eHealth 4.0 Vendor-Lock-in bei Datenbanken vermeiden

Autor / Redakteur: Ales Zeman* / Julia Mutzbauer

Die Digitalisierung ist bei vielen Akteuren im Gesundheitswesen bereits Teil des Alltags. Insbesondere in Sachen Datenbanken haben eine Vielzahl von Firmen schon Schritte zur Modernisierung unternommen, um den zahlreichen neuen Richtlinien gerecht zu werden. Doch dies belastet häufig das IT-Budget.

Firmen zum Thema

Im Healthcare-Bereich werden oft proprietäre Datenbanken verwendet
Im Healthcare-Bereich werden oft proprietäre Datenbanken verwendet
(© wladimir1804 – stock.adobe.com)

Unternehmen, Organisationen und Einrichtungen im Gesundheitsbereich haben gar keine andere Wahl, um mit den Trends der Branche Schritt halten zu können, gerade wenn es um Notfall-Wiederherstellungen, Migrationen und Upgrades geht. Der Trend geht daher fast schon zwangsläufig in Richtung eHealth 4.0, der Digitalisierung von Arztpraxen und Kliniken.

Dabei ist die Entwicklung hier bereits vorgezeichnet. Schon jetzt ist in einigen Regionen ein Ärztemangel zu beklagen, der sich in Zukunft noch weiter verschärfen dürfte. Auch die demografische Entwicklung mit einem immer höheren Durchschnittsalter der Bevölkerung trägt dazu bei, im Gesundheitswesen auf digitale Technologien zu setzen. Ein weiterer Faktor, der die Entwicklung hin zu eHealth 4.0 bestärkt, ist der Druck zur Digitalisierung, da die Informationstechnologie auch in anderen Feldern Einzug hält.

Datenbanken wenig beachtet

Während im Kontext von eHealth 4.0 oft Themenkomplexe wie etwa die Telematik-Infrastruktur, die digitale Interaktion sowohl zwischen Praxen und Kliniken als auch mit dem Patienten, die Datenerfassung und die Prozessautomatisierung besonders im administrativen Bereich im Vordergrund stehen, bleiben das Datenmanagement und die dazugehörenden Datenbanken etwas im Schatten der Diskussion. Gerade hier begeben sich viele Praxen und Kliniken in eine verhängnisvolle und gleichzeitig völlig überflüssige Abhängigkeit von IT-Anbietern.

Oft sind die verwendeten Datenbanken proprietär. Somit ist ein Umstieg vom bisherigen zu einem neuen Datenbankhersteller nur sehr schwer möglich. Dabei sind gerade Patientendaten ein sehr sensibler Bereich, über den Praxen und Kliniken stets die Oberhoheit behalten sollten. Mit einer proprietären Datenbank müssen Gesundheitsdienstleister sämtliche Änderungen bezüglich Lizensierung und Nutzungsbedingungen folgen – gleichgültig ob sie dies wünschen oder nicht. Mehr noch – es kann immer passieren, dass IT-Hersteller ihre Vertragsbedingungen dahingehend ändern, dass ein Einsatz im Gesundheitswesen, in dem die personenbezogenen Daten besonders geschützt sind, nicht mehr möglich oder sinnvoll ist.

Umzug manchmal nötig

Gründe für eine Datenbankmigration gibt es viele. So kann beispielsweise eine Oracle Enterprise Edition das IT-Budget weitgehend belasten. Zudem könnten schnellere und gleichzeitig erschwinglichere Datenbanken eine bessere Wahl sein – gerade Open Source bietet hier einige Alternativen. Aus diesem Grund sollten sich besonders Kliniken mit dem Gedanken auseinandersetzen, wie sie sich unabhängiger gegenüber den Datenbankanbietern machen können.

Haben sich die IT-Verantwortlichen erst einmal für eine Datenbankmigration entschieden, müssen sie den Weg dorthin definieren. Eine manuelle Datenbankmigration ist aufgrund der Komplexität weder praktikabel noch im Budget darstellbar. Daher sollten sie sich mit einem Migrations- und Replikationswerkzeug beschäftigen. Doch welche Faktoren sind hier wichtig?Zuerst muss der Umstieg von der alten auf die neue Datenbank ohne Ausfallzeiten möglich sein, da Patientendaten ständig verfügbar sein müssen. Außerdem sollte die Migration auch einen Mehrwert bieten, etwa neue Speicheroptionen für eine bessere Datenverteilung, Nutzung von offenen Standards wie Postgres oder MySQL. Nicht zuletzt sind bei offenen Datenbankplattformen Echtzeit-Datenanalysen, komplexere Berichterstattungs- und Archivierungsprozesse möglich.

Offene Werkzeuge

Natürlich können Datenbankwerkzeuge von Drittanbietern auch dann von Nutzen sein, wenn nicht migriert werden soll. So verfügen fast alle kommerzielle Datenbankanbieter über eigene Tools, mit denen die Administration möglich ist. Allerdings sind diese Verwaltungspakete und Add-ons wie die Datenbanken selbst mit hohen Kosten verbunden. Zudem bieten sie oft nicht den Funktionsumfang, den sich Datenbankadministratoren wünschen. Sind mehrere unterschiedliche Datenbanken in Gebrauch, dann wird die Verwaltung der Datenbanken mit nativen Werkzeugen vollends zu einer Herausforderung der Klinik-IT.

Hier können Datenbank-Managementsysteme von Drittanbietern eine Lösung darstellen. Eine höhere Verfügbarkeit, bessere Skalierbarkeit und verbesserte Integration sowie eine Auslagerung der Berichterstattung ist mit diesen Tools möglich. Beispielsweise schlagen Replikationslösungen von Drittanbietern im Vergleich zu einer proprietären Lösung nur mit einem Bruchteil der Kosten zu Buche.

Datenschutz verschärft Situation

Datenbanken, insbesondere solche, die Patientendaten enthalten, sind der sensibelste Bereich in der Informationstechnologie, die in Praxen und Kliniken zum Einsatz kommt. Hinzu kommen die Bestimmungen, die die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) vorschreibt. Denn im Gegensatz zu anderen Datenschutzvorschriften, die lediglich die Vertraulichkeit von Informationen gewährleisten sollen, verpflichtet die DSGVO Organisationen, die personenbezogene Daten verarbeiten, zur Stabilität ihrer IT-Systeme. Das beinhaltet natürlich nicht nur die Hardware, sondern insbesondere auch die Datenbanken, in denen diese Daten gespeichert werden.

Auch aus diesem Grund sollten sowohl IT-Entscheider in Kliniken als auch IT-Berater, die mit Arztpraxen arbeiten, einen genaueren Blick auf die Datenbanken werfen. Dieses Thema wird allgemein unterschätzt, auch wenn es eine der zentralen Elemente einer patientenorientierten Informationstechnik ist. Denn ohne sie funktionieren die anderen Elemente von eHealth 4.0 nicht, da ohne Datenbasis keine Datenverarbeitung möglich ist. Um Praxen und Kliniken aber die Freiheit einzuräumen, auch künftige technische Entwicklungen zum Wohle des Patienten umsetzen zu können, müssen flexible und offene Werkzeuge, die zur Unabhängigkeit der Gesundheits-IT beitragen, einen festen Platz erhalten.

*Der Autor: Ales Zeman, Pre-Sales & Professional Services Leader EMEA bei Quest Software

(ID:47611849)