Bitkom-Umfrage zu Gesundheits-Apps Nur ein Viertel der Ärzte will sie auch verschreiben

Autor: Manfred Klein

Ob zur Behandlung von Migräne, Schlafstörungen oder Tinnitus: Seit Oktober können sich Versicherte Gesundheits-Apps für das Tablet oder Smartphone auf Rezept verschreiben lassen. Doch noch reagiert die Ärzteschaft zurückhaltend und der Informationsbedarf in den Arztpraxen ist nach wie vor hoch, so das Ergebnis einer Umfrage des Branchenverbandes Bitkom zusammen mit dem Hartmannbund im November durchgeführt hat.

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Zurückhaltung groß, Know-how gering – so ließe sich der Kenntnisstand in Sachen Gesundheits-Apps zusammenfassen
Zurückhaltung groß, Know-how gering – so ließe sich der Kenntnisstand in Sachen Gesundheits-Apps zusammenfassen
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Der Branchenverband selbst sieht das Ergebnis allerdings in einem rosigeren Licht; er stellt fest: „Bei den Ärzten in Deutschland stößt diese Möglichkeit auf großes Interesse: So sagt jeder vierte Arzt (24 Prozent), von nun an digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) verordnen zu wollen.“ Schon im Nachsatz muss man die optimistische Einschätzung aber ein wenig relativieren. Da heißt es nämlich: „Allerdings haben das erst 2 Prozent der Mediziner bereits getan.“

Allerdings zeigt die Umfrage auch, das ein Großteil der Ärzte, die bereits eine Gesundheits-App verschrieben haben oder dies tun werden, diese für eine sinnvolle Ergänzung zum medizinischen Standardangebot (68 Prozent) hält. 29 Prozent sind sogar der Meinung, dass digitale Gesundheits-Apps in bestimmten Fällen sogar konventionelle Therapien ersetzen werden. Ebenfalls fast 3 von 10 Ärzten (29 Prozent) fordern, das Angebot an Gesundheits-Apps solle schnell ausgebaut werden.

Bei den jüngeren Ärzten zwischen 25 und 44 Jahren, die Gesundheits-Apps verschreiben wollen oder dies bereits getan haben, sagt dies mehr als jeder Zweite (53 Prozent) – und damit deutlich mehr als bei den Ärzten ab 45 Jahren (11 Prozent). Bitkom-Präsident Achim Berg kommentierte die Ergebnisse der Umfrage so: „Gesundheits-Apps auf Rezept können das medizinische Angebot in Deutschland sehr gut ergänzen und bringen die Digitalisierung des Gesundheitssystems einen großen Schritt voran“, sagt. „Bislang sind erst sechs digitale Gesundheitsanwendungen zugelassen – die Prüfung weiterer Angebote muss jetzt schnell fortgeführt und abgeschlossen werden.“

Zudem gibt es unter den Ärzten in Deutschland noch einen großen Informationsbedarf, was Nutzen und Indikation der Gesundheits-Apps betrifft. Die Mehrheit von 58 Prozent der Ärzte, die digitale Gesundheitsanwendungen jetzt oder künftig verschreiben, wünscht sich eine zentrale Plattform, auf der sich Ärzte und Patienten über die verfügbaren digitalen Gesundheitsanwendungen informieren können. Zugleich weiß jeder zehnte Mediziner (10 Prozent) nicht, was eine digitale Gesundheitsanwendung überhaupt ist. Weitere 15 Prozent antworteten auf die Frage, ob sie eine solche App bereits verschrieben haben oder künftig verschreiben wollen mit „weiß nicht“.

„Wir müssen die Ärzte noch besser über die Möglichkeiten digitaler Gesundheitsanwendungen informieren“, sagt Dr. Klaus Reinhardt, Bundesvorsitzender des Hartmannbundes. „Wichtig ist aber auch, dass die digitalen Gesundheitsanwendungen dem Patienten helfen und für die Ärzte Diagnose und Therapie wirklich vereinfachen. Nur dann werden sie auch in der Breite ankommen und ihren vollen Nutzen entfalten.“

Und noch will eine Mehrheit von 28 Prozent der Ärzte (gegenüber 24 Prozent die dies tun wollen), auch künftig ihren Patienten keine Gesundheits-App verschreiben. Die Mehrheit aus dieser Gruppe (57 Prozent) führt Datenschutzbedenken als Grund an, weitere 41 Prozent mangelndes Vertrauen in die Technologie (41 Prozent). Mehr als jeder Dritte (37 Prozent) verfügt über zu wenige Informationen über digitale Gesundheitsanwendungen.

„Die beste App hilft niemandem, wenn Ärzte sie nicht verschreiben. Es ist deshalb wichtig, dass sich jeder Arzt mit den neuen digitalen Möglichkeiten auseinandersetzt und Politik und Krankenkassen umfassend über Nutzen, Anwendung und Verordnungsmöglichkeiten informieren“, betont Bitkom-Präsident Achim Berg.

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