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Forschungsprojekt in Zürich Maschine hält Spenderleber länger am Leben

| Autor: Julia Mutzbauer

Normalerweise können gespendete Lebern nur wenige Stunden außerhalb des Körpers aufbewahrt werden. Nun haben Züricher Forscher eine neue Maschine entwickelt, die diese Zeitspanne auf eine Woche verlängern kann. Gleichzeitig eröffnet die Technologie die Möglichkeit, angegriffene Spenderlebern zu regenerieren.

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Die Perfusionsmaschine des Züricher Forschertreams soll den menschlichen Körper möglichst genau imitieren, um die Spenderlebern länger am Leben zu erhalten. Das Organ wird im weissen Behälter links oben angeschlossen
Die Perfusionsmaschine des Züricher Forschertreams soll den menschlichen Körper möglichst genau imitieren, um die Spenderlebern länger am Leben zu erhalten. Das Organ wird im weissen Behälter links oben angeschlossen
(© USZ)

Nach den Angaben des Universitätsspitals Zürich entwickelte ein schweizer Forscherteam im Rahmen des Projekts „Liver4Life“ ein Perfusionsmaschine, die den Zeitraum der Aufbewahrung von Spenderlebern auf eine Woche verlängern kann. Die Maschine soll den menschlichen Körper möglichst genau imitieren, um dem Spenderorgan perfekte Bedingungen zu bieten.

Eine Pumpe soll dabei als als Herzersatz dienen, ein Oxygenator soll die Lungen ersetzen und eine Dialyseeinheit die Nieren. Daneben sollen zahlreiche Hormon- und Nährstoffinfusionen die Funktionen des Darms und der Bauchspeicheldrüse übernehmen. Zusätzlich soll die Maschine die Leber – wie das Zwerchfell im lebendigen Körper – im Takt der menschlichen Atmung bewegen. Diese spezielle Technologie könne bei Bedarf ferngesteuert betrieben werden.

„Der Erfolg unseres Perfusionssystems eröffnet viele neue Möglichkeiten, Spenderlebern außerhalb des Körpers zu überprüfen und zu behandeln und so den Patientinnen und Patienten mit schweren Leberkrankheiten zu helfen“, so Prof. Pierre-Alain Clavien, Direktor der Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie am Universitätsspital Zürich (USZ) und Co-Leiter von Liver4Life.

Im Jahr 2015, am Anfang des Projekts, konnte eine Spenderleber nur maximal 24 Stunden in einer Maschine aufbewahrt werden, heißt es. Die nun erreichte Überlebensdauer von sieben Tagen ermögliche verschiedenste Behandlungen wie zur Leberregeneration oder auch onkologische Therapien. Dadurch sei es möglich, mangelhafte Spenderlebern zu retten und zu transplantieren.

„Für die Studie wurden zehn Spenderlebern in der Maschine aufbereitet, die alle nicht für eine Transplantation akzeptiert worden waren, weil deren Qualität zu gering war. Sechs dieser zehn Lebern wiesen nach der Perfusion in der Maschine eine hervorragende Funktionsfähigkeit auf“, heißt es dazu. Dies zeige das Potenzial der neuen Technologie. Gleichzeitig bestehe ein großer Bedarf nach funktionsfähigen Spenderlebern. Allein in der Schweiz würden derzeit zwei- bis dreimal so viele Menschen auf eine Leber warten, wie tatsächlich transplantiert werden können. „Die erste mit dem neuen Verfahren behandelte Leber dürfte 2020 eingesetzt werden“, heißt es aus Zürich.

Hintergründe zum Projekt

Das Projekt Liver4Life ist unter dem Dach von Wyss Zurich entstanden, welches das hochspezialisierte technische Know-how und das biomedizinische Wissen von rund zehn Mediziner/innen, Biologen/innen und Ingenieur/innen des Universitätsspitals Zürich (USZ), der ETH Zürich und der Universität Zürich (UZH) zusammenbrachte, heißt es im Bericht. „Die größte Herausforderung in der Anfangsphase unseres Projekts bestand darin, eine gemeinsame Sprache zu finden, die eine Verständigung über die jeweiligen Fachjargons der Spezialisten hinaus erlaubte“, erläutert Prof. Philipp Rudolf von Rohr, Professor für Verfahrenstechnik an der ETH Zürich und Co-Leiter der publizierten Studie.

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