Definitionen Was ist bzw. wie funktioniert eine Corona-Impfung?

Autor / Redakteur: K. Wendling / Manfred Klein

Die Corona-Krise hält die Welt nach wie vor im Griff. Die Rückkehr zu einem weitgehend normalen Leben ist nur mit viel Geduld und moderner Medizin möglich. Allem voran die lang ersehnte Corona-Impfung. Aber wie wirkt sie?

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Der Corona-mRNA-Impfstoff bietet zahlreiche Vorteile
Der Corona-mRNA-Impfstoff bietet zahlreiche Vorteile
(© aga7ta – Fotolia)

Das Prinzip der Schutzimpfung ist grundsätzlich so alt wie die Menschheit selbst. Sie ist keine Zauberei, sondern ein Zusammenspiel biochemischer und physiologischer Mechanismen. Eine vorbeugende Impfung gegen eine Erkrankung beziehungsweise Infektionskrankheit macht sich das Prinzip der aktiven Immunisierung zunutze.

Daher bezeichnet man diese Form der Impfung auch als Schutzimpfung oder Aktiv-Impfung. Das Prinzip ist einfach: Das Immunsystem wird durch spezifische Impfstoffe dazu angeregt, den Erreger zu erkennen und wirksam zu reagieren, um die Erkrankung zu verhindern. Dabei unterscheidet man verschiedene Arten zu impfen:

  • Aktive Impfung: Bei der aktiven Impfung erhält der Körper entweder einen Lebend- oder Totimpfstoff. Bei Lebendimpfstoffen enthält das Serum abgeschwächte Erreger. Im Fall von Totimpfstoffen erfolgt die Sensibilisierung des Immunsystems mit toten Erregern. Auch die Corona-Impfung fällt in dieser Kategorie.
  • Passive Impfung: Im Fall einer passive Impfung erhält der Empfänger kein Präparat mit enthaltenen Erregern. Hier bekommt dieser ein sogenanntes Immunserum, das aus hochkonzentrierten Antikörpern besteht. Anders als bei der aktiven Impfung kann der Organismus so die Antikörper nicht selbst herstellen. Typisch sind solche Impfungen, wenn etwa der Verdacht auf Tollwut besteht, um den Ausbruch der Krankheit zu verhindern.
  • Simultan-Impfung: Besteht große Unsicherheit, ob sich ein Mensch mit nicht ausreichendem Impfschutz mit einer gefährlicher Krankheit angesteckt hat, erfolgt eine Simultanimpfung. Hierbei wird sowohl ein Passiv-Impfstoff als auch ein Aktiv-Impfstoff verabreicht.

Wie funktioniert die Corona-Impfung?

Die Firmen Pfizer (USA) und Biontech aus Mainz haben für die Corona-Impfung einen speziellen Impfstoff entwickelt. Hierbei handelt es sich um einen mRNA-Impfstoff. Das Besondere an solchen mRNA-Impfstoffen, die ohne die großflächige Digitalisierung im Gesundheitswesen nicht möglich gewesen wären, ist der Transport der Immuninformation.

Bei herkömmlichen Impfstoffen, wie dem chinesischen Corona-Impfstoff von Sinovac, liefert die Impfung dem Immunsystem die Antigene selbst. Im Fall der mRNA-Impfstoffe bekommt der Organismus durch den Impfstoff selbst die Erbinformation für die Herstellung der Antigene geliefert. Damit ist der Körper in der Lage, Antigene gegen das Corona-Virus selbst zu produzieren. So erkennt das Immunsystem des Geimpften das eindringende Virus und kann es bekämpfen.

Wie genau funktioniert der mRNA-Impfstoff gegen das Corona-Virus?

Die mRNA (engl. Messenger RNA) wird auch Boten-RNA genannt. Dabei handelt es sich um eine einzelsträngige Ribonukleinsäure, die vereinfacht gesagt den Bauplan für einen Teil einer Erbinformation beinhaltet. Im Fall des Corona-Impfstoffs von Biontech beinhaltet sie einen Bestandteil eines speziellen Proteins auf der Virusoberfläche. Dieses benötigt der Erreger, um in menschliche Zellen einzudringen. Kennt das Immunsystem diese Pforte, ist es auf den Erreger vorbereitet.

Vorteile eines mRNA-Impfstoffs bei der Corona-Impfung:

  • mRNA-Impfstoffe haben eine einfache Struktur uns sind weniger komplex als viele Vektor-Impfstoffe.
  • Durch den einfachen Aufbau können innerhalb kürzester Zeit etliche Millionen Impfdosen produziert werden.
  • Die getesteten Impfstoffe haben mit einer Erfolgsquote von rund 95% eine sehr hohe Wirksamkeit.

Sind mRNA-Impfstoffe schädlich für das menschliche Erbgut?

Bei allem, was mit Gentechnik zu tun hat, sind viele Menschen zunächst skeptisch. Die Angst davor, dass mRNA-Impfstoffe in die menschliche DNA eindringen und diese verändern können, ist allerdings unbegründet. Die RNA ist chemisch nicht nur anders aufgebaut als die DNA, sie befindet sich in der Zelle auch an einem gänzlich anderen Ort. Nach aktuellem wissenschaftlichen Stand ist es daher nicht möglich, dass die über einen Impfstoff transportierte RNA in die DNA eingebaut wird. Die Veränderung des Erbguts durch eine mRNA-Impfung ist nicht möglich.

Gibt es weitere Corona-Impfstoffe?

Ja, neben dem mRNA Impfstoff, dem in den Medien viel Aufmerksamkeit zukommt, gibt es weitere Impfstofftypen, mit denen eine Corona-Impfung vorgenommen werden kann.

  • 1. Vektorimpfstoffe: Allem voran stehen sogenannte Vektorimpfstoffe. Solche Impfstoffe, wie sie derzeit u.a. von AstraZeneca und der University of Oxford entwickelt werden, enthalten harmlose Viren (Vektorviren). Diese Vektorviren können sich im menschlichen Körper vermehren, ohne eine Erkrankung hervorzurufen. Um einen Corona-Impfstoff herzustellen, „verkleiden“ Wissenschaftler diese Vektorviren mittels Gentechnik mit Oberflächenproteinen des Corona-Virus. Die Impfung gaukelt dem Körper also eine Infektion mit dem Corona-Virus vor. So kann der Organismus, ohne wirklich gegen einen gefährliche Infektion kämpfen zu müssen, einen Immunschutz aufbauen.
  • 2. Totimpfstoffe: Eine weitere Alternative sind Totimpfstoffe. Dabei enthält der Impfstoff abgetötete Corona-Viren oder Teile davon. Da das genetische Material der Viren abgetötet wurde, können sie sich im Körper nicht vermehren. Trotzdem kann dieser einen Immunschutz aufbauen. Diese Impfmethode kommt u.a. bei der Grippeimpfung oder Hepatitis B zur Anwendung. Einen solchen Impfstoff hat beispielsweise das Unternehmen Sinovac entwickelt.

Wer bekommt wann eine Corona-Impfung?

Eines steht fest: Eine Impfpflicht wird es in Deutschland nicht geben. Dennoch ist eine Impfquote von ca. 60 Prozent bis 70 Prozent für eine ausreichende Herdenimmunität nötig. Da der Impfstoff für das Erreichen der optimalen Wirksamkeit sogar in zwei Dosen verabreicht werden muss, ist der Koordinationsaufwand immens.

Nur durch konsequente Digitalisierung im Gesundheitswesen durch eRegister, Datenbanken und Co. ist die Koordination von dutzenden Millionen Impfungen in Impfzentralen und mit mobilen Impfteams überhaupt erst möglich.

Nach aktuellem Stand sollen zunächst Risikogruppen eine Corona-Impfung angeboten bekommen. Dazu zählt aktuell die ältere Bevölkerung über 80 Jahren sowie Menschen mit schweren Vorerkrankungen. Ebenfalls bevorzugt geimpft wird medizinisches Personal.

Folgen sollen Ordnungs- und Sicherheitskritische Bedienstete wie Polizisten, Feuerwehrleute, Lehrer etc. Allerdings steht derzeit noch kein offizielles Konzept. Letzteres wird auf Basis von unterschiedlichsten Modellrechnungen aus riesigen Datenbanken erstellt. Diese Modellrechnungen im eHealth-Bereich simulieren den Verlauf der Pandemie unter Berücksichtigung verschiedenartiger Impfstoffverteilung.

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