichen.

Markus Hertlein
Markus Hertlein
(© XignSys)

Auch nach dem hoffentlich baldigen Ende der Corona-Pandemie bietet eine breit aufgestellte App den Kommunen Nutzen und Mehrwert im Austausch mit den Bürgern. Sie kann beispielsweise als Grundlage zur Bereitstellung eines vollständig digitalen Bürgercenters für Kommunen und Kreise dienen. Zukünftig können Städte somit nicht nur den sicheren und passwortlosen Zugang zu digitalen Bürgerdiensten gewährleisten, sondern im Bedarfsfall auch unkompliziert und schnell mit den Bürgern in Kontakt treten.

Derzeit ist die App nur für Kommunen zugänglich, im Juli soll sie dann auch im App-Store und bei Google Play verfügbar sein.

*Der Autor: Markus Hertlein ist Mitgründer und Geschäftsführer der XignSys GmbH.

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