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Kearney-Umfrage Positive Aussichten für die Arzneimittelindustrie

| Autor: Julia Mutzbauer

Die Corona-Pandemie führt dazu, dass der technische Fortschritt in der Gesundheitsbranche weiter vorangetrieben wird. Eine Studie der globalen Unternehmensberatung Kearney zeigt, dass gerade die Pharmaindustrie davon profitieren könnte. Außerdem zählt die Arzneimittelbranche, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, zu den wenigen Bereichen, die zu Beginn der Krise starke Exportzuwächse verzeichnen konnten.

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Künftig könnte künstliche Intelligenz (KI) die Forschung und Entwicklung von Medikamenten beschleunigen
Künftig könnte künstliche Intelligenz (KI) die Forschung und Entwicklung von Medikamenten beschleunigen
(© Gorodenkoff-stock.adobe.com)

Eine Umfrage unter mehr als 20 Pharmaunternehmen bestätigt, dass vor allem der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) und Advanced Analytics enormes Potenzial hat, die Medizinbranche nachhaltig zu verändern. „Unsere Studie zeigt 17 Anwendungsbereiche, die für die Branche von besonderem Interesse sind. So kann KI dabei helfen, Informationen über Wettbewerber zu sammeln, zu analysieren und zu priorisieren“, erklärt Nicole Damani, Partnerin und Managing Director bei Kearney. Für 59 Prozent der Befragten ist die auf KI basierende Konkurrenzanalyse ein wichtiger Werttreiber im Vertrieb, der für Unternehmen einfach einzusetzen ist.

Der Einsatz von KI bringe aber auch den Patienten konkrete Vorteile. Zum Beispiel können Chatbots automatisierte Feedbacks an Patienten und Gesundheitsversorger generieren sowie Forschungsabteilungen dabei helfen, Patientenkohorten für Studien zu identifizieren und für sich zu gewinnen. „So wird nicht nur der Prozess effizienter, sondern auch die Aussagekraft der Studien erhöht“, führt Damani aus. „Um das Potenzial dieser Möglichkeiten für die Pharmaindustrie voll auszuschöpfen, braucht es jedoch eine grundlegende, organisatorische Transformation entlang der gesamten Wertschöpfungskette“, betont Damani.

KI beschleunigt Studien zu neuen Medikamenten

Die aktuelle Krise hat unter den globalen Arzneimittelherstellern ein Wettrennen um die beste und schnellste Antwort auf die Pandemie ausgelöst. Auch die Öffentlichkeit erwartet, dass die Pharmaindustire ihre Forschungsprozesse umstellt, damit Medikamente und Impfungen in einem viel kürzeren Zeitraum als üblich entwickelt und eingeführt werden können. Alternative Anwendungsmöglichkeiten für Medikamente zu finden, sei dabei ein zentrales Vorgehen als Reaktion auf die Pandemie, für die in der Regel jedoch umfangreiche Tests erforderlich seien. 82 Prozent der Befragten sehen alternative Anwendungsmöglichkeiten von Arzneimitteln als Schlüsselanwendung von Advanced Analytics in Forschung und Entwicklung.

„Die Studie zeigt, dass dies ein zentraler Anwendungsfall für Advanced Analytics ist. So können geeignete Medikamente zur alternativen Anwendung identifiziert und damit nicht zuletzt komplexe und lange Studienphasen beschleunigt werden“, erläutert Damani.

Zusätzlich zu laufenden Forschungs- und Entwicklungsbemühungen wird von den großen Pharmaunternehmen erwartet, sorgsame Entscheidungen über den Preis und die Platzierung künftiger Medizinprodukten zu treffen. „Auch hierbei können analytische Anwendungen helfen. Klar ist, der Weg zur Erschließung des vollen Potenzials von KI und Advanced Analytics entwickelt sich weiter“, so Damani.

„Damit sie auch wirklich zum Game Changer werden, müssen sich die Organisationen anders aufstellen und einen ganzheitlichen Ansatz für Datenzugriff, -verfügbarkeit und -qualität entwickeln – auch wenn die aktuelle Krise schon jetzt ein Beschleuniger für das Prototyping von Anwendungsfällen ist“, fügt Damani hinzu.

Trotzt Krise starke Exportzuwächse

Nach den Destatis-Angaben stiegen die Exporte von Pharmazeutika von März bis Mai 2020 wertmäßig um 14,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 22,1 Milliarden Euro (März bis Mai 2019: 19,3 Milliarden Euro). Insgesamt brachen die Exporte von März bis Mai 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum lediglich um 22,6 Prozent ein. Im März 2020 erreichten die Exporte von pharmazeutischen Erzeugnissen jedoch sogar einen neuen Rekordmonatswert seit Bestehen dieser Statistik und stiegen gegenüber dem Vorjahresmonat um 27,8 Prozent auf 8,2 Milliarden Euro.

Die Pharmabranche ist seit Jahren überdurchschnittlich exportorientiert. So gab es im Jahr 2019 einen Exportüberschuss von 27,6 Milliarden Euro. Im Gegensatz dazu lag der Exportüberschuss im Jahr 2009 noch bei 12,8 Milliarden Euro.

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 Julia Mutzbauer

Julia Mutzbauer

Redaktion, eGovernment Computing