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Stichprobenanalyse im Kampf gegen das Coronavirus Markus Söder stellt COVID-19-Forschungsprojekt vor

| Autor: Julia Mutzbauer

Bisher kann niemand genau sagen, wie viele Menschen in Deutschland mit dem Coronavirus infiziert sind, da die aktuellen Daten keine ausreichende Berechnungsgrundlage bieten. Vor diesem Hintergrund stellt der bayerische Ministerpräsident Markus Söder ein Forschungsprojekt vor, in dem die Daten von 3.000 Haushalten in München mithilfe elektronischer Fragebögen und Bluttests gesammelt werden sollen.

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Die Münchner COVID-19-Studie dient dazu die Dynamik des Infektionsgeschehens stellvertretend für die gesamte Bevölkerung zu beobachten
Die Münchner COVID-19-Studie dient dazu die Dynamik des Infektionsgeschehens stellvertretend für die gesamte Bevölkerung zu beobachten
(© DN6 - stock.adobe.com)

Im Rahmen einer Pressekonferenz zum Thema Wissenschaftliche Aspekte zum Coronavirus erklärt Ministerpräsident Markus Söder: „Ziel ist es Corona langfistig in den Griff zu bekommen.“ Deshalb sei es wichtig neue Erkenntnisse zu gewinnen. Dafür habe man ein neues Forschungsprojekt in München ins Leben gerufen, um „die spezifische bayerische Stiuation abzubilden“ und diese mit nationalen Entwicklungen zu vergleichen.

Michael Hölscher, Leiter der Abteilung Infektions- und Tropenmedizin am Klinikum der Universität München, der für die Studie verantwortlich ist, erläutert den Ablauf: Für die COVID-19-Studie wird den Bewohnern von 3.000 stichprobenartig ausgewählten Haushalten in dreiwöchigem Abstand mit ihrem Einverständnis Blut entnommen. Hölscher fügt hinzu: „Dazu werden wir wichtige medizinische Informationen mittels elektronischem Fragebogen – also per datengeschützter Web-App – von den Probanten sammeln“.

Damit die Besuchten sicher sein können, dass es sich um eine seriöse Studie handelt, werden die Wissenschaftler von einem Beamten der Münchner Polizei begleitet, betont Hoelscher.

Warum sind wiederholte Besuche sinnvoll?

Wiederkehrende Besuche sollen den Wissenschaftlern die Möglichkeit bieten, die Dynamik des Infektionsgeschehens stellvertretend für die gesamte Bevölkerung zu beobachten. „Und das funktioniert nur“, erläutert Hölscher, „wenn man in regelmäßigen Abständen immer wieder die gleichen Menschen untersucht.“

„Mit den geplanten Bluttest messen wir die Antikörper, also die Immunreaktion des Körpers auf die Infektion“, so der Institutschef weiter. Diese seien im Fall der Coronaviruserkrankung sehr schwierig nachzuweisen. Zwar ermöglichten das die aktuell verfügbaren Methoden; diese müssten jedoch weiter verbessert werden. „Trotzdem ist es essenziell, dass wir jetzt mit dieser Studie beginnen, damit die Wirksamkeit der Maßnahmen und die Entwicklungen der Epidemie besser sichtbar werden“, ergänzt Hölscher.

Was macht die Studie so wichtig, und wo liegen die Unterschiede zu anderen?

Hölscher verweist darauf, dass zum Beispiel die Ergebnisse aus Heinzberg in Nordrhein-Westfalen nicht automatisch auf andere Regionen übertragen werden können. Denn dort sei es aufgrund von Einzelfällen zu massiven Corona-Ausbrüchen gekommen. Im Gegensatz dazu habe man in München einzelne Infizierte als Ausgangspunkt, die nicht Besucher eines Massenevents waren. Diese Ausgangslage eigne sich wesentlich besser für Hochrechnungen.

Hölscher spricht sich dafür aus, solche Antikörper-Untersuchungen weltweit durchzuführen. „Aus diesem Grund arbeiten wir auch jetzt schon national und international mit Wissenschaftlern zusammen, um Daten auszutauschen, von einander zu lernen und Studien vergleichbar zu machen. Was uns hier und heute hilft ist, die langjährige Erfahrung, die wir am Münchner Tropenistitut mit sehr großen internationalen Bevölkerungsstudien zu Infektionsepidemien gesammelt haben“, so der Studienleiter.

An der geplanten COVID-19-Studie beteiligen sich zurzeit 50 Wissenschaflter und 70 Studenten.

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 Julia Mutzbauer

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Redaktion, eGovernment Computing