IT-Fachkräftemangel

„Nehmen uns die Chance, das Gesundheitssystem zukunftsfähig aufzustellen“

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Die andere Seite der Medaille sind die Pflegekräfte, die Ärzte, die mit den digitalen Anwendungen arbeiten müssen. Wäre es hier nicht auch notwendig, die Weiterbildungsmaßnahmen zu verstärken?

Strunz: Auf jeden Fall! Wir stehen im engen Austausch mit den Krankenhäusern und dabei zeigt sich, dass auch die Mitarbeiter vermehrt Weiterbildungen fordern. Gerade im Rahmen des Krankenhauszukunftsgesetzes müssen sie vermehrt mit neuer Software und neuen Prozessen arbeiten, aber niemand zeigt ihnen, wie alles richtig funktioniert. Für das Gelingen der Digitalisierung ist es jedoch essenziell alle Beteiligten dazu in die Lage zu versetzen, die neuen Anwendungen und damit auch ihre Vorteile richtig einsetzen zu können. Da sind Schulungen und Weiterbildungen unerlässlich.

Aktuell gibt es auch schon die Überlegung, ob man nicht einen Facharzt für digitale Medizin einführen sollte. Eben weil sich die Arbeitsweisen in den kommenden Jahren noch stärker verändern werden. Für den Arzt ist es eben auch eine andere Situation, wenn er nur noch per Video zu dem Patienten zugeschalten wird. Das ist eine andere, eine neue Art des Arbeitens und die muss man lernen. Deswegen ist es insgesamt wichtig, dass man das Thema Digitalisierung und IT in die medizinische Ausbildung aufnimmt – ob im Studium, während er Facharzt- oder Pflegeausbildung oder weiterbildend während des Berufsalltags. Wobei bei der letzten Möglichkeit immer berücksichtigt werden muss, dass die angesprochenen Berufsgruppen bereits an ihrer Belastungsgrenze arbeiten und oft nicht die zusätzliche Zeit aufbringen können.

Das Budget der Krankenhäuser, Ärzte, etc. fällt meist viel zu niedrig aus. Wie sollen da noch Weiterbildungen finanziert werden?

Strunz: Das ist wie so häufig eine Priorisierungsfrage. Ich meine, wie teuer ist es für ein Krankenhaus Prozesse einzuführen, die dann aber nicht genutzt werden? Langfristig würde man sicherlich Geld sparen, wenn man die Mitarbeiter durch Weiterbildungen von Anfang an mitnimmt. Wenn das nicht möglich ist, sollte man überlegen, ob man die neuen Anwendungen überhaupt einführt. Das Geld auszugeben, nur damit man sie hat, ist nicht zielführend. Der Bund könnte aber auch im Rahmen des KHGZ sicherstellen, dass ausreichend Gelder für Schulungen zur Verfügung stehen.

In welche Richtung sollte sich das Gesundheitswesen in Ihren Augen künftig entwickeln?

Strunz: Ich würde mir einerseits wünschen, dass das Thema Weiterbildung ernster genommen wird. Das jedes Digitalisierungsprojekt, jede Software-Einführung mit genug Budget unterstützt wird, um Ärzte, Pflegekräfte, aber auch Patienten direkt mitzunehmen. Ich kann es gar nicht oft genug betonen, es bringt nichts, Lösungen zu implementieren, mit denen keiner umgehen kann.

In Zukunft sollten darüber hinaus vermehrt ausländischer Fachkräfte bei offenen Stellen – egal ob in der IT oder Pflege – in Betracht gezogen werden. Die Migration, aber auch die Anerkennung ausländische Abschlüsse sollten dafür vereinfacht werden. Ansonsten werden wir bald einschneidende strukturelle Veränderungen im Gesundheitswesen erleben, weil beispielsweise Krankenhäuser aufgrund von Personalmangel geschlossen werden müssen. Um das zu verhindern, müssen wir uns öffnen.

Zudem muss das Thema Forschung vorangebracht werden. Mit den Daten der digitalen Patientenakten bietet sich uns die Chance, Therapieerfolge besser zu messen und Zusammenhänge von Krankheiten zu verstehen. Wir brauchen jedoch endlich die entsprechende gesetzliche Grundlage. Es dauert hierzulande teilweise Jahre, bis man Zugriff auf die Daten erhält. In den Staaten geht das beispielsweise schneller. Dort ansässige Healthcare-Startups und Forscher haben dadurch einen Vorteil.

Dr. Sophia Strunz
...ist Geschäftsführerin des Startups Hypercampus.

Bildquelle: Hypercampus

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