Suchen

Software-Lösungen zur Koordination

Lösung der Schnittstellenproblematik in der Pflege

| Autor/ Redakteur: Marc Specht* / Ira Zahorsky

Die jüngsten Gesetzesvorhaben des Bundesgesundheitsministeriums drehen sich vor allem um die längst überfällige Digitalisierung des Gesundheitswesens. Pflegeeinrichtungen beschäftigen sich primär mit der Frage, wie digitale Innovationen die Arbeit in der Pflege verbessern können. Besonders für das Schnittstellenmanagement werden gute Lösungen benötigt.

Firma zum Thema

Die Schnittstellenproblematik in Pflegeeinrichtungen könnte durch Software-Lösungen behoben werden.
Die Schnittstellenproblematik in Pflegeeinrichtungen könnte durch Software-Lösungen behoben werden.
( © mast3r - stock.adobe.com )

Man stellt sich den Idealfall wie folgt vor: bereits kurz vor dem Zeitpunkt der Aufnahme werden alle relevanten Informationen über den Patienten an die Pflegeeinrichtung übermittelt. Gerade, wenn man bedenkt, wie viele Kontakte (Überweisung durch die Arztpraxis, Aufnahme im Krankenhaus, Entlassung aus dem Krankenhaus, Wiedervorstellung des Patienten in der Arztpraxis) der Patient im Laufe seines Lebens generiert, ist die Bedeutung eines zuverlässig funktionierenden Schnittstellenmanagements auf den ersten Blick klar erkennbar. Allerdings sieht die Realität häufig anders aus. Vor allem die unzureichende Nutzung digitaler Werkzeuge und Hilfsmittel ist ein erheblicher Faktor dafür, dass nicht alle relevanten Patientendaten bei dem jeweiligen Leistungserbringer vorhanden sind.

Keine systematische Dokumentation

So kommt es beispielsweise oft vor, dass Röntgenbilder und Laborbefunde nicht systematisch dokumentiert werden und als Folge dessen nicht greifbar sind, wenn sie benötigt werden. Häufig werden radiologische Untersuchungen noch immer auf CD-ROM abgespeichert und dem Patienten übergeben – allerdings wird in der Regel kein analoger Befund ausgefertigt, sodass davon ausgegangen wird, dass im Krankenhaus die CD-ROM ohne Weiteres ausgelesen werden kann. Dieser Umstand ist mittlerweile auch nicht mehr unbedingt selbstverständlich bzw. ist häufig nicht sofort die entsprechende technische Ausstattung vorhanden, um den Datenträger mit dem Befund abzuspielen. Dazu kommt, dass bis heute keine einheitlichen Dateiformate gelten.

Der Einweisungs- bzw. Überweisungsschein wird von Ärzten nur selten für Informationen über die Diagnose und Medikation so genutzt, dass der aufnehmende Empfänger damit etwas anfangen kann. Dadurch muss die Anamnese häufig noch einmal vorgenommen werden, was wiederum Zeit kostet. Auch, wenn Patienten, die mehr als drei Medikamente zu sich nehmen müssen, seit Herbst 2016 einen gesetzlichen Anspruch auf einen elektronischen Medikationsplan haben: die Informationen über die Medikation gleichen noch heute oft einer losen Zettelwirtschaft. Mit der Einführung der elektronischen Patientenakte will das Bundesgesundheitsministerium bereits seit Jahren diesen Umständen entgegenwirken. Ab 2021 soll diese nun verpflichtend sein.

Auch innerhalb vieler Pflegeeinrichtungen kommt es zu Schnittstellenproblemen. Eine Schnittstelle, die in vielen Häusern für Komplikationen sorgt, ist die zwischen Hauswirtschaft und Pflege, häufig ist es Alltag, dass Pflegekräfte auch hauswirtschaftliche Tätigkeiten mitübernehmen müssen. Doch woran liegt es in, dass der Pflegebereich auch hauswirtschaftliche Tätigkeiten zu übernehmen hat?

Die offensichtlichen Ursachen können darin liegen, dass die Hauswirtschaft nicht hinreichend organisiert oder personell unterbesetzt ist. Allerdings kann es auch sein, dass Pflegekräfte diese Arbeiten aus eigenem Antrieb heraus erledigen wollen oder weil dies aus Prozesssicht ohnehin sinnhaft ist.

Softwarelösungen zur Problemlösung im Schnittstellenmanagement im Pflege-Ökosystem

Bereits heute gibt es verschiedene Software-Lösungen, die die Koordination zwischen den verschiedenen Versorgungsbereichen und -dienstleistern vereinfacht. So setzen beispielsweise immer mehr Pflegeeinrichtungen auf eine Software, die sowohl Pflegedokumentation als auch die Klientenverwaltung abdeckt und so übergreifend für eine bessere Koordination sorgt. Dadurch gewinnen Fachkräfte Zeit für die Pflege am Menschen. Auch das Controlling lässt sich mit einer solchen Software einfacher gestalten, da die Ermittlung von Auslastungsquoten, Personalschlüssel und Pflegestufenverteilung zentral gespeichert, gesteuert und ausgewertet wird. Für die Pflegedienstleitung und das Management liegt der Vorteil auf der Hand: ein ganzheitlicher Überblick über beispielsweise Budgets, Versorgungsformen und Verweildauern der zu behandelnden Klienten ist von entscheidender Bedeutung.

Ebenfalls von besonderer Wichtigkeit ist, dass sämtliche Leistungserbringer im Gesundheitswesen im Vorfeld einer Ein- oder Überweisung Informationen austauschen können, etwa bezüglich der Auslastung in der fachspezifischen Abteilung und der Planung der primären Diagnostik. Die moderne Praxissoftware ermöglicht heute einen Überblick der wesentlichen medizinischen Daten des zu Behandelnden. Hierfür liegen immer häufiger alltagstaugliche Beispiele vor. Einige Praxen geben ihren Patienten einen eigenen Patientenpass: Dieser enthält die wesentlichen Diagnosen, die aktuellen Medikamente, die mitbehandelnden Ärzte und (bei älteren Menschen) die Information über die nächsten Angehörigen.

Elektronische Patientenakte

Mit der Einführung der elektronischen Patientenakte sollen viele Schnittstellenprobleme gelöst werden, die die Beziehung Arzt – Patient betreffen. Verschiedenste Patientendaten können voraussichtlich ab 2021 sicher und zentral in der Patientenakte gespeichert werden und das Zusammensuchen lose hinterlegter Befunde und Medikationen fortan verhindern.

Für die Arbeit innerhalb von Gesundheitseinrichtungen müssen allerdings die Pflegedienste und Kliniken selbst gute Lösungen finden und die Digitalisierung eigenständig vorantreiben. Jüngst bestätigte auch McKinsey & Co. in einer Studie, dass die digitale Vernetzung des Pflegepersonals mit Hilfe von versorgungsübergreifenden Schnittstellen nicht nur wirtschaftliche Vorteile mit sich bringt, sondern insbesondere das Personal entlastet – davon profitieren am Ende vor allem die zu Pflegenden.

*Der Autor, Marc Specht, ist Marketing-Leiter des Berliner Unternehmens BoS&S, einem Software- und Serviceanbieter für ambulante und stationäre Pflegedienste.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 46132693)

Universitätsmedizin Essen; Lukas Barth; Elnur - stock.adobe.com; Alexander Raths - stock.adobe.com; Ergotron; mast3r - stock.adobe.com; Apple; wearHealth AG; gemeinfrei; GE Healthcare; Sozialministerium; ©BillionPhotos.com - stock.adobe.com; elenabsl - stock.adobe.com; Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Fotograf: Jana Dünnhaupt; TMF e.V.; adam121 – stock.adobe.com; Romolo Tavani - stock.adobe.com; alexey_boldin - stock.adobe.com; Maxim; j-mel - stock.adobe.com; Jaiz Anuar - stock.adobe.com; Socura; Vogel IT-Medien; contrastwerkstatt - stock.adobe.com; Volkmar Könneke ; aga7ta – Fotolia