Suchen

Sicherheit medizinischer Daten

Millionen Patientendaten ungeschützt im Netz

| Autor/ Redakteur: dpa / Margrit Lingner

Sensible medizinische Daten von weltweit mehreren Millionen Patienten sind nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks auf offen zugänglichen Servern im Netz gelandet. In Deutschland seien mehr als 13.000 Datensätze von Patienten betroffen.

Firma zum Thema

Sensible medizinische Daten von weltweit mehreren Millionen Patienten sind auf offen zugänglichen Servern im Netz gelandet.
Sensible medizinische Daten von weltweit mehreren Millionen Patienten sind auf offen zugänglichen Servern im Netz gelandet.
( Bild: © Gorodenkoff - stock.adobe.com )

Nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks und der US-Investigativplattform ProPublica sind mehreren Millionen hochsensible Patientendaten auf offen zugänglichen Servern im Netz gelandet. Allein in Deutschland sollen so mehr als 13.000 Datensätze von Patienten öffentlich zugänglich gewesen sein. Die Daten enthielten in mehr als der Hälfte der Fälle medizinische Bilder wie Brustkrebsscreenings, Wirbelsäulenbilder und Röntgenaufnahmen: Sie seien noch bis vergangene Woche zugänglich gewesen und stammten von mindestens fünf verschiedenen Server-Standorten. Der größte Teil der Datensätze entfalle auf Patienten aus dem Raum Ingolstadt und aus Kempen in Nordrhein-Westfalen.

Laut BR lagen die Bilder und andere Patientendaten auf ungesicherten Servern. Danach sollen in rund 50 Ländern von Brasilien über die Türkei bis Indien 16 Millionen Datensätze offen im Netz stehen. Besonders betroffen seien Patienten aus den USA. „Allein bei einem einzelnen Anbieter für radiologische Untersuchungen lagen nach einer Auswertung von ProPublica mehr als eine Million Datensätze von Patienten vor“, heißt es in dem Bericht weiter.

Dem Vernehmen nach hat es nicht ein einzelnes großes Datenleck gegeben, sondern eine Vielzahl von ungeschützten Servern. Der Experte für Informationssicherheit Dirk Schrader, habe weltweit mehr als 2.300 Rechner gefunden, auf denen die Datensätze offen lagen.

Bei den Daten handelte es sich oft um Bilder, die von Magnetresonanztomographie-Untersuchungen stammen (MRT). In der MRT-Röhre entstehen zwei- und dreidimensionale Bilder vom Körperinneren der Patienten. Diese Bilder würden von den Geräten auf einen speziellen Server geschickt, berichtete der BR. Das System werde für die Bildarchivierung verwendet, ein so genanntes „Picture Archiving and Communication System“ (PACS). Auch Röntgenaufnahmen und Bilder aus der Computertomographie landeten auf diesen Servern.

Der Bundesbeauftragte für Datenschutz, Kelber, sprach von einem „verheerenden ersten Eindruck“. Nach jetzigem Kenntnisstand seien in Deutschland zwei Krankenhäuser betroffen, sagte Kelber der dpa. Es müsse nun geklärt werden, ob möglicherweise auch Drittanbieter in der Verantwortung stehen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass es hohe Bußgelder geben werde, sagte Kelber.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46141010)