On Demand-Modell und Luca Connect Neue Geschäftsmodelle, alte Probleme

Von Natalie Ziebolz

Seit langem umstritten, von den Gesundheitsämtern kaum genutzt, dennoch erweitern die Betreiber die Funktionalität der Luca-App und setzen auf ein On-Demand-Modell für die Gesundheitsämter. Kann dieses die App noch retten oder wird sie ein Millionengrab?

Die Luca-App wurde um ein On Demand-Modell sowie eine direkte Kommunikationsmöglichkeit mit (infizierten) Nutzer erweitert
Die Luca-App wurde um ein On Demand-Modell sowie eine direkte Kommunikationsmöglichkeit mit (infizierten) Nutzer erweitert
(© culture4life)

Zum Jahreswechsel hat sich bei der Luca-App einiges getan: So wurde mit „Luca Connect“ das größte Update des Systems implementiert. Damit soll es den Gesundheitsämtern möglich sein, mit einzelnen Nutzern über das Luca-System direkt in Kontakt zu treten. „Die neuen Funktionen vereinfachen die komplizierten Meldewege und beschleunigen so das Prozedere enorm“, ist sich Luca-Geschäftsführer Patrick Henning sicher. „Außerdem bieten sie den Gesundheitsämtern eine noch fundiertere Basis für die Risikoeinschätzung.“ Voraussetzung ist, dass die Nutzer ihren Impf- und Genesenennachweis in der App hinterlegt und ihren Status und die Kontaktdaten mit dem für sie zuständigen Gesundheitsamt geteilt haben.

Gleichzeitig wurde ein flexibles On Demand-Modell für die Gesundheitsämter eingeführt. „Luca wird dabei die Basisversorgung der Luca-Technologie in jedem Bundesland langfristig aufrechterhalten und jedem Bundesland die Möglichkeit geben, jederzeit nach Bedarf das Luca-System für einen quasi beliebigen Zeitraum einzusetzen“, erklärt Betreiber culture4life in diesem Zusammenhang. Explizit bedeutet das, dass künftig keine initialen Kosten – etwa für die Entwicklung der Infrastruktur, die Registrierung oder für SMS – mehr anfallen. Stattdessen betragen die Kosten für die Gesundheitsämter 750 Euro monatlich, und der Vertrag lässt sich monatsweise mit einem Vorlauf von vier Wochen kündigen. Eine Stand-by-Funktion ermöglicht es zudem, den Vertrag vorübergehen ruhen zu lassen. In diesem Fall fallen für die Gesundheitsämter nur noch 20 Prozent der Kosten an.

Das denken die Gesundheitsämter

Ob diese Funktionen wirklich noch gebraucht werden, bleibt fraglich. Immerhin haben sich die meisten Bundesländer bereits von der Luca-App abgewandt. So bestätigt das Gesundheitsamt Augsburg etwa, dass die App bereits seit dem explosionsartigen Anstieg der Fallzahlen nur noch eine geringe Rolle in den Gesundheitsämtern spielt und erklärt: „Generell hatten die Daten aus der Luca-App nur dann einen praktischen Nutzen, wenn beispielsweise Gastronomiebetriebe in ihren Gasträumen eine sehr feingliedrige Unterteilung in der App vorgenommen haben. In anderen Worten: Ein QR-Code an der Eingangstüre ist weitgehend nutzlos, separate Codes an den Tischen konnten je nach den Umständen des Einzelfalls zielführende Erkenntnisse liefern.“

Stuttgart hingegen kritisiert hingegen den Prozess der Kontaktnachverfolgung: „Ein genereller Nachteil von Luca ist aus Sicht des Gesundheitsamts, dass aufgrund des Prozesses zum Abruf von Kontaktpersonendaten zwischen der Identifizierung des Indexes und der Versendung der Warnmeldung an die Kontaktpersonen Tage vergehen können. Zum einen muss im Normalfall der Index erst kontaktiert werden, um eine TAN abzufragen und zum anderen müssen die Kontaktpersonendaten nach Aufforderung durch das Gesundheitsamt erst durch den Lokalbetreiber freigegeben werden.“

Es verwundert daher nicht, dass die Erfahrungen mit den neuen Funktionen eher minimal ausfallen. So bestätigt das Gesundheitsamt Stuttgart, abgesehen von den Warnhinweisen keine näheren Erfahrungen mit Luca Connect gemacht zu haben. Auch in Hannover haben die Funktionen „keinen wesentlichen Anteil eingenommen“.

Hohe Kosten, wenig Nutzen

Die Luca App kam und kommt also wenig zum Einsatz. Dennoch haben 13 Bundesländer insgesamt fast 22 Millionen Euro für die App ausgegeben – lediglich Thüringen, Sachsen und Nordrhein-Westfalen arbeiteten von Beginn an mit Alternativen. Die Kosten je Bundesland variierten dabei:

  • Baden-Württemberg: 3.700.000 Euro
  • Bayern: 5.500.000 Euro
  • Berlin: 1.200.000 Euro
  • Brandenburg: 990.000 Euro
  • Bremen: rund 260.000 Euro
  • Hamburg: 615.000 Euro
  • Hessen: über 2.000.000 Euro
  • Mecklenburg-Vorpommern: 440.000 Euro
  • Niedersachsen: 3.000.000 Euro
  • Rheinland-Pfalz: 1.726.000 Euro
  • Saarland: 369.090 Euro
  • Sachsen-Anhalt: rund 1.000.000 Euro
  • Schleswig-Holstein: 1.250.000 Euro

„Im Frühjahr 2021 war die Entscheidung, die Luca-App für die Digitalisierung der Kontaktpersonennachverfolgung zu nutzen und damit Öffnungsschritte zu ermöglichen, richtig“, hält das Gesundheitsministerium Baden-Württemberg fest. Ein Gesamtfazit, ob sich die Investition gelohnt hat, wollten die Behörde jedoch auf Nachfrage nicht geben.

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