Transparenz und Verantwortlichkeit Patienten misstrauen der Pharma-Industrie

Von Ira Zahorsky

Das Misstrauen gegenüber Medikamenten, ihrer Lieferkette, ihrer Qualität und Wirksamkeit ist groß: 75 Prozent der von Zebra Technologie befragten 3.500 Patienten und Entscheidungsträgern in der Pharma-Industrie weltweit fürchten Risiken.

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Das Misstrauen der Patienten gegenüber der Pharma-Industrie und ihren Akteuren ist groß.
Das Misstrauen der Patienten gegenüber der Pharma-Industrie und ihren Akteuren ist groß.
(© benjaminnolte - stock.adobe.com)

Die Pharma-Industrie und ihre verschiedenen Akteure haben keinen leichten Stand: zahlreiche Patienten haben kein Vertrauen in sie, ergab die Studie „Pharmaceutical Supply Chain Vision“ von Zebra Technologies. Drei Viertel der 3.500 befragten Patienten und Entscheidungsträger weltweit sind sich unsicher, ob verschriebene Medikamente ihre Krankheit wirksam behandle. 70 Prozent befürchten, dass sie aufgrund von Etikettierungsfehlern eine falsche Dosis erhalten und dadurch Schaden erleiden könnten. Ebenso viele haben Angst, verunreinigte, abgelaufene oder gefälschte Medikamente zu erhalten.

Probleme bei der Lieferkette

Zweifel gibt es auch bei der Lieferkette. Hier fürchten 70 Prozent, dass sie Medikamente erhalten, die während des Transports unsachgemäß behandelt oder gelagert wurden und deshalb möglicherweise beschädigt und in ihrer Wirksamkeit beeinträchtigt sind. 43 Prozent der Befragten glauben, dass Probleme in der Lieferkette zu verunreinigten oder abgelaufenen Medikamente führen können.

Die Patienten erwarten eine Garantie, dass die Medikamente echt und sicher sind. 90 Prozent würden am liebsten selbst nachprüfen, ob ein Medikament manipuliert wurde und ob temperaturempfindliche Medikamente richtig gelagert wurden. Jeweils rund 80 Prozent erwarten,

  • dass Arzneimittelhersteller offenlegen, wie sie Medikamente herstellen (81 %) und wie sie diese transportieren bzw. lagern (82 %).
  • dass sie Auskunft über die Herkunft von Inhaltsstoffen erhalten (80 %), etwa das Herkunftsland und die dortigen Standards in der Produktion.
  • Informationen, ob ihre Medikamente nachhaltig produziert werden, und welche Standards die Hersteller beim Umwelt- und Tierschutz oder bei den Arbeitsbedingungen haben (79 %).

John Wirthlin, Industry Principal, Manufacturing, Transportation und Logistics bei Zebra Technologies, sagt: „Patienten wollen genauer über ihre Medikamente Bescheid wissen – dies sollte ein Weckruf für die Verantwortlichen in der Pharmaindustrie sein, die bis jetzt in erster Linie die Einhaltung der gesetzlichen Richtlinien im Fokus hatten. Hersteller, Behörden, Apotheken und Gesundheitsdienstleister müssen enger zusammenarbeiten, um das Vertrauen der Verbraucher in die Lieferkette zu stärken.“

Qualitätssicherung

Die Verantwortung für die Sicherheit und Wirksamkeit der Medikamente tragen Aufsichtsbehörden, Pharmaunternehmen und Hersteller. Jedoch wird die Verantwortung häufig an diejenigen abgegeben, die Medikamente ausgeben und verabreichen. „Idealerweise sollten potenziell schädliche Medikamente schnell aus dem Verkehr gezogen werden, bevor sie in Krankenhäusern oder Apotheken zum Problem werden können. Deshalb wird die Richtlinie zu gefälschten Arzneimitteln in der EU bereits umgesetzt“, kommentiert Wirthlin. Drei Viertel der befragten Entscheidungsträger geben an, dass sie bereits Lösungen für die Nachverfolgung einsetzen oder dies im nächsten Jahr planen. Dadurch sollen Arbeitsabläufe in der Produktion und die Nachverfolgung von Arzneimitteln verbessert sowie Diebstahl und Manipulationen reduziert werden und Patienten transparentere Informationen erhalten.

Die größte Herausforderung für Führungskräfte in der Pharmaindustrie besteht darin, genügend Medikamente herzustellen und zu liefern, um den Bedarf zu decken. Weitere Probleme entstehen durch Verzögerungen bei der Zulassung, durch hohe Produktionsauslastungen, im Vertrieb und in der Lagerung sowie durch eingeschränkte Versandkapazitäten und Transportverzögerungen. Daher planen 92 Prozent der Befragten, im nächsten Jahr verstärkt in Lösungen für die Überwachung der Medikamentenproduktion und der Lieferkette zu investieren.

Kein Service in der Apotheke?

82 Prozent der Millenials und 61 Prozent der älteren Befragten geben an, dass sie schon einmal Probleme beim Kauf oder der Einnahme von Medikamenten hatten. Zu den fünf häufigsten Problemen zählen:

  • Benötigte Medikamente waren nicht verfügbar oder nicht auf Lager (32 %).
  • Die Patienten haben nur einen Teil der nötigen Dosis erhalten, weil das Medikament gerade nicht ausreichend verfügbar war (29 %).
  • Das gleiche Produkt wurde anderswo zu einem niedrigeren Preis angeboten (27 %).
  • Das Medikament war nicht rechtzeitig oder nicht zum gewünschten Zeitpunkt erhältlich (22 %).
  • Es sind schwere Nebenwirkung aufgetreten (21 %).

Dabei tolerieren die Jüngeren offensichtlich weniger Fehler und sind gleichzeitig doppelt so oft bereit, die Apotheke zu wechseln, um eine besseren Service zu bekommen. 70 Prozent aller Befragten haben schon einmal aufgrund einer schlechten Erfahrung den Arzt oder die Apotheke gewechselt oder ein anderes Medikament ausprobiert.

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