Digitales Kommunikations- und Dokumentationssystem Uniklinik Frankfurt setzt Ende-zu-Ende-verschlüsselten Messenger ein

Redakteur: Ira Zahorsky

Daten sind im Gesundheitswesen eine besonders sensible Angelegenheit. Vor der Einführung digitaler Ergänzungs-Tools sollte man sich fragen, wo sie gespeichert werden und wer darauf Zugriff hat.

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Ein Messenger soll in der Uniklini Frankfurt die Kommunikation zwischen Leistungserbringern und Patienten vereinheitlichen und vereinfachen.
Ein Messenger soll in der Uniklini Frankfurt die Kommunikation zwischen Leistungserbringern und Patienten vereinheitlichen und vereinfachen.
(© Юлия Лазебная - stock.adobe.com)

Das Universitätsklinikum Frankfurt beginnt in Kürze ein Pilotprojekt, das die Kommunikationsstrukturen im Krankenhaus zwischen Leistungserbringern und Patienten vereinheitlichen und vereinfachen soll.Dabei soll eine App in die IT-Struktur der Klinik integriert werden, die den Informationsaustausch und die simultane, automatische Dokumentation in Form eines gesicherten Chat-Programms erlauben soll.

Anwendungsmöglichkeiten

Die Software-Lösung ermöglicht es, chat-basierte Prozesse innerhalb von und zwischen multiprofessionellen Behandlungsteams einfach und sicher zu gestalten und relevante Daten unmittelbar in die Patientendokumentation zu überführen. Die Lösung ist sowohl ein klassischer Messenger mit Chats, Audio- und Videotelefonie als auch als sicherer digitaler Übertragungsweg und Ergänzung zur elektronischen Patientenakte zu nutzen. Nur behandlungsrelevante Daten fließen in die Dokumentation ein, während der berufliche Alltags-Chat zwischen den Chat-Partnern verbleibt.

„Am Universitätsklinikum Frankfurt wollen wir die automatische Archivierung von Chat-Verläufen in unser Dokumenten-Management umsetzen, um eine zeitaufwändige Doppeldokumentation zu vermeiden“, erklärt Prof. Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender am Universitätsklinikum Frankfurt. „Dank einer speziellen Prozesslogik erhalten alle an der Behandlung beteiligten Personen die patientenrelevanten Informationen in Echtzeit. Durch die gleichzeitige Überführung dieser Daten in die Patientenakte entfällt eine aufwendige Nachdokumentation.“

Ein so genanntes Rollen- und Rechtemanagement sorgt dafür, dass die jeweiligen Nutzer beim Einloggen in ihrer entsprechenden Funktion erkannt werden und sich so in Chat-Gruppen bewegen. Beim Ausloggen nach Dienstende ordnet die App die Rolle des Anschlussdienstes im Behandlungsteam zu und verschickt keine Nachrichten mehr an die ausgeloggten Personen.

Sicherheit und Datenschutz

Alle Nachrichten sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt und bedienen sich der Matrix-Technologie. Bei diesem vollständig dezentralen Open-Source-Kommunikationsprotokoll kann jede Organisation einen eigenen Server betreiben und auf diese Weise die Datenhoheit im eigenen Haus behalten. „Alle sensiblen Daten, mit denen wir am Universitätsklinikum Frankfurt operieren, bleiben innerhalb der eigenen Infrastruktur und werden von uns selbst kontrolliert“, erklärt Dr. Michael von Wagner, Leiter der Stabsstelle Medizinische Informationssysteme und Digitalisierung.

Die deutsche Bundeswehr sowie Verwaltung und Ministerien in Frankreich nutzen bereits das Matrix-Protokoll für ihre Kommunikation. Der Messenger-Dienst kann mit allen gängigen Endgeräten als App und mit allen Betriebssystemen und Browsern betrieben werden.

Über das Projekt

Das Projekt ist aus einer Initiative des kürzlich gegründeten University Center for Digital Healthcare (UCDHC) am Universitätsklinikum Frankfurt hervorgegangen. Das Zentrum fördert digitale Strategien und Projekte, um die Patientenversorgung noch zukunftsfähiger aufzustellen. Die Software für den Messenger wurde von dem Berliner Unternehmen Famedly entwickelt.
Auch das Unternehmen Philips ist involviert. Es bildet mit einer Interoperabilitätsplattform den Brückenkopf zwischen den internen und externen Systemen. Das Unternehmen hat 2019 eine Entwicklungspartnerschaft mit dem Universitätsklinikum geschlossen, um gemeinsam eine herstellerneutrale IT-Systemlandschaft aufzubauen und zu etablieren, in der sich zukünftig weitere Anwendungssysteme anbinden lassen. Die Einführung des Messengers und die damit verbundene Integration eines Ende-zu-Ende-verschlüsselten Messenger-Dienstes in die IT-Systemlandschaft wird erstmals an einem deutschen Universitätsklinikum umgesetzt. Nach erfolgreicher Pilotierung soll der Messenger-Dienst in weiteren medizinischen Bereichen des Universitätsklinikum Frankfurt integriert werden

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