Definitionen Was ist digitale Gesundheitskompetenz?

Von Chiara Maurer

Selbst an Informationen zu medizinischen Fragestellungen zu kommen, stellt heutzutage keine Schwierigkeit mehr dar. Doch Menschen benötigen im Umgang mit digital abrufbaren Informationen die Fähigkeit, diese bewerten und nutzen zu können – sie benötigen digitale Gesundheitskompetenz.

Die digitale Gesundheitskompetenz ist notwendig, um Anwender zu befähigen, sich selbst zu helfen – und das souverän und mit den richtigen Mitteln
Die digitale Gesundheitskompetenz ist notwendig, um Anwender zu befähigen, sich selbst zu helfen – und das souverän und mit den richtigen Mitteln
(© aga7ta – stock.adobe.com )

Das Leben wird immer digitaler und dieser Wandel hat schon lang auch das Gesundheitswesen erreicht. Digitale Helfer wie Smartphones, Laptops und Apps ermöglichen es, schnell selbst an Gesundheitsinformationen zu kommen. Im Umgang mit solchen Informationen ist es jedoch nicht nur wichtig diese zu finden, sondern auch, sie zu verstehen, zu bewerten und anzuwenden, um verantwortungsvolle Entscheidungen hinsichtlich der eigenen Gesundheit zu treffen.

Die allgemeine digitale Gesundheitskompetenz umfasst deswegen alle individuellen, sozialen und technischen Kompetenzen und Ressourcen, die ein Mensch haben muss, um richtig mit Informationen dieser Art umzugehen. Es ist ein dynamisches Konzept, denn sowohl der Mensch selbst als auch digitale Technologien entwickeln sich stets weiter.

So hat auch die digitale Gesundheitskompetenz als solche verschiedene Dimensionen, die jeweils auf den dynamischen Kontext von Gesundheit, Gesundheitssystem und Gesellschaft insgesamt anzuwenden sind. Folgende Kompetenzen sind in der digitalen Gesundheitskompetenz inbegriffen und ermöglichen es den Anwendern ihre Privatsphäre zu schützen, die Datensicherheit zu erhöhen und Gesundheit und ihr Wohlbefinden zu erhalten und zu

steigern:

  • Computer Literacy (computerbezogene Kompetenz)
  • Data Literacy (Datenkompetenz)
  • Privacy Literacy (Datenschutzkompetenz)
  • Traditional Literacy (Lese- und Schreibkompetenz)
  • Media Literacy (medienbezogene Kompetenz)
  • Navigation Literacy (Such- und Findekompetenz)
  • Information Literacy (Informationskompetenz)
  • Health Literacy (Gesundheitskompetenz)

Können Menschen sich selbst helfen und wissen, wie und wo sie verlässliche Informationen zu medizinischen Fragestellungen erhalten, können Krankenhauseinlieferungen oder Doppelbehandlungen durch Ärzte reduziert werden. Auf diese Weise hat die digitale Gesundheitskompetenz das Potenzial, die Patientenversorgung und -sicherheit zu verbessern. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen jedoch folgende Voraussetzungen erfüllt werden:

  • Leistungsstarke Netze und Verbindungen: Um Anwendern den Zugriff auf digitale Gesundheitsinformationen rund um die Uhr, unabhängig von dem Ort an dem sie sich befinden, zu ermöglichen, ist es notwendig, zuverlässige Verbindungen zum Internet zu gewährleisten.
  • Verfügbarkeit von Hard- und Software: Ebenfalls unumgänglich, um auf Informationen zugreifen zu können, ist die Verfügbarkeit von Hard- und Software. Nur, wer ein funktionsfähiges digitales Endgerät und die entsprechende Software besitzt, kann so auf die Angebote zurückgreifen.
  • Soziale Innovationen: Besonders in Hinblick auf digital unerfahrene Menschen, sind soziale Innovationen von Nutzen. Es muss dafür gesorgt werden, dass die gesamte Bevölkerung das nötige Wissen zum Umgang mit digitalen Medien besitzt., sodass die Angebote von allen angewandt werden können. Besonders in Hinblick darauf, dass die Technik die ultimative Voraussetzung für die digitale Transformation – auch im Gesundheitswesen – ist, sollte der Umgang damit nicht exklusiv sein.

Soziale Ungleichheit und Ungleichverteilung

Eine Studie der Universität Bielefeld zeigt, dass 75,8 Prozent der Deutschen nur eine geringe digitale Gesundheitskompetenz besitzen. Um dieser Ungleichverteilung entgegenzuwirken, wurde im Jahr 2019 das Gesetz für eine bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation (auch Digitale-Versorgung-Gesetz; kurz DVG) eingeführt. Dieses sorgt nicht nur dafür, dass digitale Angebote stärker genutzt werden, indem sie von gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden, auch sind diese dazu verpflichtet, Angebote zur Förderung der digitalen Gesundheitskompetenz zu erstellen, sodass ihre Versicherungsnehmer im Umgang mit Anwendung, wie beispielsweise der elektronischen Patientenakte (ePA), geschult sind. Und auch Ersatzkassen bieten eigene Angeboten zur Kompetenzförderung an.

Dennoch bleibt der bundesweite Aufbau der digitalen Gesundheitskompetenz eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und stellt eine wesentliche Ressource zur Ermöglichung und Gestaltung der digitalen Transformation im Gesundheitswesen dar.

Exkurs

Digitale Gesundheitskompetenz in der Corona-Pandemie

Kontaktbeschränkungen und Maskenpflicht – noch vor einigen Monaten gesetzlich festgehalten, sind es mittlerweile meist nur noch freiwillige Maßnahmen zum Infektionsschutz. Dennoch werden Menschen, die trotzdem lieber den Mindestabstand wahren oder eine Maske tragen, wenn sie unter Leute gehen, oftmals als „Hysteriker“ oder „Maulkorbträger“ abgetan. Hat das etwas mit der digitalen Gesundheitskompetenz zu tun?
Der Verlauf der Pandemie wird wurde und wird auch künftig zu Teilen durch die Aufgeklärtheit der Menschen und ihrem Umgang mit freiwilligen Beschränkungen beeinflusst werden. Welchen Quellen sie trauen und wie Inhalte und Informationen bewertet und aufgenommen werden, ist dabei ganz klar eine Frage der digitalen Gesundheitskompetenz. Deswegen ist auch in Zeiten der Pandemie und besonders der Sozialen Medien, durch die sich Meinungen und wissenschaftlich nicht fundierte „Erkenntnisse“ leicht verbreiten, die Bedeutung der Kompetenzförderung ungemein gewachsen.

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