Datensätze, vereinigt euch! Register für medizinische Forschung

Von Eva Hornauer

Ohne Daten und Wissenstransfer funktioniert Wissenschaft schlichtweg nicht – das dürfte spätestens seit der Corona-Pandemie auch Personen außerhalb der Wissenschaftsgemeinschaft klar sein. Daten und deren Erhebung sind das eine, die Bereitstellung dieser für Forscher und Forscherinnen an verschiedenen Standorten das andere. Ein vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) in Auftrag gegebenes Gutachten zu Registern für medizinische Forschung sieht genau hier Nachholbedarf.

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Register für medizinische Forschung, in den Daten von verschiedenen Standorten zusammengetragen werden können, sind wichtig
Register für medizinische Forschung, in den Daten von verschiedenen Standorten zusammengetragen werden können, sind wichtig
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Wissenschaft findet dezentral statt – nur durch den Austausch von Informationen und Daten können Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen zu neuen Erkenntnissen kommen. Speziell im medizinischen Bereich – und vor allem auch angesichts der noch immer bestehenden Forschungslücken zum Corona-Virus und dessen bestmöglicher Behandlung – bedarf es eben jenes Austausches.

Gutachten

Register für medizinische Forschung, in den Daten von verschiedenen Standorten zusammengetragen werden können, sind in diesem Zusammenhang also immens wichtig. Zu diesem Urteil kommt auch ein Gutachten des BQS Institut für Qualität und Patientensicherheit GmbH und der Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V. (TMF).

Das vom BMG in Auftrag gegebene „Gutachten zur Weiterentwicklung medizinischer Register zur Verbesserung der Dateneinspeisung und -anschlussfähigkeit“ stellt die deutsche Registerlandschaft überblicksartig vor, erörtert die bestehenden rechtlichen und methodischen Rahmenbedingungen und identifiziert die bestehenden Barrieren der Registernutzung in Deutschland. Schlussendlich werden Fördermöglichkeiten im Bereich der Registernutzung aufgezeigt, denen Kriterienkatalog und ein Reifegradmodell für wissenschaftliche Register beiliegt.

„Wir empfehlen auf Basis unseres Gutachtens, einen geeigneteren gesetzlichen Rahmen für medizinische Register zu schaffen. Wir begrüßen daher, dass im Koalitionsvertrag bereits vorgesehen ist, ein Registergesetz zur besseren wissenschaftlichen Nutzung von Registerdaten auf den Weg zu bringen“, erläutert TMF-Geschäftsführer Sebastian C. Selmer. Nach Meinung der Autoren des Gutachtens müsste eine Zentralstelle für medizinische Register eingerichtet werden, „die eine öffentlich zugängliche, zentrale Liste geprüfter Register bietet.“

Projekt CODEX erfolgreich abgeschlossen

Gute Nachrichten gibt es in diesem Zusammenhang vom Projekt CODEX (Covid-19 Data Exchange Platform): Der Aufbau der Datenplattform – vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 150 Millionen Euro gefördert – gilt seit Mitte Dezember als erfolgreich abgeschlossen. CODEX ist ein Baustein des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM), das in der Medizininformatik-Initiative (MII) bundesweit an 29 Universitätskliniken aufgebaut wurde.

Die Datenerhebung erfolgt nicht in den Universitätskliniken, sondern auch in kommunalen Kliniken, bei niedergelassenen Ärzten, Gesundheitsämtern und direkt bei den Bürgern – über Apps, die Gesundheitsdaten erfassen – selbst. Die Grundlage für diese zentrale Nutzung von Daten ist die Einwilligung der betreffenden Patienten.

„CODEX leistet einen wichtigen Beitrag zur Realdaten-Infrastruktur, um Ärztinnen, Ärzten und Entscheidungsträgern im Gesundheitssystem tagesaktuell behandlungs- bzw. entscheidungsrelevante Daten zu COVID-19 liefern zu können. Die Plattform soll zu einem besseren Verständnis der Erkrankung COVID-19 beitragen und als Grundlage für politische Entscheidungen dienen“, so Prof. Dr. Roland Eils, Zentrum für Digitale Gesundheit, Berlin Institute of Health (BIH) und Charité – Universitätsmedizin Berlin, der den Aufbau der zentralen CODEX-Plattform koordiniert.

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