Suchen

Telemedizin für die Zahnarztpraxis Videosprechstunden kommen in die Versorgung

Autor: Julia Mutzbauer

Um das Potenzial der Telemedizin künftig noch stärker zu nutzen, können Zahnärzte ab Oktober neue Leistungen in der vertragszahnärztlichen Versorgung erbringen. Darauf haben sich die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) und der GKV-Spitzenverband im Bewertungsausschuss geeinigt. Dabei sind die Aufnahme von Videosprechstunden, Videofallkonferenzen, Telekonsilien sowie ein Technikzuschlag auf den Bewertungsmaßstab für zahnärztliche Leistungen (BEMA) vorgesehen.

Firmen zum Thema

Ab Oktober können Zahnärzte ihre Videosprechstunden und Videofallkonferenzen als Kassenleistung abrechnen
Ab Oktober können Zahnärzte ihre Videosprechstunden und Videofallkonferenzen als Kassenleistung abrechnen
(© Elnur - stock.adobe.com)

Durch den Beschluss des Bewertungsausschusses können Videosprechstunden mit Patientinnen und Patienten sowie Videofallkonferenzen mit Pflegepersonal künftig bei Versicherten abgerechnet werden, die einem Pflegegrad zugeordnet sind oder Eingliederungshilfe erhalten. Damit sind diese Leistungen auch für Versicherte, bei denen zahnärztliche Leistungen im Rahmen eines Kooperationsvertrages erbracht werden, ab Oktober Bestandteil des GKV-Leistungskataloges. Telekonsilien hingegen sollen dann bezogen auf alle Versicherten abgerechnet werden.

„Digitale Lösungen und Anwendungen werden für Zahnarztpraxen und Patienten im Behandlungsalltag zunehmend wichtiger. Insbesondere die Videosprechstunde ist ein sehr hilfreiches Instrument. Mit dieser Leistung können bei Pflegebedürftigen und Menschen mit Beeinträchtigungen zum Beispiel im Vorfeld eines Zahnarzttermins Symptome abgeklärt und die aufsuchende Versorgung besser organisiert werden“, erklärt Martin Hendges, stellv. Vorsitzender des Vorstands der KZBV.

Stefanie Stoff-Ahnis, Vorstand beim GKV-Spitzenverband, bezeichnet die Videosprechstunde ebenfalls als „große Hilfe“ für Pflegebedürftige. Zudem würden Videofallkonferenzen die Betreuer und das zahnmedizinische Personal entlasten.

„Weitere mögliche Szenarien wären in der Nachkontrolle einer umfangreicheren Behandlung sowie in der Erörterung anstehender prothetischer Planungen zu sehen“, ergänzt Hendges. Ebenso seien Videofallkonferenzen mit dem Pflegepersonal und gegebenenfalls videogestützte Telekonsilien arztgruppenübergreifend sinnvoll. „Diese technischen Möglichkeiten sind sehr effizient und bringen viele Vorteile für alle Beteiligten, also Zahnärzte, Pflegeeinrichtungen, Patienten und Kostenträger – besonders in Zeiten der andauernden Pandemie“, fügt Hendges hinzu. Flankierende Vereinbarungen mit dem GKV-Spitzenverband zu technischen Voraussetzungen würden zudem die nötige Sicherheit in Bezug auf die Verwendung und Übertragung hochsensibler Gesundheitsdaten schaffen.

Zudem unterliegen Videosprechstunden und Videofallkonferenzen in der vertragszahnärztlichen Versorgung definierten Standards. Die KZBV und der GKV-Spitzenverband haben dazu in einer Vereinbarung die Einzelheiten hinsichtlich Qualität und Sicherheit sowie Anforderungen an die technische Umsetzung von Videosprechstunden und die apparative Ausstattung festgelegt. Darüber hinaus wurden auch Bestimmungen zu Datenschutz und Datensicherheit sowie Voraussetzungen an Videodienstanbieter geschaffen.

Die Anbieter sollen auf dieser Grundlage die Möglichkeit haben – soweit sie die vorgegebenen Anforderungen der Vereinbarung erfüllen und entsprechende Nachweise erbringen – Videodienstleistungen in der vertragszahnärztlichen Versorgung zu integrieren. Im Hinblick auf die Kosten, die Praxen im Zusammenhang mit der Inanspruchnahme eines zertifizierten Videodienstleisters entstehen, ist ein pauschaler Technikzuschlag vorgesehen, der im Zusammenhang mit Videosprechstunden, Videofallkonferenzen und Telekonsilien abgerechnet werden kann.

(ID:46836865)

Über den Autor

 Julia Mutzbauer

Julia Mutzbauer

Redaktion, eGovernment Computing