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Gesundheits-Apps Psychotherapeuten warnen vor zu hohen Erwartungen

| Autor / Redakteur: dpa / Julia Mutzbauer

Die Landespsychotherapeutenkammer in Rheinland-Pfalz hat vor zu hohen Erwartungen an digitale Gesundheitsapps und -programme gewarnt.

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Gesundheits-Apps können bei Patienten mit psychischen Erkrankungen für falsche Hoffnung sorgen
Gesundheits-Apps können bei Patienten mit psychischen Erkrankungen für falsche Hoffnung sorgen
(© chinnarach - stock.adobe.com)

„Die Qualität muss geprüft werden: was bringt nach vorne und was ist Irreführung“, sagte die Präsidentin der Standesvertretung, Sabine Maur, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. „Ein App, die per ‚Mausklick‘ gegen Depressionen helfen soll, ist eine Irreführung von psychisch belasteten Menschen, die Hilfe suchen.“ Von September an werde es eine Reihe neuer Apps zur Therapie für psychische Erkrankungen geben, von denen einige auch verschrieben werden dürften, sagte sie.

Denn: „In der Regel sind das digitale Selbsthilfe-Angebote ohne Kontakte zu Psychotherapeuten“, sagte Maur. Und: „Wenn jemand mit Depressionen an einer solchen App scheitert, können die Depressionen noch schlimmer werden.“ Vorsicht sei auch geboten bei Online-Therapie-Angeboten, die mit irreführender Werbung Erwartungen schürten, aber beispielsweise nicht mehr als zwei halbstündige Telefonate mit einem Psychologen – nicht Therapeuten – böten.

Andere digitale Angebote ließen sich gut in eine Therapie einbauen, beispielsweise für Patienten, die zwischen den Therapiestunden Verhaltens-Tagebuch führen sollten. Auch die Wartezeit auf einen Therapieplatz könne mit digitalen Selbsthilfeapps überbrückt werden. „Da gibt es auch spannende Innovationen.“

Viele empfohlene Apps hätten schon jetzt hohe Abbruchraten, ergänzte Geschäftsführerin Petra Regelin. „Sie können sich nicht durchsetzen, weil die Bindung an den Menschen fehlt. Die ist viel größer, wenn ein Psychotherapeut sie mit einbaut.“ Das Versorgungsproblem an Psychotherapeuten lasse sich damit nicht lösen. Es gehe um Menschen mit psychischen Erkrankungen, betonte Maur. „Bei körperlichen Erkrankungen würde man auch nicht sagen: Das kann alles die App lösen.“

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