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100 Tage Corona-Warn-App So funktioniert die App – und so wird sie bewertet

Autor: Julia Mutzbauer

Die Corona-Warn-App ist seit 100 Tagen in Deutschland verfügbar. Bislang wurde sie rund 18 Millionen Mal heruntergeladen. Doch was kann die App und was kann sie nicht? Healthcare Computing bringt die wichtigsten Informationen im Überblick.

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Aufgrund der steigenden Corona-Infektionszahlen ruft die Bundesregierung dazu auf die Warn-App zu nutzen
Aufgrund der steigenden Corona-Infektionszahlen ruft die Bundesregierung dazu auf die Warn-App zu nutzen
(© vayno – stock.adobe.com)

Die Warn-App soll helfen, die Ausbreitung von COVID-19 einzudämmen, indem sie die Anwender darüber informiert, wenn sie Kontakt mit einer Corona-positiv getesteten Person hatten. Je schneller die Nutzer diese Information erhalten, desto geringer ist die Gefahr, dass sich weitere Menschen anstecken. Deshalb kann die App neben Hygienemaßnahmen wie Händewaschen, Abstandhalten und dem Tragen von Alltagsmasken ein wirksames Mittel im Kampf gegen das Coronavirus sein.

Wie funktioniert das konkret?

Die Tracing-App erfasst, welche Smartphones einander nahe gekommen sind. Hierbei tauschen die Geräte über Bluetooth sogenannte Krypto-Schlüssel aus. Diese Schlüssel werden zufällig erzeugt und alle 250 Millisekunden (also viermal pro Sekunde) verschickt. Die Entfernung zwischen zwei Smartphones wird auf Grundlage der Signalstärke geschätzt.

Sollte ein Nutzer positiv auf Covid-19 getestet werden, kann er das Testergebnis freiwillig über die App teilen. Danach wird geprüft, welcher Nutzer Kontakt zur getesteten Person hatte. In diesem Fall zeigt die App eine Warnung an. Doch dabei werden zu keinem Zeitpunkt Rückschlüsse auf Personen oder ihren Standort gezogen. Der Abgleich findet – im Gegensatz zu einer Tracking-App, die über GPS-Systeme angesteuert werden kann – ausschließlich auf dem eigenen Smartphone statt.

Keine Echtzeitwarnung

Die Nutzer erhalten jedoch keine Echtzeitwarnung, wenn sie sich näher als zwei Meter einer Corona-positiv getesteten Person nähern. Eine Reaktion in Echtzeit darf die App aus Gründen des Datenschutzes nicht ermöglichen. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) erklärt dazu, dass dadurch die Identität einer Corona-positiv getesteten Person festgestellt würde und dies entsprechende Schutzrechte verletzt. Deshalb hat das eigene Smartphone keine Informationen darüber, wer infiziert ist. Es weiß lediglich, dass es in der Nähe eines anderen Smartphones war, auf dem ein verifiziertes positives Testergebnis hinterlegt wurde. Ob ein positives Testergebnis geteilt wird oder nicht, entscheidet grundsätzlich jede Person für sich.

„Wir streben einen automatisierten Prozess an, bei dem das Ergebnis ‚Test positiv‘, sobald es vorliegt und die Person sich aktiv authentifiziert hat, auf das Smartphone übertragen werden kann. Jede Person, die die App nutzt, muss aber immer erst selbst durch eine manuelle Bedienung mittels eines Schiebeschalters in der App auf positiv schalten“, so das BMG. Ein solcher automatisierter Prozess sei heute noch nicht bei allen Testlaboren eingerichtet. „Dort, wo ein automatisierter Prozess noch nicht möglich ist, gibt es einen manuellen Prozess durch den Anruf bei einer Freischalt-Hotline zur Positivmeldung inklusive Verifikation des Testergebnisses“, heißt es weiter.

Wer ist an der App beteiligt?

Die Warn-App ist ein Projekt im Auftrag der Bundesregierung. Basierend auf einer dezentralen Softwarearchitektur haben die Unternehmen Deutsche Telekom und SAP die Anwendung entwickelt. Die Fraunhofer-Gesellschaft und das Helmholtz-Zentrum CISPA standen hierbei beratend zur Seite. Das Robert Koch-Institut (RKI) nimmt bei der Corona-Warn-App eine Doppelrolle ein. Es leistet einen fachlichen Beitrag bei der Ausgestaltung der App und ist als Herausgeber auch dafür verantwortlich, die Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit sorgfältig zu prüfen.

Wie steht es um den Datenschutz?

Nach den Angaben des BMG wurde bei der Entwicklung der Corona-Warn-App sichergestellt, dass sie den hohen deutschen Datenschutz-Anforderungen entspricht. Um diese zu gewährleisten, sind sowohl der Bundesbeauftrage für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) als auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) von Beginn an in die Entwicklung der Corona-Warn-App eingebunden. Dabei unterstützt das BSI im Hinblick auf Fragen zur IT-Sicherheit. So prüfte das BSI bereits im Entwicklungsprozess laufend die von den Entwicklungsteams zur Verfügung gestellten Versionen der App sowie die zugehörigen Infrastruktur und berät hinsichtlich des zu erstellenden Sicherheitskonzepts. Zusätzlich wurde der komplette Quellcode, auf dem die App basiert, öffentlich zugänglich gemacht. So können unabhängige Fachleute der Zivilgesellschaft sich jederzeit an der Entwicklung und Verbesserung der App beteiligen und sie auf Schwachstellen kontrollieren.

Zwischenbilanz

Laut einem Sprecher des RKI gehen die Entwickler der Warn-App derzeit etwa von 14 bis 15 Millionen aktiven Nutzern aus. Doch trotz positiver Stimmen gibt es auch Probleme. Dem Bitkom zufolge kann die App bislang ihre Wirkung nur sehr eingeschränkt entfalten, da sie noch nicht flächendeckend genutzt wird. Deshalb spricht sich der Digitalverband dafür aus die App zu installieren. „Gerade bei steigenden Infektionszahlen wird es für die Gesundheitsämter immer schwieriger, Risikokontakte zeitnah, zuverlässig und vollständig nachzuvollziehen. Die Corona-Warn-App kann leisten, woran sich die Gesundheitsämter die Zähne ausbeißen“, betont der Bitkom.

Unterdessen ziehen die Oppositionsparteien im Bundestag eine kritische Bilanz zur Corona-Warn-App des Bundes: „Die Corona-Warn-App bleibt nach den ersten 100 Tagen unter den Erwartungen“, sagte der Grünen-Digitalexperte Dieter Janecek der Augsburger Allgemeinen. „Sie ist zwar ein sinnvoller Baustein zur Eindämmung der Pandemie, aber nur herunterladen bringt nichts, wenn die App nicht auch genutzt wird“, so der Bundestagsabgeordnete.

Auch Achim Kessler, gesundheitspolitischer Sprecher der Linken-Fraktion, ist nicht zufrieden: „Die Download-Zahlen allein sagen über den tatsächlichen Erfolg der App nichts aus.“ Das eigentliche Ziel, die Entlastung der Gesundheitsämter, habe die App verfehlt. „Sie leistet weder einen nennenswerten Beitrag zur Eindämmung, noch zur Aufklärung oder Erhellung des Infektionsgeschehens“, bemängelt Kessler. So sei bei positiven Testergebnis lediglich die Hälfte der Kontakte informiert worden.

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 Julia Mutzbauer

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Redaktion, eGovernment Computing