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Digitalisierung in Krankenhäusern Umbau statt Neukauf von Visitenwagen: Darauf sollten Sie achten

| Autor/ Redakteur: *Michael Hoppe / Julia Mutzbauer

Der Nutzen von digitalen Technologien in Krankenhäusern ist unumstritten. Unter anderem steigt die Effizienz, und die Quote an Fehleingaben sinkt, etwa bei der Dokumentation von Patientendaten direkt am Krankenbett. Digitale Dokumentationsmöglichkeiten retten hier sprichwörtlich Menschenleben.

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Erst 17 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland bezeichnen sich selbst als hoch oder sehr hoch digitalisiert, so die Studie „Digitalisierung in deutschen Krankenhäusern“ von McKinsey aus dem Herbst 2018
Erst 17 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland bezeichnen sich selbst als hoch oder sehr hoch digitalisiert, so die Studie „Digitalisierung in deutschen Krankenhäusern“ von McKinsey aus dem Herbst 2018
(© Concept International)

Als „kritische Infrastrukturen“ müssen Netzwerke in Kliniken besonderen Sicherheitsanforderungen genügen, um hochsensible Patientendaten zu schützen

Die Digitalisierung in deutschen Krankenhäusern steht erst am Anfang

Viele Krankenhäuser sind von einer flächendeckenden Digitalisierung derzeit jedoch noch weit entfernt. Erst 17 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland bezeichnen sich selbst als hoch oder sehr hoch digitalisiert, so die Studie „Digitalisierung in deutschen Krankenhäusern“ von McKinsey aus dem Herbst 2018. Während die Digitalisierung im Bereich administrativer Prozesse, etwa der Personalplanung, schon relativ weit vorangeschritten ist, erfasst die Mehrheit der deutschen Kliniken Patientendaten nach wie vor in Papierakten, die auf Visitenwagen durch die Stationen rollen.

Dies mag einerseits daran liegen, dass der Schutz von Daten, die in administrativen Prozessen verarbeitet werden, einfacher ist, als der Schutz von Daten, die irgendwo mobil im Krankenhaus erfasst werden und dort, zumindest theoretisch, für jeden zugänglich sind. Andererseits hat die geringe Digitalisierung deutscher Krankenhäuser in puncto Patientendatenerfassung auch mit Kosten zu tun.

Denn um auf eine digitale Datenverarbeitung umstellen zu können, muss auch die Erfassung in den Stationen modernisiert werden. Dafür sind elektronische Visitenwagen, die eine digitale Dateneingabe ermöglichen, das Mittel der Wahl.

Dazu eine Beispielrechnung: Ein durchschnittliches Krankenhaus in Deutschland betreibt etwa sieben Stationen. Auf jeder dieser Stationen sind zwei bis drei Visitenwagen im Einsatz. Macht rund 20 Wagen in einem durchschnittlichen Krankenhaus. Wenn man davon ausgeht, dass ein digitaler Visitenwagen etwa 5.000 Euro kostet, macht also allein die Ausrüstung des Krankenhauses mit digitalen Visitenwagen etwa 100.000 Euro des Budgets für ein Digitalisierungsprojekt aus.

Nicht für alle Krankenhäuser sind derartige Kosten erschwinglich. Die „Roland Berger Krankenhausstudie“ aus dem Jahr 2017 beziffert die Zahl der deutschen Krankenhäuser, die angeben, nicht über genügend finanzielle Investitionsmittel zu verfügen auf 60 Prozent – obwohl knapp 90 Prozent über eine Digitalisierungsstrategie verfügen, also sehr klare Vorstellungen davon haben, wohin die Reise in puncto Digitalisierung gehen soll.

Die Folge: IT-Manager in Kliniken verschieben die Digitalisierung bis auf Weiteres. Oder sie gehen in nur sehr kleinen Schritten voran. So fand die Roland Berger Studie auch heraus, dass die Mehrheit der Kliniken, nämlich 90 Prozent, nur zwei Prozent ihres Jahresumsatzes für IT ausgibt. Diese Quote ist deutlich geringer als in Industrie und Gewerbe.

Visitenwagen-Umbau: Günstiger Weg zum digitalen Krankenhaus

Was viele Krankenhaus-IT-Manager nicht wissen: Es ist nicht erforderlich, die bestehende Visitenwagenflotte auszumustern und gegen eine, neue, technisierte, zu ersetzen. Alte Visitenwagen lassen sich meistens mit wenig Aufwand zu digitalen Visitenwagen umrüsten. Umbau, statt Neukauf, das spart nicht nur Kosten. Die Vorgehensweise ist auch, im Sinne von „Green IT“, nachhaltig. Denn alte Stationswagen, für deren Bau hochwertige Materialien wie Aluminium und antimikrobielle Oberflächen und Beschichtungen verwendet werden, werden nicht einfach weggeworfen.

Folgende Punkte sollten Krankenhaus-IT-Manager bei der Umrüstung beachten:

Medical-geeignete Hardware verwenden

Die Bauweise von Visitenwagen ist in vielerlei Hinsicht robust, denn die Wagen müssen im Klinikalltag so einiges aushalten. Sie legen etliche Kilometer am Tag zurück, müssen den einen oder anderen Rempler unbeschadet überstehen und sie müssen vor allem antimikrobiell sein, das heißt Keime dürfen sich auf den Visitenwagen nicht anhäufen können, die Wagen müssen leicht zu reinigen und die Oberflächen müssen unempfindlich gegenüber Reinigungs- und Desinfektionsmitteln sein.

Dazu verwenden die Hersteller robuste, rostfreie Metalle wie Aluminium und Edelstahl, antimikrobielle Beschichtungen aus Silber- oder Zink-Legierungen sowie spezielle Kunststoffverbindungen, die Keime abtöten oder erst gar nicht haften lassen.

Die gleichen Eigenschaften muss auch die zur Digitalisierung notwendige IT-Hardware besitzen. Spezielle so genannte „All-in-One“-PCs (AiO-PCs) für den medizinischen Bereich haben PC und Display in einem Gerät, dem Bildschirm, verbaut. Sie kommen ohne Lüftungsschlitze aus. Ihre Oberfläche besteht aus antimikrobiellen und reinigungsmittelfesten Kunststoffen. Das Chassis ist wasser- und staubdicht nach IP-Standards und elektromagnetisch verträglich nach DIN 60.601 Norm.

Gleiches gilt für die Hardware-Peripherie: Auch Maus und Tastatur sowie Kabel und Halterungen entsprechen den Anforderungen des medizinischen Bereichs. Alternativ zu Medical-All-in-One-PCs verwenden manchen Kliniken auch spezielle robuste Tablets, die in die Halterung am Visitenwagen eingeklemmt wird und bei Bedarf auch gegen Diebstahl gesichert werden kann.

Einen weiteren Vorteil haben AiO-PCs beziehungsweise Tablets für den Medical-Bereich außerdem noch: sie sind in der Regel nonstop einsetzbar durch so genannte hot-swappable-Batterien. Das heißt, sie verfügen über einen integrierten, kleinen Akku, der die Stromversorgung überbrückt, während der Haupt-Akku am Visitenwagen gewechselt wird. Der PC oder das Tablet müssen folglich nicht zeitaufwendig herunter – und nach dem Wechsel wieder hochgefahren werden: ein Quasi-Nonstop-Einsatz ist möglich

Stromversorgung: Ununterbrochen Saft – wirklich?

Die Stromversorgung ist übrigens ein wichtiger Punkt bei digitalisierten Visitenwagen. Schließlich rollt so ein Dokumentationswagen viele Stunden am Tag durch das Krankenhaus. Ausfallzeiten für Akkuladungen sind eigentlich nicht vorgesehen.

Hier helfen Schnelllademechanismen der Wagenhersteller, die häufig Akkusysteme in ihre Visitenwagen integriert haben. Und dennoch muss der Visitenwagen mitunter drei bis acht Stunden an einer Stromversorgung hängen. Diese Ladezeiten müssen sicher in den Stationsprozessen organisiert sein. Und es muss auf entsprechende Redundanz bei Visitenwagen oder Akkus auf jeder Station geachtet werden. Ein nicht unerheblicher Kostenfaktor

Eine Alternative sind hier mobile Akkusysteme, mit denen Visitenwagen nachgerüstet werden können. Diese Akkusysteme funktionieren nach dem Baukastenprinzip. Sie verfügen über zwei oder mehrere einzelne Akkus, die über die Elektronik in der Akkueinheit miteinander redundant sind.

So können Akkus problemlos im laufenden Betrieb, hot-swappable, getauscht werden. Die Geräte auf dem Visitenwagen, wie beispielsweise Laptop, aber auch Drucker oder Vitalzeichenmonitore müssen nicht heruntergefahren werden.

Ein Satz Akkus kann während der Benutzung des Visitenwagens aufgeladen werden, ohne dass die Wageneinheit an eine Steckdose oder Ladestation angeschlossen werden muss. Ausfallzeiten von Visitenwagen, die über mehrere Stunden an der Stromversorgung hängen, entfallen oder lassen sich auf ein Minimum reduzieren.

Hinzu kommen die folgenden bauseitigen Vorteile mobiler Akkusysteme: Sie sind in puncto Gewicht meist viel leichter als fest am Visitenwagen verbaute Akkus. Ihre Bauweise ist niedervoltig. Damit wird zum Aufladen kein spezieller Raum benötigt, den Brandschutzbestimmungen für das Aufladen von Akkus eigentlich vorschreiben. Drittens, und nicht unerheblich: mobile Akkus sind in der Regel an der VESA-Halterung des Visitenwagens verbaut. Sie lassen sich damit viel leichter wechseln als herstellereigene Systeme, die meistens im Fuß des Visitenwagens fest integriert sind.

Jedes Gramm zählt: Wieviel Akku brauche ich?

So ein Visitenwagen an sich ist schon ziemlich massiv. Zwar verbauen die Hersteller sehr leichte und dünne Metalle sowie Kunststoffe und teilweise auch Holz, um Gewicht zu sparen. Aber die Anforderungen an die Robustheit der Dokumentationshilfen lassen nur engen Spielraum in puncto Gewicht. Allerlei Utensilien zur Untersuchung und Versorgung der Patienten tun ihr übriges. Da sollte nicht auch noch die IT auftragen

Dank technologischem Fortschritt ist die PC-Elektronik heute so klein, dass die Rechner problemlos ins Display-Gehäuse der so genannten All-in-One-PCs verbaut werden können. Und auch Tablets sind heute so leistungsstark, dass sie vielerorts stationäre Rechner ersetzen. Ein echter Gewichtsfaktor ist nach wie vor die Akkuversorgung. Batterien wiegen einfach, egal, ob es sich um mobile Akkusysteme oder fest verbaute Batterien handelt.

Krankenhaus-IT-Manager sollten daher beim Umrüsten ihrer Visitenwagen auch das Gewicht von Akkusystemen genau in Augenschein nehmen, sich über die unterschiedlichen Optionen informieren, überlegen, wie hoch der Strombedarf tatsächlich ist, das heißt wie viele Akkus überhaupt vonnöten sind und ob es Bedarf sinnvoller ist, auf Redundanz-Wagen zurückzugreifen.

Mehr als die Hälfte der Anschaffungskosten sparen

Das Angebot an Visitenwagen ist riesig. Genauso unübersichtlich ist der Markt für Medical-IT. Darüber hinaus gibt es bei der Umrüstung von Visitenwagen einige Überlegungen zu treffen, die Erfahrung erfordern, etwa bei der Stromversorgung.

IT-Manager von Kliniken sollten daher Experten zurate ziehen, die sich auf die Umrüstung von Visitenwagen spezialisiert haben. Sie wägen in einer Bedarfsanalyse die mitunter komplexen Anforderungen der Klinik ab und stellen passende Hardware-Komponenten zur Umrüstung der Visitenwagen zusammen.

Sie kümmern sich auch um den eigentlichen Umbau, der letztendendes dank Standards wie VESA nicht besonders komplex ist. So beläuft sich die Umrüstung von analogen zu digitalen Visitenwagen auf durchschnittlich unter 2.000 Euro für Hardware, Material und Arbeitszeit. Macht in unserem beispielhaften Projekt mit 20 Wagen eines durchschnittlichen Krankenhauses rund 40.000 Euro, im Vergleich zu 100.000 Euro für neue digitale Visitenwagen. Eine reine Anschaffungsersparnis von rund 60 Prozent.

Der Autor Michael Hoppe
Der Autor Michael Hoppe
(© Concept International)

*Michael Hoppe ist Business Development Manager bei Concept International. Hoppe hat viele Jahre Erfahrung mit dem Verkauf von Krankenhaus-IT und kennt die Bedürfnisse von Praxen und Kliniken sehr genau. Concept International ist ein Münchner Distributor von Medical-PCs und -Tablets und baut in Kliniken immer häufiger analoge Visitenwagen um.

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