Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) KI soll Komplikationen vorhersagen

Autor: Julia Mutzbauer

Nach Operationen am Herzen kann es zu schweren Komplikationen wie Nachblutungen und zu akutem Nierenversagen kommen. Deshalb haben Wissenschaftler am Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) ein KI-System entwickelt, das potenziell lebensbedrohliche Zustände voraussagen soll.

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Das x-cardiac System in Betrieb auf der Intensivstation des Deutschen Herzzentrums Berlin
Das x-cardiac System in Betrieb auf der Intensivstation des Deutschen Herzzentrums Berlin
(© DHZB)

Ein Forscherteam um Professor Dr. Alexander Meyer, Mediziner am Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) hat eine Software entwickelt, die frühzeitige Anzeichen für Komplikationen erkennen soll, noch bevor es zu echten Symptomen kommt. Dazu haben die Wissenschaftler sogenannte „rekurrente neuronale Netzwerke“ aufgebaut, die mit den gespeicherten und anonymisierten Daten von mehr als 50.000 Patienten „trainiert“ wurden.

„Wir sind überzeugt, dass unsere Entwicklungen nicht nur die Sterblichkeit nach Operationen, sondern auch die Verweildauer der Patientinnen und Patienten auf der Intensivstation erheblich reduzieren wird. Die Software trägt damit zur Verbesserung sowohl der Behandlungsqualität als auch der Wirtschaftlichkeit einer Klinik bei“, betont Meyer.

Mit Unterstützung des Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité und der Universitätsmedizin Berlin hat Meyer das Unternehmen x-cardiac gegründet. Das Startup will mit den Mitteln der Seed-Finanzierung (Frühfinanzierung) sein erstes Medizinprodukt „x-c-bleeding“ für postoperative Nachblutungen zertifizieren lassen. Ein Produkt für akutes Nierenversagen soll folgen.

Mittelfristig sollen weitere Produkte auf den Markt kommen, erläutert Alexander Meyer: „Das Prinzip der Früherkennung postoperativer Komplikationen, basierend auf Big Data und mithilfe künstlicher Intelligenz, lässt sich auf eine Vielzahl chirurgischer Subdisziplinen und spezifischer Komplikationen erweitern.“

Alexander Meyer absolvierte eine Berufsausbildung zum Fachinformatiker und war zwei Jahre als Software-Entwickler tätig, bevor er ein Medizinstudium an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main aufnahm. Seit 2015 ist er am DHZB tätig. Er hat dort die „AG Medical Data Science“ aufgebaut und ist seit Mitte 2020 als Chief Medical Information Officer in leitender Funktion für die Digitalisierung in der Medizin verantwortlich. Im Dezember 2020 wurde Alexander Meyer zum W2-Professor für „Clinical Applications of AI and Data Science“ an der Charité – Universitätsmedizin Berlin berufen.

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