Digitales Reifegradmodell „Solide“ Positionierung deutscher Krankenhäuser

Von Eva Hornauer

Um einschätzen zu können, wo und wie man sich verbessern kann, muss geklärt werden, wie der Status quo aussieht. Deshalb stellt das Konsortium DigitalRadar ein digitales Reifegradmodell für deutsche Krankenhäuser vor, das den Digitalisierungsgrad dieser Einrichtungen messen soll. Die ersten Ergebnisse dieses Modells stimmen optimistisch.

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Knapp ein Drittel der deutschen Krankenhäuser erfüllt auch die Kernanforderungen eines internationalen Modells
Knapp ein Drittel der deutschen Krankenhäuser erfüllt auch die Kernanforderungen eines internationalen Modells
(© ipopba – stock.adobe.com)

Denken wir an ein modernes zukunftsfähiges Krankenhaus, sehen viele Menschen vor ihrem inneren Auge große, teure Maschinen im OP, die quasi im Alleingang eine Operation durchführen könnten. Oder man denkt an KI basierte Analyseprogramme, die die Diagnose von Krankheiten verbessern. Eine Zukunft ohne Digitalisierung können wir uns also im Krankenhaus der Zukunft kaum vorstellen. All das mag in Zukunft auch mehr oder weniger zum Teil des Krankenhausalltags werden, momentan bestehen die größten Digitalisierungsbaustellen in deutschen Krankenhäusern aber in den Bereichen klinische Prozesse, Informationsaustausch, Telehealth, Patientenpartizipation, strukturierte Datenweitergaben und in der Interoperabilität zwischen den bereits vorhandenen Softwarelösungen. Zu dieser Einschätzung kommt das Konsortium DigitalRadar mit dem digitalen Reifegradmodell für Krankenhäuser.

Die DigitalRadar-Erhebung stellt erstmals ein Reifegradmodell der Digitalisierung in deutschen Krankenhäusern bereit. Dafür füllten 1.616 Krankenhäuser – also 91 Prozent der Plankrankenhäuser – eine Online-Umfrage zwischen Oktober und Dezember 2021 aus. Der Reifegrad der Krankenhäuser wurde gemäß den Anforderungen des Krankenhauszukunftsgesetzes gemessen und wurde vom Bundesgesundheitsministerium beauftragt.

Im Durchschnitt erreichten die Krankenhäuser ein Messergebnis von 33,25 von 100 möglichen Punkten. Die Einzelergebnisse der Krankenhäuser lagen zum Teil weit auseinander auf der Punkteskala. Diese weite Streuung wird von den Experten von DigitalRadar durch die unterschiedlichen Trägerschaften und Größen der Krankenhäusern erklärt.

„Das DigitalRadar-Modell bietet eine umfassende Einschätzung der digitalen Reife deutschlandweit und enthält zudem einen geschätzten EMRAM-Reifegrad, der ein globales Benchmarking ermöglicht“, erklärt Prof. Dr. Sylvia Thun, Co-Projektleiterin des DigitalRadar. Die Integration des Electronic Medical Record Adoption Model (EMRAM) ermöglicht den internationalen Vergleich.

Knapp ein Drittel der deutschen Krankenhäuser erfüllen die Kernanforderungen dieses internationalen Modells und können zum Teil die Kriterien einer Level-5-Zertifizierung erfüllen. Die restlichen 69 Prozent hätten gute Möglichkeiten, so die Einschätzungen des DigitalRadars, ihren persönlichen Messwert zu verbessern. Dafür sollen die Krankenhäuser vor allem in digitale Lösungen in den Bereichen Radiologie, Labore und Kardiologie investieren.

In den OECD-Ländern schneiden viele Krankenhäuser bei dieser EMRAM-Bewertung schlechter ab – viele Krankenhäuser befinden sich auf der Stufe 0. Das deutsche Ergebnis ist also im internationalen Vergleich als durchaus positiv zu interpretieren.

Für die teilnehmenden Krankenhäuser steht seit dem 11. Februar ein Dashboard zur Verfügung, auf dem die erhobenen Daten des DigitalRadars visuell aufbereitet werden.

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