Pflege

Mit Technologie und New Work den Pflegenotstand bekämpfen

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Digitale Lösungen entlasten Pflegekräfte

Neben mangelnder Flexibilität und Perspektiven ist vor allem die leidige und wachsende Bürokratie ein Multiplikator von Stress und Frustration in der Pflege. Pflegende wenden zwischen 30 und 50 Prozent ihrer Arbeitszeit für Tätigkeiten wie Dokumentation und Aktenpflege auf. In einem Berufsfeld, in dem handschriftliche Formulare die Norm sind, gibt es viel Verbesserungspotenzial. Keine Frage: Dokumentation ist wichtig, um den Verlauf von Behandlungen zu protokollieren. Aber sie sollte schnell erledigt werden können – möglichst automatisiert, auf dem Smartphone oder Tablet.

Bei kenbi haben wir eigene Applikationen entwickelt, mit denen Schichten geplant, die Dokumentation vorgenommen und Ersatz bei Ausfällen organisiert werden. Weitere Entwicklungen sind eine eLearning- sowie eine Kommunikations-Plattform, über die sich die Pflegekräfte besser miteinander austauschen können – sowie eine Büro-App für Personalangelegenheiten, die eine Übersicht zur Tagesplanung bietet.

Pflegedienste können natürlich auch auf externe Anbieter für digitale Lösungen zurückgreifen, über die Aufgaben wie die Dokumentation und die Einsatzplanung effizient abgewickelt werden können. Nachteil bei den traditionellen Anbietern ist allerdings, dass sie auf hierarchische Führungsmodelle ausgerichtet sind (bedeutet: die Dienstleitung bestimmt, der Rest führt aus) und sie nicht alle Bereiche digitalisieren, die möglich sind. Auch für Schulungen, Recruiting und HR-Angelegenheiten gibt es digitale Lösungen wie Pflegecampus, die Pflegekräfte einfach in ihren Berufsalltag integrieren können.

Herausforderungen und Hürden

Insbesondere in traditionellen Pflegedienste stehen Mitarbeiter der digitalen Transformation mitunter kritisch gegenüber – sei es aus Skepsis gegenüber der Digitalisierung oder aufgrund mangelnder technischer Kenntnisse. Da die Nutzung der speziell für die Pflege entwickelten Apps jedoch ausgesprochen einfach ist und Schulungen das notwendige Wissen unkompliziert vermitteln, ist das in aller Regel kein großes Hindernis. Viele der Apps orientieren sich in ihrem Aufbau beispielsweise an gängigen Messenger-Apps.

Es ist viel eher das Gesundheitssystem als solches, das enge Schranken vorgibt. Das Faxgerät ist im Jahr 2022 bei der Kommunikation mit Ärzten und Krankenkassen nach wie vor Standard – ohne wird kein Pflegedienst zugelassen. Die beleglose Abrechnung wurde schon 2019 eingeführt, trotzdem ist es nach wie vor nicht möglich, alle Informationen in digitaler Form an die Krankenkassen zu schicken. Rechnungen müssen weiterhin ausgedruckt und nass unterschrieben an die Kassen geschickt werden. Hier muss der Gesetzgeber aktiv werden, indem er Beschränkungen aufhebt – aber auch stärkere Anreize schafft, um die Pflege zu digitalisieren. Ein Ansatz dafür wäre zum Beispiel, Modernisierungsbemühungen von Pflegediensten anzuerkennen. Ambulante Pflegedienste etwa werden vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) geprüft und benotet – doch Digitalisierung ist dabei kein Kriterium, obwohl Pflegedienste, die digitale Lösungen einsetzen, effizienter sind und Pflegekräfte entlasten.

Ein Lichtblick ist das Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungs-Gesetz (DVPMG), das 2021 in Kraft trat, um digitale Pflegeanwendungen (DiPa) bundesweit zu etablieren. Das Bundesgesundheitsministerium hat vor kurzem Anforderungen, die solche Apps erfüllen müssen, konkretisiert. Diese sind allerdings sehr eng gestrickt, für Start-ups schwer zu stemmen und die Monetarisierungsmöglichkeiten sind noch stark eingeschränkt. Es wird sich zeigen, ob die Kriterien angenommen werden und Innovation wirklich gefördert wird.

Eine ebenso wichtige Zukunftslösung ist die begleitende Telemedizin, bei der Pflegepersonal Patienten vor Ort versorgen könnte, während Ärzte per Video zugeschaltet werden. Dafür gibt es heute jedoch weder eine Leistungsbezahlung noch eine Erlaubnis. Auch die eigentliche Telemedizin – die als Beratung am Monitor schon längst möglich ist – wurde kürzlich rechtlich auf 30% der Arzttermine eingeschränkt.

Innovationen in der Pflege sind alternativlos

Neue Arbeitsmethoden und digitale Lösungen in der Pflege erfordern erhebliche Investitionen und Reformen. Wir stehen hier erst am Anfang des Möglichen – nicht, weil es Ideen und Technologie nicht gibt, sondern oft, weil die Regularien nicht nachkommen. Doch Bemühungen in Richtung Digitalisierung zahlen sich nicht nur für Kassen und Patienten aus: Sie sind alternativlos, um Pflegekräfte in ihrem Beruf zu halten und Nachwuchs für die Branche zu gewinnen. Für viele ist die Pflege nicht bloß ein Beruf, sondern eine Berufung. Sie verdienen Entlastung und neue Lösungsansätze, damit sie sich optimal auf ihre Patienten fokussieren und Ihrer Berufung wieder mit vollem Einsatz nachgehen können.

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Katrin Alberding
Co-Gründerin und Co-CEO des Healthtech-Startups kenbi

Bildquelle: kenbi

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