Unklare Erkrankungen besser erkennen Uniklinik Frankfurt forscht an Arztportal mit Künstlicher Intelligenz

Autor Ira Zahorsky

Im Rahmen des Forschungsprojekts SATURN hat das Universitätsklinikum Frankfurt ein Forschungsvorhaben auf den Weg gebracht, das niedergelassene Ärzte bei der Diagnose von unklaren und seltenen Erkrankungen unterstützen soll. Das BGM fördert das Projekt mit 2,9 Millionen Euro.

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KI-unterstützte Diagnosefindung: Das ist das Ziel von Projekt SATURN der Uniklinik Frankfurt.
KI-unterstützte Diagnosefindung: Das ist das Ziel von Projekt SATURN der Uniklinik Frankfurt.
(Bild: © greenbutterfly - stock.adobe.com)

In rund acht Minuten stellt ein Hausarzt im Durchschnitt eine Diagnose. Diese wird unter anderem durch Gender-spezifische Unterschiede oder unspezifische Symptome erschwert. Im ländlichen Raum fehlen zudem oft die Fachspezialisten, auch spezialisierte Zentren für seltene Erkrankungen sind rar.

Um potenziell schwerwiegende Erkrankungen mit gefährlichem oder chronischen Verlauf rechtzeitig zu erkennen und eine Behandlung einzuleiten, hat das Uniklinikum Frankfurt das Projekt SATURN auf den Weg gebracht.

Das smarte Arztportal für Unklare Erkrankungen (SATURN) soll die Diagnosefindung mithilfe Künstlicher Intelligenz unterstützen. Diese soll nachvollziehbare, transparente Verdachtsdiagnosen liefern, die auch geschlechtsspezifisch sind. „Den Ärzten werden drei Funktionen zur Diagnoseunterstützung zur Verfügung stehen“, erklärt Dr. Michael von Wagner, Leiter der Stabsstelle Medizinische Informationssysteme und Digitalisierung. „Das erste ist ein Diagnosevorschlag auf Grundlage regelbasierter Systeme, der Wissen aus vorhandenen Versorgungsstandards und Leitlinien nutzt. Außerdem stehen die KI-Module ,Diagnoseunterstützung mittels Machine Learning‘ und ,Diagnoseunterstützung mittels Case-based Reasoning‘ zur Verfügung.“ Das dritte Modul gleicht anonymisierte Falldaten von Patienten aus den beteiligten Unikliniken Frankfurt und Dresden ab.

Um die Ergebnisse dann in die Breite der klinischen Praxis zu bringen, ist eine hohe Akzeptanz bei den niedergelassenen Ärzten gefragt, ist Dr. von Wagner überzeugt. Deshalb soll innerhalb der Plattform die Möglichkeit geschaffen werden, Hausarztpraxen eine Vorstellung ihrer Fälle direkt in der Universitätsmedizin zu vermitteln.

Förderung durch das BGM

Gefördert wird das Projekt vom Bundesgesundheitsministerium mit einer Summe von 2,9 Millionen Euro. Es steht unter der Leitung der Stabsstelle Medizinische Informationssysteme und Digitalisierung am Universitätsklinikum Frankfurt. SATURN startet im Januar 2022 und läuft bis Dezember 2024.

Die Konzeption und Umsetzung des SATURN-Portals sowie einzelner KI-Module übernimmt federführend die Medical Informatics Group (MIG) am Universitätsklinikum Frankfurt. Am Projekt sind außerdem das Institut für Medizinische Informatik und Biometrie der TU Dresden, das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE in Kaiserslautern und die Elsevier GmbH in München beteiligt.

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