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Neue Normalität in der Arztpraxis So helfen digitale Tools

| Autor / Redakteur: Simeon Atkinson* / Julia Mutzbauer

Nach und nach werden Einschränkungen des öffentlichen Lebens zurückgefahren und aufgeschobene Arztbesuche nachgeholt. An einen Arbeitsalltag wie vor Covid-19 ist in den Praxen aber noch lange nicht zu denken. Die Ansteckungsgefahr wird die ambulante Versorgung noch lange beschäftigen. Digitale Hilfsmittel versprechen Lösungsansätze für Pandemie-gestresste Praxisteams.

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Durch Videosprechstunden können Präsenzbesuche in der Arztpraxis vermieden werden
Durch Videosprechstunden können Präsenzbesuche in der Arztpraxis vermieden werden
(© Katy Flaty - stock.adobe.com)

Zum Höhepunkt der Krise waren es vor allem Hausärzte, die alle Hände voll zu tun hatten. Je weiter die Ausgangsbeschränkungen gelockert werden, desto mehr Patienten werden aber auch wieder bei Zahnärzten, HNO-Ärzten und anderen Facharztkollegen auftauchen. Für zusätzlichen Patientenverkehr sorgt ab dem 1. Juni das umstrittene Ende der telefonischen Krankschreibung bei leichten Atemwegserkrankungen. Viele Praxisinhaber stellen sich deshalb die Frage, wie der neue Normalbetrieb in der Praxis auf die Beine gestellt werden kann.

Dass jede Arztpraxis ausreichend Schutzausrüstung vorhalten muss, liegt auf der Hand. Aber auch Software kann einen Beitrag leisten. Immer mehr Praxen verstehen, dass der Kampf gegen Corona nicht nur mit Mundschutz und Abstandshaltern geführt werden kann. Längst zählen auch digitale Hilfsmittel zum Repertoire der gut vorbereiteten Praxis.

Weniger Präsenzbesuche dank Telemonitoring und Fernbehandlung

Den Weg in seine Praxis will Dr. Egbert Schulz Patienten, die einer Risikogruppe angehören, lieber gar nicht zumuten. Trotzdem benötigt der Internist und Nephrologe aus Göttingen immer wieder Messwerte von seinen Patienten. Die Lösung lautet Telemonitoring. „Mithilfe der Telemonitoring-Plattform SciTIM können meine Patienten ihre Messungen einfach zu Hause durchführen“, erläutert Dr. Schulz.

„Die Werte werden dann automatisch zu mir in die Praxis übertragen, wo ich diese zu jeder Zeit analysieren und in meine Therapieentscheidung einfließen lassen kann.“ Verschiedenste Messgeräte sind mit der Software, die Dr. Schulz mit Kollegen entwickelt hat, kompatibel. Bei Hypertonie-Patienten kann Dr. Schulz etwa Blutdruckdaten abrufen und somit aus der Ferne neue Therapieanweisungen geben.

Auf das Vermeiden von Präsenzbesuchen zielt auch die Videosprechstunde ab. Nach Informationen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung boten Mitte April rund 25.000 Praxen eine Videosprechstunde an. Eine überwältigende Mehrheit hat die Technologie erst in letzten Wochen eingeführt. Aber werden diese Praxen auch über die Krise hinaus digitale Konsultationen anbieten?

Dr. Peter Zeggel setzt darauf. Sein Unternehmen entwickelt mit arztkonsultation.de eine der führenden Videosprechstunden-Lösungen. Mehrere tausend neue Nutzer haben sich seit dem Beginn der Krise bei dem Anbieter registriert. Dass davon ein Großteil später wieder abspringt, glaubt Dr. Zeggel nicht: „Gegen die Verbreitung des Virus hilft die Videosprechstunde immer besser als jede Präventionsmaßnahme vor Ort in der Praxis. Ärzte, die das Thema Infektionsvermeidung ernst nehmen, werden also nicht einfach aufhören, eine digitale Sprechstunde anzubieten.“

Ausreichend Abstand beim Praxisbesuch

Dass die Videosprechstunde langfristig Teil der Lösung sein kann, glaubt auch die Essener HNO-Ärztin Dr. med. Shabnam Fahimi-Weber. Doch im digitalen Arzt-Patienten-Kontakt können natürlich nicht alle Fälle abschließend geklärt werden. Deshalb bietet ihr Startup dubidoc ein „Digital-Paket“ für Praxen an, das zusätzlich zur Videosprechstunde ein digitales Wartezimmer und einen intelligenten Ressourcenmanager umfasst.

„Der Warteraum ist wohl der gefährlichste Teil der Praxis“, erklärt Dr. Fahimi-Weber. „Hier kommen sich viele Menschen sehr nah, sodass ganz leicht eine Infektionsquelle entsteht.“ Ihr Lösungsvorschlag ist ebenso radikal wie digital: „Am sichersten ist es, das Wartezimmer komplett abzuschaffen und stattdessen ein digitales Wartezimmer einzurichten.“ Konkret heißt das, dass Patienten außerhalb der Praxis warten, zum Beispiel in der Fußgängerzone, am Arbeitsplatz oder im Grünen. Der Patientenaufruf funktioniert dabei per eMail oder SMS während eine Wartezeitprognose dafür sorgt, dass Patienten auch zur Stelle sind, wenn die Behandlung beginnen kann.

Praxisinhaber können im Kampf gegen das Virus also auf verschiedene digitale Tools zurückgreifen. Per Telemonitoring und Fernbehandlung ist eine Infektion ganz ausgeschlossen, beim Praxisbesuch können intelligente Lösungen die Infektionsgefahr zumindest eindämmen. Erst wenn die Vor-Ort-Behandlung beim Arzt beginnt, endet das Potenzial digitaler Tools. Dann schlägt die Stunde der Schutzausrüstung.

*Der Autor Simeon Atkinson ist Gründer von Reach PR und PR-Berater im digitalen Gesundheitswesen.

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