Videosprechstunde „Telemedizin benötigt Engagement der Ärzte“

Autor: Julia Mutzbauer

Obwohl immer mehr Patienten per Video mit Ärzten oder Therapeuten in Kontakt treten, gibt es große regionale Unterschiede. Eine aktuelle Studie der Hochschule Fresenius und des Videosprechstunden-Anbieters arztkonsultation ak zeigt, dass die Nutzung der Online-Sprechstunde in Mecklenburg-Vorpommern weit hinter dem Bundesdurchschnitt zurückbleibt.

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Die Hochschule Fresenius hat eine Umfrage zum Einsatz der Videosprechstunde in Mecklenburg-Vorpommern durchgeführt
Die Hochschule Fresenius hat eine Umfrage zum Einsatz der Videosprechstunde in Mecklenburg-Vorpommern durchgeführt
(© Abdul Qaiyoom - stock.adobe.com)

Bundesweit haben 13 Prozent der Bevölkerung laut einer repräsentativen Bitkom-Umfrage vom Juli 2020 schon einmal an einer Videosprechstunde teilgenommen. Im Vergleich dazu lag der Wert in Mecklenburg-Vorpommern im September 2020 bei nur fünf Prozent, so das Ergebnis der Fresenius-Studie, für die 523 Einwohner Mecklenburg-Vorpommerns im Mai 2019 und weitere 538 Einwohner im September 2020 befragt wurden.

Dabei geht jedoch aus der Umfrage hervor, dass die Differenz zum Bundesdurchschnitt nicht durch eine zu geringe Bekanntheit der Videosprechstunde entsteht. Denn acht von zehn Bürgern in Mecklenburg-Vorpommern geben an, dass sie diese Möglichkeit kennen. 2019 waren es immerhin schon 72 Prozent. Doch ob auch der eigene Arzt eine Videosprechstunde anbietet, ist 56 Prozent der Befragten unbekannt; 2019 lag dieser noch bei 45 Prozent. Aber ein Großteil würde die Videosprechstunde gerne in Anspruch nehmen, insbesondere mit dem eigenen Hausarzt (81 Prozent) oder einem anderen bekannten Facharzt (47 Prozent).

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Zudem gaben 62 Prozent der Befragten an, dass es Situationen gibt, in denen sie sich eine Videosprechstunde mit ihrem Arzt wünschen würden. Neben der Zeitersparnis (71 Prozent) wurden auch die Vermeidung des Sitzens im Wartezimmer (68 Prozent) und die von Infektionen (54 Prozent) als Vorteile der Videosprechstunde angesehen. Überdies gaben insgesamt 53 Prozent der Patienten an, in den vergangenen zwei Jahren einen Arzttermin abgesagt oder verschoben zu haben. In diesem Jahr waren es 49 Prozent. Neben Zeitmangel und Schwäche wurde auch die Angst vor der Ansteckung durch das Coronavirus als Begründung angegeben.

„Unsere Erhebung zeigt recht klar, dass einem Großteil der Patienten die Videosprechstunde bekannt ist und diese grundsätzlich bei ihrem Arzt gern nutzen wollen würden“, erklärt Philipp Walther, Professor für Gesundheitsmanagement an der Hochschule Fresenius. „Wenn Ärzte das Angebot verbessern würden, dann würden Patienten darauf eingehen. Ein Großteil der Bevölkerung wünscht sich den direkten Videokontakt zum Arzt des Vertrauens.“

„Telemedizin ist auf das Engagement der Ärzteschaft angewiesen“, ergänzt Dr. Peter Zeggel, Geschäftsführer der arztkonsultation ak. „Auch wenn die Rahmenbedingungen noch ausbaufähig sind, liegt es an jeder einzelnen Ärztin und jedem einzelnen Arzt, die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu schließen“, betont Zeggel.

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Redaktion, eGovernment Computing