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Digitale Gesundheit

Medizin-Apps in Deutschland

| Redakteur: Julia Mutzbauer

Laut einer Studie zur Digitalisierung im Gesundheitswesen sind deutsche Bürger grundsätzlich von Gesundheits-Apps überzeugt. Jedoch zeigt das Ergebnis auch, dass jeder zweite Patient mit dem aktuellen Angebot von Apps in der Praxis nicht zu frieden ist.

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52 Prozent der Befragten in Deutschland gaben an, dass sie mit der aktuellen Entwicklung von Monotoring-Apps unzufrieden sind.
52 Prozent der Befragten in Deutschland gaben an, dass sie mit der aktuellen Entwicklung von Monotoring-Apps unzufrieden sind.
(© alexey_boldin - stock.adobe.com)

In der Studie „European Study on the Digitalisation of the Healthcare Pathways“ der Sopra Steria Consulting geben 81 Prozent der Befragten an, dass sie glauben, dass vor allem Langzeiterkrankungen wie Diabetes mithilfe vernetzter digitaler Lösungen besser behandelt werden könnten. Das gelte auch für Apps zur Optimierung von Bewegung und Ernährung. 59 Prozent der Befragten geben an, dass sie der Ansicht sind, dass sich durch den Einsatz vernetzter Geräte wie Smartwatches und die Auswertung von Bewegungs-, Ernährungs- und Schlafdaten durch Apps die Prävention und Behandlung von Kranheiten deutlich verbessern ließe.

Zudem sehen 53 Prozent Potenzial für mehr Patientenorientierung und Services, wenn zum Beispiel Ärzte Sprechstunden per Smartphone oder Tablet anbieten. So sollten aus Sicht der Bevölkerung bei Digitalreformen im Gesundheitswesen, praktische Hilfen auf und mit dem Smartphone und der stärkere Einsatz von Wearables in der Behandlung eine wichtige Rolle spielen.

Dr. Tina Wulff, Senior Consultant Digital Healthcare bei Sopra Steria Consulting, merkt an: „Dafür müssen sich jedoch die Rahmenbedingungen für die Zulassung, Finanzierung, Implementierung sowie die Nutzerfreundlichkeit weiter verbessern. Ziel sollte es sein, einen nachhaltigen Mehrwert für Patienten un das gesamte Gesundheitssystem zu schaffen.“

Laut der Studie würden 90 Prozent der Deutschen Smartphone-Erinnerungen an Arzttermine und Hinweise zu Wechselwirkungen zwischen Medikamenten nutzen. Lifestyle-funktionen wie Diät-Tipps oder einen Sportberatung würden 70 Prozent in Anspruch nehmen. Jedoch nur, wenn innovative und nutzerfreundliche Lösungen zur Verfügung stünden.

Aktuelle Entwicklung

Dennoch sind 52 Prozent der Befragten in Deutschland unzufrieden mit der aktuellen Entwicklung von Monotoring-Apps und 60 Prozent mit den telemedizinischen Beratungsangeboten. Trotz der Begeisterung für Apps sollen nur 11 Prozent der Deutschen Smartwatches und Apps, die ihren Lebenswandel und ihre Gesundheit überwachen, verwenden.

Auch die Bundesregierung will die Nutzung von Gesundheits-Apps weiter vorantreiben. Gesundheitsminister Jens Spahn hat ein entsprechendes Gesetz vorangebracht, über das der Bundestag im Herbst beraten will.

Ärzte sollen ab nächstem Jahr Apps verschreiben können und die Krankenkassen sollten dann die Kosten beispielsweise für ein digitales Diabetes-Tagebuch oder die Zyklusüberwachung zur Empfängnisverhütung über das Smartphone übernehmen. Die Hersteller der Apps müssen dafür innerhalb eines Jahres beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) den Patientennutzen nachweisen und die Datensicherheit und den Datenschutz gewährleisten.

In anderen Ländern, so die Autoren der Studie, seien Apps bereits Teil der Versorgungslandschaft. Zum Beispiel gäbe es in Spanien mit „Diabetes Menú“ eine Diabetes-App auf Rezept. Die App soll 3.000 Pilotpatienten verschrieben worden sein. Diese wurde zuvor von Experten auf ihren Nutzen hin untersucht und von den Gesundheitsbehörden freigegeben. Insgesamt sei die Bevölkerung in Spanien zufriedener mit dem Entwicklungsstand von Gesundheits-Apps.

In der Studie geben 41 Prozent der Spanier an, dass sie mit der App-Entwicklung und Nutzung im Gesundheitswesen in ihrem Land zufrieden sind. Es sollen deutlich mehr als in den übrigen untersuchten Staaten gewesen sein.

„Der Markt und das angebot von Gesundheits-Apps in Deutschland ist derzeit noch intransparent, oft wissen Patienten nicht, welche Apps für ihr Krankheitsbild zur Verfügung stehen, passend und wirksam sind“, so Dr.Wulff. Sie sagt: „Den vielen Chancen und Möglichkeiten durch die Integration von Apps in den Behandlungsverlauf müssen immer auch die Evidenz ihrer Wirksamkeit gegenüberstehen, um Investitionen gezielt zu steuern. Entsprechende Studien sind oft langwierig. Auch Ärzten und Patienten fällt es zumeist nicht leicht, digitale Lösungen mit klassischen Aufzeichnungen zu vergleichen und den Mehrwert konkret zu beurteilen.“

Ärzte als Schlüsselfiguren

Die in der Studie befragten Gesundheitsexperten raten dazu, Apps mit deutlichem Nutzen für die Ärzteschaft gezielter zu fördern, damit diese ihre Skepsis überwindet und Patienten digitale Angebote verschreibt. Auch die großen Technologieanbieter Google, Apple, Facebook, Amazon und Microsoft (GAFAM) sehen die Leistungserbringer als Schlüsselfiguren, um Gesundheits-Apps erfolgreich zu entwickeln und einzuführen. Patienten sollen das größte Vertrauen bei Mediziner, Krankenkassen und Apotheken haben.

Bei der Befragung gaben 72 Prozent an, dass sie, wenn es um die Nutzung digitaler Anwendungen für die Behandlung von Krankheiten geht, auf ihre direkten Ansprechpartner hören. Hingegen vertrauen nur 39 Prozent der Befragten den Anbietern von eHealth-Angeboten und 25 Prozent würden dem Rat der GAFAM folgen.

Nach der Meinung von Dr. Wulff sollten nationale Initativen diesen Trumpf ausspielen und basierend auf ihrer Erfahrung, datenschutzkonforme Apps aus der Sicht der Patienten und Leistungserbringer entwickeln, um eine „digitale Souveränität“ zu behalten.

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