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Coronavirus Unterstützung für den Exit

| Autor: Susanne Ehneß

Wo halten sich viele Corona-Infizierte auf, und wo bewegt man sich im eher „grünen“ Bereich? Die App „Covid-19-Radar“ zeigt die Ausbreitung des Coronavirus – bis hinunter in einzelne Straßen.

Nach Ampelfarben auswählen: Rot für „infiziert“, Gelb für „Verdachtsfall“, Grün für „nicht infiziert“
Nach Ampelfarben auswählen: Rot für „infiziert“, Gelb für „Verdachtsfall“, Grün für „nicht infiziert“
(© M. Reidel)

Wo in meiner Stadt kann ich mich im „grünen“ Bereich bewegen, und wo gibt es vielleicht mehr Leute in Quarantäne? Diese Fragen kann die App „Covid-19-Radar“ beantworten, die Software-Entwickler in Eigenregie entwickelt haben. „Meine Idee wurde am Abend des 24. März im Facebook-Chat geboren. Mein ehemaliger Microsoft-Kollege Peter Yves Ruland war begeistert und als Mann der ersten Stunde mit an Board“, erzählt Mitentwickler Mathias Reidel. „Wir sind eine 100-prozentige Non-Profit-Initiative und nur ein kleiner Bestandteil einer Komplettlösung. Wir sehen uns nicht in Konkurrenz zu einer App zur Nachverfolgung von Infektionsketten, sondern zu deren Ergänzung“, betont Reidel in Anspielung auf verschiedene App-Lösungen, die dabei helfen sollen, die Coronakrise zu bewältigen. „Wir wollen helfen, die Krise zu meistern“, so Reidel.

Die Motivation war da, und auch die Kooperationspartner waren schnell gefunden. „Wir starteten mit dem Münchner Start-up Open as App für die Umsetzung des Mobile Clients und der Programmierung des Backends, Philipp Rüdiger (PhD der Neuroinformatics) als Open Source Lead Developer für die Visualisierung der ‚Heatmaps‘ und ehemaligen Microsoft-Kollegen zur Unterstützung“, berichtet Reidel. Das Ziel war, „für die gute Sache und auf freiwilliger Basis“ innerhalb von 48 Stunden eine bundesweit funktionierende „Corona-App“ für alle Smartphones zu bauen.

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Was macht die App?

Mit Hilfe der App kann der Nutzer seinen Gesundheitszustand in Form von Ampelfarben auf einer Karte eintragen und die Eintragungen anderer User – beispielsweise in seinem Umfeld – sehen. Die Farbe Grün steht dabei für „nicht infiziert“, Gelb für „Verdachtsfall“ und Rot für „Infiziert“.

Über die App erhoben werden:

  • ID der App-Installation
  • Standortdaten (longitude/latitude)
  • Ausgewählte Ampelfarbe
  • Zeitstempel

Bis auf den Standort werden keine personenbezogenen Daten erhoben. Der User muss sich nicht anmelden, und auch eine eMail-Adresse ist nicht nötig. Die genauen Standortdaten werden verwässert, damit der Standort nicht bis auf ein einzelnes Wohnhaus zurückverfolgt werden kann. „Ein kontinuierliches Tracking des Users erfolgt nicht, die Standortdaten werden nur übertragen, wenn der User explizit seine ‚Ampel‘ überträgt“, betont Reidel. Zusätzlich werden auf der Karte die aggregierten Infektionszahlen des Robert-Koch-Instituts und der Gesundheitsämter angezeigt.

Die App bedient offene Standards, die Daten lassen sich also mit Daten anderer Apps zusammenführen. „Unsere App und die daraus resultierende Visualisierung lassen sich in übergeordnete Systeme einbinden, sofern diese verordnet werden“, so Reidel.

„Nachdem wir die technische Realisierbarkeit geprüft und mit der Programmierung begonnen hatten, informierten wir die Bundesminister und den Bundesdatenschutzbeauftragten per Mail“, erläutert Reidel. Daraufhin meldete sich die „Zentrale Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich“ (ZITiS) und zeigte ihr Interesse. Seit ein paar Tagen ist die App nun live.

App als Hilfe für den Exit?

Mathias Reidel hofft, dass seine App rege genutzt wird. Gerade im Hinblick auf eine etwaige Lockerung der Quarantäne-Beschränkungen könnte sie eine Hilfe sein. „Es gibt bereits Apps im Einsatz, die die weltweite Verbreitung zeigen. In einigen anderen Ländern können sich Bürger per App gegenseitig automatisch informieren, wenn sie mit Personen in Kontakt waren, die kurze Zeit später positiv auf Covid-19 getestet wurden. Andere Apps erfassen Fallzahlen auf Länderebene. Mit diesen Apps lässt sich die Dringlichkeit der Maßnahmen verdeutlichen. Bei der Entscheidung, welchen Supermarkt man beim Einkaufen am besten ansteuert, helfen sie jedoch nicht“, so Reidel.

Die App kann für Android und iOS hier heruntergeladen werden.

Weitere Infos gibt es auf der offiziellen Seite von Covid-19 Radar.

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