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Land unterstützt Entwicklung von Corona-Schnelltest mit sechs Millionen Mobiles Gerät soll Erkennung von Infizierten beschleunigen

| Autor: Julia Mutzbauer

Das Hahn-Schickard-Institut für Mikroanalysesysteme in Freiburg will ein neues Testverfahren zum Vor-Ort-Nachweis des Coronavirus entwickeln. Dabei soll ein mobiles Gerät zum Einsatz kommen, das die Analyse von Infizierungen beschleunigen soll. Das Land Baden-Württemberg unterstützt das Projekt mit sechs Millionen Euro.

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Professor Erik Schweickert MdL (ganz rechts) machte sich bei Hahn-Schickard selbst ein Bild vom Testsystem, das nun für den Corona-Nachweis weiterentwickelt wird. Dr. Daniel Mark von Spindiag (li.) und Hahn-Schickard-Institutsleiter Professor Roland Zengerle führten das System vor
Professor Erik Schweickert MdL (ganz rechts) machte sich bei Hahn-Schickard selbst ein Bild vom Testsystem, das nun für den Corona-Nachweis weiterentwickelt wird. Dr. Daniel Mark von Spindiag (li.) und Hahn-Schickard-Institutsleiter Professor Roland Zengerle führten das System vor
(© Hahn-Schickard)

Das neue Corona-Testverfahren soll schon im August diesen Jahres auf den Markt kommen, heißt es aus Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau. Mithilfe eines mobilen Geräts, das vom Hahn-Schickard-Institut gemeinsam mit dem aus dem Institut hervorgegangenen Start-up Spindiag GmbH entickelt wurde, soll es künftig möglich sein innerhalb von 30 bis 40 Minuten verlässliche Analysen über eine Infizierung der getesteten Personen zu erhalten.

„Damit gehen wir einen wichtigen Schritt bei der Eindämmung der Corona-Ausbreitung, denn das neue Testgerät wird die Erkennung von Infizierten maßgeblich beschleunigen und vereinfachen. Das Projekt ist ein beein-druckender Beweis für die Kompetenz und die Agilität der wirtschaftsnahen Forschung und innovativer Start-ups in Baden-Württemberg“, so Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut.

Laut dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau. hatte Hahn-Schickard bereits zuvor ein vergleichbares Point-of-Care-Testsystem für den Nachweis antibiotikaresistenter bakterieller Erreger entwickelt. Auf Basis dieser vorliegenden Plattform wollen die Beteiligten nun innerhalb weniger Wochen den Schnelltest entwickeln und zur Anwendungsreife bringen.

„Das Konzept überzeugt dabei vor allem mit der geringen Testdauer für zwei parallele Analysen und eines hochsensitiven, zweistufigen nested PCR-Ansatzes“, so das Ministerium. Dabei werden zwei Stufen des gängigen Labor-Analysestandards Polymerase-Kettenreaktion (polymerase chain reaction, PCR) in einem Testträger hintereinandergeschaltet. Dieses System ermöglicht Analysen mit einer Genauigkeit von über 95 Prozent, heißt es dazu.

Die hohe Sensitivität des Tests sorge außerdem dafür, dass mit sehr wenig „Testmaterial“, wie etwa einem Speichelabstrich auf Wattestäbchen, sichere Testergebnisse erzielt werden können. Das System zeichne sich vor allem durch die einfache und sichere Testdurchführung aus. Der Tupfer, mit dem der Nasen-oder Rachenabstrich vorgenommen wird, kann direkt in die Kartusche eingeführt werden. Es sei keine weitere Arbeit mit der Patientenprobe notwendig, sodass das Kontaminations- und Infektionsrisiko für das Personal minimiert werde. Dies mache die Benutzung weit über Kliniken und Arztpraxen hinaus möglich, beispielsweise in Apotheken, erste-Hilfe-Stationen, Betrieben und vielen anderen Vor-Ort-Stellen.

Das Wirtschaftsministerium erläutert: „Die von Professor Dr. Roland Zengerle und dem von ihm geleiteten Hahn-Schickard-Institut für Mikroanalysesysteme in Freiburg über einige Jahre entwickelte Mikrofluidik-Struktur erlaubt es nicht nur, schneller und mit höherer Präzision als mit anderen Produkten zu messen, diese Technologie erschließt auch eine zukünftige Multiplexfähigkeit des Systems in Bezug auf weitere Erreger“.

So könnten beispielsweise auch mutierte Coronaviren parallel getestet werden. Ein weiterer Vorteil des Verfahrens sei, dass die Produktion der nur aus zwei Teilen bestehenden Analyseträger deutlich kostengünstiger sei als bei anderen Systemen, die auf Testkartuschen aus mehr Einzelteilen basieren. In Bezug auf die zu erwartenden Kosten sei das System von Hahn-Schickard und Spindiag auch im weltweiten Vergleich nach bisherigen Kenntnissen führend.

Baden-Württemberg gelte als führende Innovationsregion in Europa. Dieses Projekt sei ein hervorragendes Beispiel dafür. „Die Kompetenz und Kreativität unserer Unternehmen und Forschungseinrichtungen kann auch angesichts globaler gesellschaftlicher Bedrohungen wie der Corona-Pandemie hochinnovative Lösungen hervorbringen, die eine wichtige Rolle bei der Eindämmung der Krankheit spielen können. Es freut mich sehr, dass dieses Projekt in so kurzer Zeit auf den Weg gebracht werden konnte“, lobte die Ministerin.

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 Julia Mutzbauer

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Redaktion, eGovernment Computing