IT-Konzerne retten die Welt vor Corona Management für die Impfstoffverteilung aus der Cloud

Autor / Redakteur: Dietmar Müller / Elke Witmer-Goßner

Corona ist eine Katastrophe, IT-Konzerne helfen mit Lösungen, um Impfstoffe aller Art an die Frau und den Mann zu bringen. Unser Partnerportal CloudComputing-Insider hat sich Lösungen von Salesforce, ServiceNow, SAP, Oracle und IBM angesehen.

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IT-Konzerne helfen mit Lösungen, um Impfstoffe aller Art an die Frau und den Mann zu bringen.
IT-Konzerne helfen mit Lösungen, um Impfstoffe aller Art an die Frau und den Mann zu bringen.
(Bild: gemeinfrei, torstensimon / Pixabay)

Nun, da Covid-19-Impfstoffe mehr oder weniger verfügbar sind, kommt es auf die Geschwindigkeit der Verteilung der Impfstoffe an. Viele Regierungsbehörden und Gesundheitsorganisationen verfügen jedoch offenkundig nicht über die technologische Infrastruktur, um die massenhafte Impfung zu bewältigen. Deutsche Gesundheitsämter stützen sich dem Vernehmen nach noch immer vorrangig auf Bleistift und Papier. Eine ganze Reihe von IT-Unternehmen wirft sich daher in diese Bresche und offeriert Lösungen aus der Cloud.

„Was die Welt jetzt braucht, ist Hilfe bei der Bewältigung der beispiellosen logistischen Herausforderungen, um Milliarden von Menschen so schnell wie möglich zu impfen“, so Stephen Elliot, Program Vice President, Management Software and DevOps bei IDC. „Organisationen brauchen dringend Workflows, die siloartige Altsysteme miteinander verbinden, um den Impfprozess zu beschleunigen und die Welt wieder auf Vordermann zu bringen.“

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit haben wir uns die Lösungen und Programme von Salesforce, ServiceNow, SAP, Oracle und IBM angesehen.

Vaccine Cloud von Salesforce

Ende Januar hat Salesforce mit der „Vaccine Cloud“ eine Technologie vorgestellt, mit der Behörden, Gesundheitseinrichtungen, Unternehmen und gemeinnützige Organisationen ihre Impfstoffprogramme durchführen können. Sie basiert auf der „Salesforce Customer 360“-Plattform, einschließlich mobiler Lösungen, Bots, Analyse- und Integrationsfunktionen.

Regierungsbehörden und öffentliche Gesundheitseinrichtungen können mit der Vaccine Cloud den Impffortschritt überwachen. Dazu gehören die Bereitstellung einer ausreichenden Anzahl von Impfdosen, die Überwachung der Patientenergebnisse und die Unterstützung datengesteuerter Entscheidungen, basierend auf dem jeweiligen Gesundheitszustand und potenziellen Risikofaktoren. Die Vaccine-Plattform soll so offen sein, dass Behörden darauf Daten aus allen relevanten Systemen zusammenzuführen können.

Gesundheitsdienstleister sollen mithilfe der Vaccine Cloud diverse Impfprozesse managen, darunter die Bestandsverwaltung, die Schulung und Weiterbildung des Personals sowie Bezahlung und Kostenerstattung. Auch kann via Vaccine Cloud die Benachrichtigung zur Erstimpfung und anschließende Erinnerung an die zweite Dosis erfolgen. Salesforce-Partner wie Accenture, Deloitte, IBM, KPMG, Coastal Cloud, Infosys, MTX, PolSource, Sense Corp, Silverline, Skedulo oder Slalom können die Vaccine Cloud zur Skalierung von Impfprogrammen für Behörden, Gesundheitsorganisationen und gemeinnützige Organisationen erweitern.

Anwendung findet die Vaccine Cloud bereits heute in den USA, so etwa beim New Yorker Gesundheitsnetzwerk Northwell Health, dem Lake County in Illinois, an der University of Massachusetts Amherst sowie bei der internationalen Impfallianz Gavi. „Unser cloud-basiertes ‚AllVax‘-System ermöglicht es uns, unsere Gemeinden und Mitarbeiter von einigen der schwierigen logistischen Bestandteile des Impfprozesses abzuschirmen, um uns auf unsere Kernaufgabe zu konzentrieren und diese auszuführen“, so Jefferson McMillan-Wilhoit, Direktor für Gesundheitsinformatik und Technologie des Lake County Health Department.

Mit Accenture hat Salesforce darüber hinaus bereits im Mai 2020 eine Lösung für das Management von öffentlichen Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen auf Basis von Work.com entwickelt – „Work.com for Vaccines“ ist dann im September offiziell vorgestellt worden.

Vaccine Administration Management von ServiceNow

Auch ServiceNow versucht die Impfprozesse zu beschleunigen. Eine neue Workflow-Lösungen namens „Vaccine Administration Management“ basiert auf dem „ServiceNow Customer Service Management“ (CSM) und verbindet die Patientenkommunikation mit Impfstoff-Bestandssystemen. Bei der Lösung handle es sich um eine „Kommandozentrale“ für Gesundheitsdienstleister. Zum Einsatz kommt sie u.a. bereits im State of North Carolina Department of Health and Human Services (NCDHHS).

„Um unsere mehr als zehn Millionen Einwohner von North Carolina schnell und effizient impfen zu lassen, nutzt das Gesundheitsministerium des Bundesstaates North Carolina die ServiceNow-Plattform, um unser Covid Vaccine Management System (CVMS) Help Desk Portal zu betreiben“, so Thomas Parrish, Acting Secretary und State Chief Information Officer für das North Carolina Department of Information Technology.

„Durch den Einsatz von ServiceNow konnten wir das NCDHHS auch bei der Entwicklung eines Workflows im CVMS-Helpdesk-Portal unterstützen, der den Prozess der Beantragung und Sicherstellung der staatlichen Genehmigung für den Transfer von Impfstoffen an verschiedene Standorte digitalisiert. Was zuvor ein manueller, zeitintensiver Prozess war, kann nun mit wenigen Klicks über das Portal abgewickelt werden – was letztlich den Impfprozess beschleunigt.“

SAP verteilt Impfstoffe via Collaboration Hub

SAP nennt ihre Lösung „Vaccine Collaboration Hub“ (VCH) – genau wie die anderen Lösungen soll sie Logistiknetzwerke verwalten, um die Impfstoffauslieferung an Städte und Gemeinden zu gewährleisten. Wesentlicher Bestandteile des Hubs ist die Lösung „Qualtrics Vaccine Management + Citizen Experience“, mit der Impfungen priorisiert werden können. Auch lassen sich damit Impfpässe ausstellen, die „bei Bedarf – je nach dem vor Ort geltenden Recht – an Schulen, Arbeitgeber usw. weitergegeben werden könnten“. Auch sei das System in der Lage herauszufinden, „wie die Bürger zur Impfung stehen“.

„SAP stellt die Tools bereit, um die Stimmung und Wahrnehmung der Einwohner nach demografischen Gruppen zu erfassen, einschließlich benachteiligter Gemeinden. Diese Erkenntnisse können dann genutzt werden, um auf die Bedenken der Öffentlichkeit einzugehen und rasch die Zufriedenheit zu erhöhen. Mit den Anwendungen sind Behörden in der Lage, die Ansichten und Bedenken der Bürger besser zu verstehen, sodass sie entsprechende Maßnahmen ergreifen können“, liest sich dazu in der Pressemitteilung.

Vorstandssprecher Christian Klein berichtete darüber hinaus schon Mitte Dezember, dass u.a. das Biotechnologieunternehmen Moderna Lösungen von „SAP Digital Supply Chain“ nutzt, um Serialisierung und Verteilung eines potenziellen Corona-Impfstoffs vorzubereiten. „SAP Advanced Track and Trace for Pharmaceuticals“ helfe dem Hersteller Moderna dabei, internationale Vorschriften einzuhalten. Die Anwendung böte dafür ein unternehmensinternes Serialisierungsverzeichnis und Funktionen für Berichte an Behörden. Für die Zusammenarbeit mit Partnern in der Lieferkette setzte Moderna auf „SAP Information Collaboration Hub for Life Sciences“. Dabei handelt es sich um ein Public-Cloud-Netzwerk, das Handelspartnern in einer pharmazeutischen Lieferkette die Kooperation erleichtert.

Ach ja: Nicht zu vergessen ist, dass die „Corona-Warn-App“, die helfen soll, Infektionsketten zu unterbrechen und die Ausbreitung des Virus einzudämmen, von SAP stammt. Sie wurde den Angaben zufolge bislang rund 25 Millionen Mal heruntergeladen (Stand 7. Januar 2021).

Oracle hat ein Health Management System entwickelt

Oracle bietet ein „Health Management System“ (HMS) auf, um COVID-19-Test-, Therapie- und Impfprogramme zu verwalten. Das HMS enthält eine skalierbare Cloud-Datenbank, in der die elektronischen Patientenakten für Milliarden von Menschen und jede Art von Krankheit gespeichert werden können, nicht nur für COVID-19. Mitarbeiter im Gesundheitswesen können mit Tablets und Smartphones auf die elektronischen Patientenakten zugreifen, um Patienten einzuchecken, ihre Identität zu überprüfen und Daten von den Personen zu sammeln, die geimpft werden. Diese Daten werden dann zu den Gesundheitsakten hinzugefügt, die in einer Cloud-Datenbank gespeichert sind.

Das HMS basiert auf drei Hauptkomponenten: Der „Oracle Cloud Infrastructure“ (OCI), der Low-Code-Entwicklungsplattform „Oracle Application Express“ (APEX) sowie der Datenbankanwendung „Oracle Exadata Cloud Service“. Auch Oracle stellt damit in Aussicht, QR-Codes für „Immunitätsausweise“ zu erstellen.

Das alliierte Tony Blair Institute befinde sich derzeit in Gesprächen mit mehr als 30 Ländern über die Einführung des HMS. „Dies ist eine äußerst aufregende und möglicherweise bahnbrechende Initiative zur Aufzeichnung von Informationen über alle Impfungen gegen und Behandlungen von Krankheiten in afrikanischen Ländern“, so Tony Blair, ehemaliger britischer Premierminister.

IBM setzt auf Open Source, Blockchain und eine Task Force

IBM nutzt eine IBM Open-Source-Plattform zur Authentifizierung der Chargen- und Chargennummernstufe von Impfstoffen, der Temperatur und der Handhabungshistorie. Unternehmen können damit anhand von selbst festgelegten Kriterien wie Testergebnissen, Impfprotokollen und Temperaturprüfungen die Gesundheitsdaten von Personen überprüfen.

Wie auch andere setzt IBM für die Nachverfolgbarkeit von Impfstoffen auf die Blockchain. Sie soll Herstellern die proaktive Überwachung auf Nebenwirkungen und ein besseres Rückrufmanagement ermöglichen.

Bereits vor einem Jahr hat IBM eine „Task Force“ eingerichtet, die Covid-19-Cyberbedrohungen gegen Organisationen aufspüren soll, die die Impfstoffversorgungskette in Bewegung halten. Im Rahmen dessen wurde kürzlich eine globale Phishing-Kampagne aufgedeckt, die im September 2020 begann. Sie erstreckte sich über sechs Länder und Zielgruppen, die wahrscheinlich mit Gavi verbunden sind. Zu den Zielen gehörten die Einrichtung für Steuern und Zollunion der Europäischen Kommission sowie Organisationen aus den Bereichen Energie, Fertigung, Website-Erstellung sowie Software- und Internetsicherheitslösungen in Deutschland, Italien, Südkorea, Tschechien, Großeuropa und Taiwan.

Darüber hinaus kooperiert IBM auch mit Salesforce in Sachen Impfstoffmanagement. Dafür wurde der „IBM Digital Health Pass“ mit dem „Salesforce Work.com Workplace Command Center“ integriert.

Womit wir wieder am Anfang dieses Beitrags angelangt sind.

Fazit

Wir sehen: Eine ganze Reihe von IT-Schwergewichten will bei der Verteilung von Impfstoffen gegen Corona helfen. Das ist sicherlich nicht immer ganz uneigennützig, aber dennoch löblich. Jetzt braucht es nur noch genug Impfstoff…

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