Studie zur Internetnutzung Sind Sie Internet-süchtig?

Von Ira Zahorsky

Nur mal kurz die Mails checken, ein Online-Spiel zum Zeitvertreib oder Bilder bei Instagram kucken: Das Smartphone liegt immer griffbereit, das Internet ist über günstige Tarife jederzeit zugänglich. Eine bundesweite Studie will klären, wo die normale Nutzung aufhört und die Sucht anfängt.

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Über das Smartphone ständig in Reichweite: der Zugang zum Internet.
Über das Smartphone ständig in Reichweite: der Zugang zum Internet.
(Bild: Uni Ulm)

Während des Corona-Lockdowns war das Internet für viele Menschen eine der wenigen Kontaktmöglichkeiten zur Außenwelt. Ob im Homeoffice oder zur Ablenkung – „always on“ war die Devise. Jeder „Like“ auf einen eigenen Beitrag oder in einem Spiel eine Stufe weiterzukommen, veranlasst das Belohnungszentrum im Gehirn, etwas Dopamin auszuschütten. Das bringt uns dazu, diese Handlungen wieder und wieder auszuführen. Manch einer legt sein Smartphone kaum noch aus der Hand.

Die Technologie-Konzerne hinter Social Media und Co. haben großes Interesse daran, unsere Verweilzeiten auf ihren Online-Plattformen zu verlängern.

Professor Christian Montag, Universität Ulm

Eine Forschungsgruppe will nun herausfinden, wann die Internetnutzung zur Sucht wird. Die bundesweite SCAVIS-Studie (Stepped Care Ansatz zur Versorgung Internetbezogener Störungen), die auch von Betriebskrankenkassen, Therapiezentren und Gesundheitsdienstleistern unterstützt wird, erfasst über die smart@net-App anonymisiert die Nutzerdaten der Teilnehmenden und wertet diese Daten aus. Daraus sollen spezifische Internetsucht-Variablen abgeleitet werden.

Handlungsempfehlungen

Teilnehmer, deren Nutzungsverhalten als problematisch eingestuft wird, bekommen Handlungsempfehlungen für einen ausgewogeneren Umgang. Denn: „Diese dauernden Unterbrechungen im Alltag können unsere Leistungsfähigkeit und Produktivität reduzieren“, erläutert Professor Christian Montag, Leiter der Abteilung für Molekulare Psychologie der Universität Ulm.

Die individuellen Rückmeldungen und Informationen sollen „psychologische Prozesse anstoßen, die eine Verhaltensänderung ermöglichen können“, erklärt der wissenschaftliche Studienleiter Prof. Hans-Jürgen Rumpf von der Universität zu Lübeck. Betroffene können auch Hilfe über eine kostenlose telefonische Beratung oder Online-Therapie der Universität Mainz und der Freien Universität Berlin erhalten. Auch wer noch keine Suchtanzeichen aufweist, bekommt Empfehlungen, das eigene Online-Verhalten zu reflektieren und immer wieder zu kontrollieren.

Teilnahme für alle Interessierten möglich

Die SCAVIS-Studie startet in ausgewählten Betrieben, jedoch können alle Interessierten (außerhalb der ausgewählten Betriebe) kostenfrei teilnehmen. Die smart@net App kann im Google Play Store sowie im Apple App Store heruntergeladen werden. Die Teilnahme ist ab sofort bis Ende Mai 2022 möglich. Weitere Informationen finden Interessierte unter www.scavis.net.

Über die SCAVIS-Studie

Der Forschungsverbund der SCAVIS-Studie wird von der CONVEMA Versorgungsmanagement GmbH geführt und vom Innovationsfonds gefördert. Ein weiterer Projektpartner ist der eingetragene Verein Media Protect, der sich für die Verhinderung von problematischer Mediennutzung einsetzt. Wissenschaftlich wird die Studie geleitet von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität zu Lübeck mit Beteiligung des Zentrums für Klinische Studien und des Instituts für Medizinische Biometrie und Statistik in Lübeck. Zu den zentralen Kooperationspartnern gehören die Abteilung Molekulare Psychologie am Institut für Psychologie und Pädagogik der Universität Ulm, die Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Mainz, das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) start: Psychotherapie & Coaching in Berlin und der Media Protect e. V.

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