Pflicht ab 1. Januar 2022 Testphase des elektronischen Rezepts beginnt am 1. Juli

Autor: Susanne Ehneß

Das digitale Rezept startet am 1. Juli in den Praxistest, bevor es dann im Januar 2022 Pflicht wird. Auf Ärzte und Apotheken kommt in den nächsten Monaten viel Aufklärungsarbeit zu: 63 Prozent der Deutschen haben laut einer Umfrage noch nie etwas vom elektronischen Rezept gehört.

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Das rosafarbene Rezept wird ab 1. Januar 2022 schrittweise durch das elektronische Rezept abgelöst
Das rosafarbene Rezept wird ab 1. Januar 2022 schrittweise durch das elektronische Rezept abgelöst
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Ab 1. Januar 2022 ist das elektronische Rezept (eRezept) Pflicht, zunächst nur für verschreibungspflichtige Arzneimittel. So schreibt es das im Oktober 2020 in Kraft getretene Patientendaten-Schutz-Gesetz (PDSG) vor. Weitere Leistungen wie Heilmittel, Hilfsmittel oder häusliche Krankenpflege werden schrittweise eingebunden.

Das eRezept soll die Abläufe in Apotheke und Arztpraxis vereinfachen und die Videosprechstunden unterstützen: Für ein Rezept muss der Patient anschließend nicht die Praxis aufsuchen. Ein weiterer Vorteil des elektronischen Rezepts soll die Übersichtlichkeit sein: Wechselwirkungen können – zum Beispiel mithilfe eines Medikationsplans – automatisch erkannt und angezeigt werden.

Apotheken sind bereit, Patienten noch nicht

Das eRezept birgt also einige Vorteile für Patienten, ist aber noch weitgehend unbekannt. Laut einer Umfrage im Auftrag der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) haben 63 Prozent der Deutschen noch nie etwas vom eRezept gehört, und ganze 95 Prozent wissen nicht, wann es eingeführt wird.

Die Mehrheit der Befragten ab 50 Jahre plant, das eRezept wie bisher­ beim Arzt ausdrucken zu lassen und damit zur Apotheke zu gehen. Die Jüngeren würden das Rezept mehrheitlich per Smartphone-App an die Apotheke schicken. Parallel befürchten 48 Prozent, keine ausreichende Beratung in der Apotheke mehr zu bekommen. „Wir müssen den Menschen die völlig unbegründete Furcht nehmen, Beratung und Versorgung würden mit dem eRezept schlechter werden. Das Gegenteil wird der Fall sein, weil Patienten ja noch einfacher mit ihrer Apotheke kommunizieren und noch schneller versorgt werden können“, kommentiert ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening die Umfrageergebnisse.

Technisch seien die Apotheken bestens auf den Roll-Out vorbereitet. Stand heute seien neun von zehn Apotheken an die Telematikinfrastruktur angeschlossen und „eRezept-ready“. „Bis zum bundesweiten Pflichtbetrieb ab 1. Januar 2022 werden alle Betriebe soweit sein“, versichert Overwiening. Jede Apotheke vor Ort werde künftig mit der kostenlosen eRezept-App der gematik zudem auch online ansprechbar sein. Dies sei ein zusätzliches Angebot neben dem analogen, physischen Kontakt zur Apotheke. „Egal ob digital oder analog, die Betreuung unserer Patienten wird immer eine ganz persönliche bleiben. Die Umfrage zeigt, dass die Menschen auch in Zukunft gerade auf diese persönliche Betreuung nicht verzichten wollen.“

Die Telematikinfrastruktur ist Dreh- und Angelpunkt der elektronischen Kommunikation zwischen Arzt, Patient und Apotheker
Die Telematikinfrastruktur ist Dreh- und Angelpunkt der elektronischen Kommunikation zwischen Arzt, Patient und Apotheker
(© ABDA)

Die Apothekerschaft begrüßt die Einführung des eRezepts. „Für die Apotheken bringt das eRezept mehr Sicherheit vor unvollständigen, fehlerhaften oder gefälschten Verordnungen“, heißt es vonseiten der ABDA. „Pflichtfelder im elektronischen Formular verhindern, dass wichtige Daten fehlen. Das erspart Rückfragen bei Ärzten und Ärger bei der Rezeptabrechnung mit den Krankenkassen.“ Zudem beseitige das neue Rezept den Medienbruch: „Das Einscannen der Verordnung in der Apotheke, deren nachfolgende Arbeitsschritte ohnehin bereits alle digitalisiert sind, entfällt. Auch die Reduzierung des Papierverbrauchs ist bei gut 600 Millionen Verordnungen jährlich ein Faktor.“ Das klappt natürlich nur, wenn die Patienten ihre Verordnungen nicht ausdrucken, wie es das Ergebnis der Umfrage aber nahelegt.

Testphase

Bereits bis 1. Juli 2021 muss die gematik die zentralen Server und die Rezept-App bereitstellen. Zu diesem Zeitpunkt startet in der ­Fokusregion Berlin-Brandenburg der Praxistest: 120 Apotheken und 50 Ärzte werden die neuen Verordnungs- und Einlöseprozesse testen. Die Erkenntnisse aus dieser Phase sollen dann in den bundesweiten Roll-Out im 4. Quartal 2021 einfließen. „Von der Testphase versprechen wir uns – ähnlich wie bei der elektronischen Patientenakte – praktische Erkenntnisse beim Zusammenspiel aller Komponenten. Sowohl aus technischer Sicht als auch was die Prozessabläufe in Apotheken und Praxen betrifft. Damit bereiten wir die breite, bundesweite Einführung bestmöglich vor“, erklärt Hannes Neumann, Produktmanager eRezept bei der gematik.

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Über den Autor

 Susanne Ehneß

Susanne Ehneß

Ressortleiterin, eGovernment Computing, Healthcare Computing