Herzinsuffizienz Mobiles MRT zur Früherkennung

Autor: Julia Mutzbauer

Anfang Juli 2021 ist das Projekt „HerzCheck“ unter der Leitung des Deutschen Herzzentrums Berlin (DHZB) an den Start gegangen. Ziel ist es, die Früherkennung einer Herzinsuffizienz mit Hilfe mobiler Magnetresonanztomografie (MRT) auch in ländlichen Regionen zu ermöglichen.

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Die mobilen MRT-Einheiten können an regionalen Kliniken oder ambulanten Einrichtungen wie Ärztehäusern aufgestellt werden
Die mobilen MRT-Einheiten können an regionalen Kliniken oder ambulanten Einrichtungen wie Ärztehäusern aufgestellt werden
(© www.herzcheck.org)

Im Rahmen des Projekts „HerzCheck“ werden mobile MRT-Einheiten an regionalen Kliniken oder ambulanten Gesundheitseinrichtungen wie Arztpraxen aufgestellt. Dazu wurden spezielle Lkw-Konstruktionen entwickelt, um die Herz-MRT-Untersuchungen vor Ort durchführen zu können.

Nach den Angaben der Initiatoren dauert die MRT-Untersuchung nur etwa 10 bis 15 Minuten. Dabei soll ein neuartiger MRT-Parameter dafür sorgen, dass die „Dehnung“ des Herzmuskels und damit die Funktion der linken Herzkammer sehr genau beurteilt werden kann. Ziel ist es, Personen mit asymptomatischer Herzinsuffizienz frühzeitig zu identifizieren und für sie eine passende Therapie auszuwählen.

Die fachärztliche Überwachung und Betreuung erfolgt hierbei über eine Telemedizin-Anwendung. Weiterhin soll eine digitale Lösung die Erstellung der Befunde erleichtern. Die Software Radio Report des Berliner Start-ups Neo Q führt die Ärzte durch den virtuellen Meldeprozess. Dabei entsteht ein vollständiger standardisierter Bericht mit maschinenlesbaren Inhalten.

Zusätzlich lässt sich der Befundbericht automatisch in einen für die Patienten verständlichen Text umwandeln. „Der Befund ist immer schon Teil der Therapie. Wenn der Patient den Befund wirklich versteht, erkennt er seine gesundheitlichen Probleme leichter und kann die vorgeschlagenen Maßnahmen besser nachvollziehen“, erläutert Prof. Dr. Alexander Huppertz, Gründer und CEO von Neo Q und selbst Radiologe.

Nach der Untersuchung werden die Daten unter Beachtung aller Datenschutz-Vorgaben online an das DHZB übermittelt und dort durch ein geschultes Fachärzteteam ausgewertet. Daraufhin werden die Patienten je nach Schweregrad des Befundes in unterschiedliche Behandlungsgruppen zur wohnortnahen Prävention und Therapie bei Haus- oder Fachärzten eingeteilt.

„Mit den modernen Mitteln ambulanter Diagnostik und mit Hilfe der Telemedizin können wir Herzinsuffizienz-Patientinnen und Patienten auch in ländlichen Regionen ein optimales Diagnose- und Therapieangebot machen“, betont Konsortialführer Prof. Dr. med. Sebastian Kelle, Kardiologe und Oberarzt am Deutschen Herzzentrum Berlin.

Begleitende Studie

Zudem soll in einer Studie evaluiert werden, ob eine mobile Herz-MRT-Messung der Dehnung des Herzmuskels (GLS) die Prognose von Herzinsuffizienz-Patienten verbessern kann. Das Projekt richtet sich dabei an Ärzte sowie Patienten (AOK- Versicherte) in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Neben dem Herzzentrum sind auch die AOK Nordost, das Unternehmen medneo als Betreiberin der mobilen MRT-Systeme und der IT-Technologie, das Herz- und Gefäßzentrum Bad Bevensen, die Universitätsmedizin Göttingen, die Universitätsklinik Köln sowie das Universitätsklinikum Heidelberg an diesem Projekt beteiligt.

„Mit HerzCheck wollen wir für unsere Versicherten, die an einer Herzinsuffizienz leiden, eine bessere Prognose und einen deutlichen Zugewinn an Lebensqualität erreichen. Herzinsuffizienz tritt gerade in den Flächenländern Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern überproportional häufig auf. Frühzeitig erkannt ist sie aber gut in den Griff zu bekommen und gravierende Folgen können vermieden werden“, kommentiert Daniela Teichert, Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost.

Teilnahme

Für die Projekt- und Studienteilnahme gibt es unterschiedliche Wege:

  • Haus- und Fachärzte können geeignete Patientinnen und Patienten aus ihrem Patientenstamm identifizieren und diesen das Projekt empfehlen.
  • Personen, die von der Studie erfahren haben, können ihren Arzt fragen, ob sie für die Teilnahme geeignet sind.
  • Die AOK Nordost nutzt die ihr zur Verfügung stehenden Kommunikationsmittel zur Ansprache ihrer Versicherten.

Geplante MRT-Standorte

Das mobile MRT ist bisher für folgenden Standorte geplant:

  • 1. Juli bis 31. August 2021 in Templin,
  • ab 2. August 2021 in Neuruppin,
  • ab 9. August 2021 in Forst (Lausitz),
  • ab 1. September 2021 in Eberswalde,
  • ab 1. September 2021 in Potsdam,

Weitere Termine für das Projekt sind in Planung.

Weitere Infos

Mehr Infos zu „HerzCheck“ gibt es unter www.herzcheck.org.

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 Julia Mutzbauer

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Redaktion, eGovernment Computing