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Förderung in Schleswig-Holstein und Hamburg Vollautomatische Infektionsdiagnostik in der Tiermedizin

| Redakteur: Ira Zahorsky

Fälle von kostspieligen Massen-Ansteckungen im Tierstall könnten bald ein Ende haben. Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus Schleswig-Holstein und Hamburg entwickeln zurzeit eine Art Blitztest, mit dem ein Pferdebesitzer künftig innerhalb von 30 Minuten wissen könnte, ob sein Vierbeiner einen Erreger in sich trägt – und wenn ja, welchen.

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Ein Zusammenschluss an Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus Hamburg und Schleswig-Holstein entwickelt ein Mini-Labor, das Massen-Ansteckungen in Tierställen künftig verhindern soll.
Ein Zusammenschluss an Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus Hamburg und Schleswig-Holstein entwickelt ein Mini-Labor, das Massen-Ansteckungen in Tierställen künftig verhindern soll.
(© Budimir Jevtic - stock.adobe.com)

Wie beim Menschen kann die Inkubationszeit von ansteckenden Krankheiten auch beim Tier bis zu einer Woche betragen. Um Massen-Ansteckungen zu verhindern, wird im Norden Deutschlands an einem Blitztest gearbeitet, der innerhalb einer halben Stunde den Erreger identifizieren soll. „Optochip“ heißt das einfach zu verwendende portable Mini-Labor. Dabei handelt es sich um ein so genanntes Point-of-Care-System (PoC) für die Veterinärmedizin mit besonderem Augenmerk auf den Einsatz an Pferden. „Die Technologie basiert auf organischen Leuchtdioden und organischen Photodioden und kann die gesuchten fluoreszenzmarkierten, erregerspezifischen Genomabschnitte optisch nachweisen“, so Prof. Dr. Martina Gerken vom CAU-Lehrstuhl (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel) für Integrierte Systeme und Photonik.

Aufgabenverteilung

Die Aufgaben der Akteure bei diesem länderübergreifenden Verbundprojekt sind klar verteilt: Während die CAU-Forscher die miniaturisierte optische Messtechnik zum Nachweis der Erreger entwickeln, ist das Fraunhofer Instituts für Siliziumtechnologie (ISIT) für eine Einheit zur Aufreinigung der Proben zuständig. Die Krämer Engineering GmbH produziert im Spritzgussverfahren eine besonders filigrane Kunststoffkartusche mit Kammern zur vollautomatischen Aufbereitung und Vervielfältigung der Nukleinsäuren in den Proben und integriert die Bauelemente der CAU und des ISIT. Die Kartusche soll in einem von der Byonoy GmbH zu entwickelnden Auslesegerät zum Einsatz kommen, das die in der Kartusche befindlichen Bauelemente ansteuert sowie unterschiedliche Testparameter ausliest. Die biochemischen Nachweissysteme, die die konkreten Infektionserkrankungen identifizieren, werden von der altona Diagnostics GmbH entwickelt.

Finanzielle Förderung

Vor einer Woche überreichte Schleswig-Holsteins Technologieminister Dr. Bernd Buchholz heute in der Pferdeklinik Tappendorf einen Förderbescheid für die Entwicklung über knapp 525.000 Euro an Vertreter der CAU, des ISIT in Itzehoe sowie der Krämer Engineering. Die weiteren Verbundpartner – die Hamburger Unternehmen Byonoy und altona Diagnostics – werden von Hamburg gesondert noch einmal zusätzlich mit knapp 563.000 Euro aus dem „Programm für Innovation“ der Hamburgischen Investitions- und Förderbank (IFB) gefördert.

„Wir sind optimistisch, dass dieses Gerät in drei Jahren fertig entwickelt ist und in spätestens sechs Jahren serienmäßig produziert werden kann“, sagte Buchholz. Er sehe im Optochip zum einen riesiges Marktpotenzial für den gesamten europäischen Raum – zum anderen aber auch einen Beleg für die hohe Innovationsfähigkeit der Partner des Verbundnetzwerks „Life Science Nord“. „Denn diese Technologie spart Kosten und Zeit bei der Diagnose von Krankheiten im Stall – und zwar künftig absehbar nicht allein bei Pferden“, so Buchholz. Schon jetzt hätten die Wissenschaftler Anwendungsbereiche für die Humanmedizin sowie die Lebensmittel- und Umweltanalytik im Blick.

Aus Sicht von Buchholz und Life-Science-Nord Clustermanager Dr. Hinrich Habeck ist der Bedarf an mobilen, kompakten und automatisierten Screening-Lösungen für die Veterinärmedizin nicht nur in Deutschland hoch. „Zurzeit existiert auf dem Markt kein System, das diesen Bedarf so umfassend abdecken kann“, sagte Buchholz.

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