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Coronakrise: Antrieb für die digitale Medizin Nutzerzahlen von Gesundheits-Apps steigen um 16 Prozent

| Autor: Julia Mutzbauer

Während viele deutsche Start-ups mit den wirtschaftlichen Auswirkungen von COVID-19 zu kämpfen haben, profitiert die Healthcare-Branche durch die erhöhte Aufmerksamkeit für Gesundheitsthemen. Eine Umfrage unter deutschen Digital-Healthcare-Gründern und -Investoren sowie eine Datenanalyse von Strategy&, der Strategieberatung von PwC, zeigt: Die monatlichen Nutzerzahlen von Health- und Fitnessanwendungen sind seit Mitte März um 16 Prozent angestiegen.

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Gesundheits-Apps werden immer häufiger genutzt
Gesundheits-Apps werden immer häufiger genutzt
(© SergeyBitos - stock.adobe.com)

80 Prozent der Digital-Healthcare-Start-ups berichten, dass ihre Apps immer häufiger genutzt werden. Entsprechend sehen 82 Prozent der Befragten die Krise als Chance und 72 Prozent rechnen mit höheren Investitionen in die eigene Sparte als im Vorjahr. In Deutschland erreicht die Zahl der Digital-Health- und Fitness-App-Nutzer mit 20,4 Millionen einen neuen Höchststand. Im Vergleich dazu waren es im vergangenem Jahr 17,6 Millionen.

Krise fördert Bewustsein für digitale Angebote

Als größte mittelfristige Wachstumschance betrachten 88 Prozent der Interviewten das krisenbedingt deutlich gestiegene Bewusstsein für digitale Angebote in der Bevölkerung, die durch die aktuell hohe Auslastung des Systems verstärkt einen eigenen neuen Zugang zu Gesundheitslösungen finden muss. Solche neuen Wege wie Gesundheits-Apps eröffnen aus der Sicht von 12 Prozent der Befragten neue COVID-19-spezifische Geschäftsfelder.

Dr. Thomas Solbach, Studienautor und Partner bei Strategy&, erläutert: „COVID-19 beschleunigt die Digitalisierung in der Medizin in einem enormen Ausmaß. Patienten und Ärzte nutzen aktuell vermehrt virtuelle Behandlungsmöglichkeiten und erkennen deren Vorteile. Daher könnten sich digitale Lösungen auch mittel- und langfristig als Ergänzung traditioneller Methoden etablieren.“

Solbach ergänzt: „Ihre Resilienz haben Digital-Healthcare-Start-ups schon während der Finanzkrise mit geringen Finanzierungsrückgängen unter Beweis gestellt. Das aktuelle Stimmungsbild der deutschen Gründerszene bestätigt uns in der Prognose, dass die Ausgaben für digitale Gesundheitslösungen bis 2030 allein in Deutschland ein Marktvolumen von rund 40 Milliarden US-Dollar erreichen werden.“

Tortzdem blicken deutsche Digital-Healthcare-Start-ups realistisch auf die einschränkenden Faktoren der Krise, die sie bewältigen müssen, um die Marktpotentiale voll ausschöpfen zu können. 58 Prozent machen sich Sorgen, dass Investoren Wagniskapital aus Risikoprojekten zurückziehen. Außerdem befürchtet die Hälfte der Befragten, dass die Kostenträger in der Folge der Krise noch preissensibler agieren.

Der Autor der Studie meint: „Für Digital-Healthcare-Start-ups könnte sich die COVID-19-Pandemie als entscheidende Wegmarke in der eigenen Entwicklung erweisen. Um Zertifizierungsprozesse und somit die Einführung innovativer Produkte weiter zu beschleunigen, sind Kooperationen etablierter Gesundheitsunternehmen, wie etwa Pharmafirmen, mit Start-ups denkbar, um langjährige Erfahrung mit innovativen Geschäftsideen zu vereinen.“ Talbach schließt: „So könnte es gelingen, bürokratische Hürden im Dialog mit den Regulatoren schrittweise abzubauen. Der Weg hin zu einer patientenzentrierten digitalen Medizin mit dem Fokus auf Prävention ist angesichts des aktuellen Digital-Booms selten so klar vorgezeichnet wie heute.“

Für die Studie wurden mit Unterstützung des Spitzenverbands Digitale Gesundheitsversorgung e.V. 27 deutsche Digital-Health-Gründer und -Investoren im April 2020 befragt.

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