Aktuelle Lage der Medizintechnikindustrie Umsatz positiv, Branchenklima negativ

Quelle: Pressemitteilung

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Der Branchenverband Spectaris berichtet von deutlichen Umsatzsteigerungen der Medizintechnikindustrie 2021. Trotzdem steht die Branche aktuell vor großen Herausforderungen: Bürokratieaufwand, Lieferkettenprobleme und steigende Kosten belasten die Unternehmen.

Trotz einem moderaten Start der deutschen Medizintechnikindustrie im ersten Quartal 2022 mit einem Umsatzplus von 3,4 Prozent wird für das Gesamtjahr ein deutlich niedrigeres Wachstum als im Vorjahr erwartet. (Symbolbild)
Trotz einem moderaten Start der deutschen Medizintechnikindustrie im ersten Quartal 2022 mit einem Umsatzplus von 3,4 Prozent wird für das Gesamtjahr ein deutlich niedrigeres Wachstum als im Vorjahr erwartet. (Symbolbild)
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die deutsche Medizintechnikindustrie wächst weiter: Nach Angaben des Deutschen Industrieverbands Spectaris zeigen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes für 2021 einen Umsatz von 36,4 Milliarden Euro, was einem Plus gegenüber dem Vorjahr von 6,3 Prozent entspricht. Getragen wurde der Zuwachs von einem starken Auslandsgeschäft. Der Auslandsumsatz legte um 7,4 Prozent zu und erreichte einen Wert von 24,2 Milliarden Euro. Die Exportquote blieb damit stabil bei rund 66 Prozent. Während das Asien-Geschäft aufgrund von Lockdowns und Reisebeschränkungen mit einem Wachstum von nur 2,8 Prozent relativ schwach ausfiel, stiegen die Exporte in die EU und nach Nordamerika mit Zuwachsraten von zwölf Prozent sprunghaft an. Der Inlandsumsatz lag mit 12,2 Milliarden Euro um 4,2 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die Zahl der Beschäftigten stieg auf rund 155.000 Mitarbeiter, was einer Steigerung um 1,7 Prozent entspricht.

Krieg und MDR belasten das Geschäft

Mit diesem Ergebnis befindet sich die Branche weiter auf einem Wachstumspfad, der auch das erste Corona-Jahr 2020 bereits überstanden hatte. Im Gegenteil: Damals erwirtschafteten die hiesigen Unternehmen mit 34,25 Milliarden Euro einen um rund drei Prozent höheren Gesamtumsatz als noch 2019. Die Ursache für dieses kontinuierliche Wachstum selbst in Pandemiezeiten lag nicht zuletzt daran, dass der weltweite Bedarf an Medizintechnik und Medizinprodukten, die im Zusammenhang mit Covid-19 stehen, den Nachfragerückgang in anderen Bereichen der Medizintechnikindustrie überkompensiert hat. „Wie erwartet hat die deutsche Medizintechnikindustrie auch im vergangenen Jahr und zum Jahresbeginn 2022 ihren Erfolgskurs fortgesetzt. Der Ukraine-Krieg, Lieferkettenstörungen, die Auswirkungen der europäischen Medizinprodukteverordnung und steigende Material-, Energie- und Logistikkosten belasten aber zunehmend das Geschäft und werden Spuren hinterlassen“, berichtet Dr. Martin Leonhard, Vorsitzender der Medizintechnik bei Spectaris.

Nicht nur aufgrund der zahlreichen Unsicherheiten durch den Krieg und einem insgesamt schwierigen konjunkturellen Umfeld darf die aktuell noch positive Umsatzentwicklung nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Branche vor enormen Herausforderungen steht. Der stetig zunehmende Zulassungs- und Bürokratieaufwand im Zusammenhang mit der neuen EU-Medizinprodukteverordnung (engl. Medical Device Regulation, MDR) bringt viele, vor allem kleinere Hersteller, an ihre Belastungsgrenze und schadet der Innovationskraft der Branche massiv. Laut einer aktuellen gemeinsamen repräsentativen Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) mit Medical Mountains und Spectaris unter in Deutschland ansässigen Medizintechnikunternehmen werden viele Medizinprodukte als Folge der MDR schon jetzt vom Markt genommen, zahlreiche weitere spätestens 2024 verschwinden, wenn die Übergangsfristen für Bestandsprodukte auslaufen. Insbesondere drohen Nischenprodukte vom Markt zu verschwinden. Wenn sich hierfür keine Alternativen am Markt finden lassen, sind zudem Versorgungsengpässe in bestimmten Versorgungsbereichen nicht auszuschließen.

Leonhard weiter: „Wir brauchen jetzt den Mut auf EU-Ebene, Regulierungen, die nicht hinreichend zu mehr Sicherheit beitragen, kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls zurückzufahren. Und es muss vermieden werden, dass sich der ohnehin schon vorhandene Investitionsstau aufgrund des starken Kostendrucks nach der Corona-Pandemie auf Seiten der Krankenhäuser und der Kostenträger weiter vergrößert. Ansonsten schwächen wir den Forschungs- und Innovationsstandort Europa und gefährden die Existenz vieler innovativer Unternehmen und damit die mittelständisch geprägte Struktur der Branche in Deutschland.“

Umsatzplus von 3,4 Prozent im ersten Quartal 2022

Nach einem moderaten Start der deutschen Medizintechnikindustrie im ersten Quartal 2022 mit einem Umsatzplus von 3,4 Prozent erwartet der Verband für das Gesamtjahr ein deutlich niedrigeres Wachstum als im Vorjahr, was auch den stark steigenden Regulierungskosten in den Unternehmen geschuldet ist. Dem stehen allgemeine Wachstumstrends entgegen, die die Bremswirkung mildern: Die weltweit alternde Bevölkerung, technologische Fortschritte und die Digitalisierung, die weiter zunehmenden Investitionen der Emerging Markets in ihre Gesundheitssysteme sowie die allgemein und allerorts steigende Bedeutung des Gutes „Gesundheit“ kommen den deutschen Medizintechnik-Herstellern zugute. Bis 2025 prognostiziert Frost & Sullivan ein durchschnittliches jährliches Wachstum des globalen Medizintechnikmarktes um 6,3 Prozent. Die Teilhabe der deutschen Medizintechnik-Branche an diesem Potenzial wird zunehmend vom europäischen Rechtsrahmen und einem positiven Innovations- und Investitionsklima in Deutschland abhängen.

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Der Branchenverband Spectaris erhebt die Branchenzahlen auf Basis der Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Dabei handelt es sich um Angaben zu den deutschen Betrieben zur Herstellung von Medizintechnik mit mehr als 20 Beschäftigten. Die Umsätze von Homecare-Unternehmen, Hilfsmittel-Leistungserbringern und -Zulieferern, reinen Vertriebsgesellschaften ohne hiesige Produktionsstätte sowie von Komponentenherstellern sind nicht inkludiert.

Dieser Beitrag erschien zuerst in unserem chwesterportal Devicemed.

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