Neues Versorgungsmodell bei Herzinsuffizienz Telemedizin gibt herzkranken Patienten mehr Sicherheit

Von Nicola Hauptmann

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Patienten hilft die telemedizinische Betreuung dabei, selbstbestimmter mit ihrer Erkrankung umzugehen, während Ärzte im Notfall sofort reagieren können: Die Teilnehmer am Projekt secTOR-HF zur Versorgung von Patienten mit Herzinsuffizienz bewerten ihre Erfahrungen als positiv.

In den Regionen Rhön-Grabfeld (Bayern) und Marburg-Biedenkopf (Hessen) wird derzeit ein telemedizinisches Versorgungsmodell für Patienten mit Herzinsuffizienz aufgebaut und erprobt
In den Regionen Rhön-Grabfeld (Bayern) und Marburg-Biedenkopf (Hessen) wird derzeit ein telemedizinisches Versorgungsmodell für Patienten mit Herzinsuffizienz aufgebaut und erprobt
(© Melinda Nagy - stock.adobe.com)

„Wenn man immer wieder ein OK hört, dass die Daten alle in Ordnung sind, dann steigert sich das Sicherheitsgefühl“ – so ein Patienten-Statement zur telemedizinischen Betreuung bei Herzinsuffizienz. Ganz ähnlich äußern sich auch weitere Befragte. Insgesamt sind gut 220 Patientinnen und Patienten in das Projekt sekTOR-HF unter Leitung der Rhönklinikum AG eingebunden.

Mit Hilfe einer Telemedizin-Plattform soll eine bedarfsorientierte regionale Versorgung für Herzinsuffizienz-Erkrankte aufgebaut werden. Die Patienten stehen dabei im Mittelpunkt: Sie werden zu Beginn geschult und befähigt, ihre Vitalwerte wie EKG, Blutdruck, Körpergewicht oder auch Angaben zum Gesundheitszustand per App oder Internetportal an die Ärzte zu senden. Diese wiederum können anhand der Daten passende und individuelle Behandlungen planen und auf Veränderungen schnell reagieren.

Wie eine Befragung unter allen Nutzern der Plattform zeigte, gibt das regelmäßige Monitoring den Patienten mehr Sicherheit und Vertrauen in den eigenen Körper, es steigert auch die Motivation, sich mit der Krankheit auseinanderzusetzen.

Positive Bewertung auch durch Mediziner

Diese positiven Veränderungen bei den Patienten registrierten auch Ärzte und Pflegepersonal. Als großer Vorteil wurde demnach gesehen, dass immer alle aktuellen Werte der Patienten vorlägen und man bei abweichenden Werten sofort etwas unternehmen könne. Das habe auch Potential für die Anwendung auf andere Krankheitsbilder.

Beide Seiten, sowohl Ärzte als auch Patienten, empfinden die Benutzung des eHealth-Portals als einfach und selbsterklärend, so die Ergebnisse der Befragung. Den entscheidenden Vorteil sähen die Befragten darin, dass alle Beteiligten, auch Familie und Angehörige, „Zugriff auf die Plattform haben, intensiver miteinander kommunizieren und dabei eine gemeinsame Sprache sprechen.“

Die Befragung in Form von Experteninterviews und Fokusgruppendiskussionen wurde im Rahmen einer universitären Abschlussarbeit durchgeführt
Die Befragung in Form von Experteninterviews und Fokusgruppendiskussionen wurde im Rahmen einer universitären Abschlussarbeit durchgeführt
(© RHÖN-KLINIKUM AG / Sylvia Willax)

Weitere Verbesserungen geplant

Gleichzeitig ergaben sich aber auch zusätzliche Wünsche und Anforderungen: Ein Medikationsmodul, individuell einstellbare Alarmierungsbereiche und eine einfachere Freigabe für niedergelassene Partner konnten bereits zum Start kurzfristig integriert werden. Die Patienten wünschten sich darüber hinaus auch eine Chat-Funktion und ein Lernmodul mit weiteren Informationen zur Krankheit sowie die Möglichkeit einer Videosprechstunde mit Kardiologen. Diese Funktionen sollen mit dem Update im Oktober 2022 zur Verfügung stehen.

Übersicht

Das Projekt sekTOR-HF

Das Projekt „Transsektorale bedarfsorientierte Versorgung von Patienten mit Herzinsuffizienz und Entwicklung eines alternativen Vergütungsmodells“ (sekTOR-HF), wird vom Gemeinsamen Bundesausschuss gefördert und steht unter Leitung der Rhönklinikum AG. Krankenkassen, Ärzteverbände, Telemedizinanbieter und Institute arbeiten gemeinsam an der Erreichung der Projektziele:

  • Nach-stationäre Betreuung, um Wiederaufnahmen zu vermeiden und somit Krankenhausaufenthalte zu reduzieren
  • Entwicklung und Etablierung eines sektorenübergreifenden Versorgungsmodells am Beispiel Herzinsuffizienz
  • Implementierung einer Netzwerkstelle zur Koordination der sektorenübergreifenden Versorgungsprozesse
  • Entwicklung und Simulation eines alternativen Vergütungsmodells

Zum Ende der Rekrutierungsphase im Mai wurde eine Befragung aller Nutzer der Telemonitoring-Plattform durchgeführt, deren Auswertung jetzt bekannt gegeben wurde. Dabei berichteten Patienten wie auch Ärzte und Pflegende über ihre Erfahrungen mit der Plattform und bewerteten Faktoren wie:

  • Zufriedenheit und Akzeptanz
  • Einfluss auf das Patienten-Empowerment
  • Veränderungen in der Kommunikation, Koordination und Kontinuität

Zur Projekt-Website

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