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Digital Health Conference 2019 Jens Spahn: ePA darf nicht zum BER des eHealth werden

| Autor: Julia Mutzbauer

Auf der Digital Health Conference haben sich im November in Berlin zahlreiche Experten aus Forschung, Wirtschaft und Politiker getroffen, um sich über die Zukunft der digitalen Gesundheitsversorgung zu informieren und die aktuelle Entwicklung zu diskutieren. Insbesondere wurden dabei die Chancen und Risiken der elektronischen Gesundheitsakte (ePA) mitunter kontrovers besprochen.

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Veranstaltungsraum Digital Health Conference 2019 im dbb Forum in Berlin
Veranstaltungsraum Digital Health Conference 2019 im dbb Forum in Berlin
(© jm)

Unter dem Motto Update for our Healthcare System hat der Digitalverband Bitkom in diesem Jahr wieder ein umfangreiches Programm mit zahlreichen Vorträgen und Expertenrunden für interessierte und Akteure im Gesundheitsbereich geboten. Mehr als 500 Experten und Akteure waren laut dem Verband auf der Digital Health Conference 2019 vertreten.

In seiner Eröffnungsrede unterstrich Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder die immense Bedeutung der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Um diese Chancen zu nutzen, sei aber ein intensiverer Dialog mit der IT-Wirtschaft als in den vergangenen Jahren notwendig.

Die Bundesregierung hat in den vergangenen Wochen zahlreiche Gesetze und Regelungen – wie zum Beispiel das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) –verabschiedet, die nicht immer auf ungeteilte Zustimmung gestoßen waren. Die Rede von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wurde daher mit Spannung erwartet. Spahn betonte in seiner Rede erneut die Bedeutung der elektronischen Patientenakte, kurz ePA. Spahn machte deutlich, dass es ihm vor allem darum gehe, das Vertrauen der Bürger zu erhalten.

Zur Umsetzung der ePA sagte Spahn, diese müsse rasch auf den Weg gebracht werden. „Warten wir jetzt so lange bis wir es perfekt haben, dann warten wir vielleicht noch zehn Jahre“, so Spahn. Sonst werde die ePA zum „Berliner Flughafen des Gesundheitswesens“.

Spahn äußerte sich auch zum Thema Künstliche Intelligenz (KI). Bei der KI in der Medizin sei es wichtig, dass die Ärzte diese nicht als Kränkung, sondern als Bereicherung verstünden. Spahn kritisierte, dass sich Ärzte oft persönlich angegriffen fühlen würden, wenn es darum gehe, dass ein Teil ihrer Arbeit von einer KI übernommen werden soll.

In einer Expertenrunde wurde das Thema ePA unter der Überschrift: „Bringt die elektronische Patientenakte die Vernetzung im Gesundheitswesen voran? Ein Praxis-Check“ im Detail diskutiert. Teilnehmer Michael Noll, der als Projektleiter der AOK Baden-Württemberg für das bundesweite Projekt „Digitales Gesundheitsnetzwerk“ zuständig ist, sagte, dass die ePA auf einem guten Weg sei, jedoch sei es „nicht damit getan, viel Technik hinterher zu werfen“.

Ingo Bienke, Client Manager Healthcare bei Atos Deutschland, antwortete auf die Frage, ob die Umsetzung schon heute möglich wäre: „Die Funktionalität ist dabei nicht die Herausforderung.“ Die Technik sei beherrschbar.

Michael Baumgartner, Projektleiter Elektronische Patientenakte bei x-tention bestätigte: „Klar ist das machbar.“ Michael Noll fügte hinzu, dass die ePA eine Erfolgsgeschichte werden kann wenn sowohl die Ärzte und die Patienten diese akzeptieren würden.

Spannend war auch die Diskussion der Expertenrunde zum Thema: Der Mensch im vernetzten Gesundheitssystem. Die Runde bestand aus Dr. Barbara Holtz, Expert Business Consultant Dassault Systèmes, und Holger Müller, Business Solution Architect bei Cisco Systems. Die juristische Seite durchleuchtete Dr. Gunnar Sachs, Fachanwalt für Gewerblichen Rechtsschutz.

Holger Müller erklärte, eine häufige Ursache für die Umsetzungsprobleme der Vernetzung des Gesundheitssystems sei, dass in Einrichtungen wie Krankenhäusern, Kenntnisse zum Thema Cyber-Sicherheit fehlen würden.

Der Fachanwalt Gunnar Sachs erwähnte ein weiteres Problem. Der hohe Kostendruck im Gesundheitswesen führe dazu, dass der Patient an den günstigsten Mediziner verwiesen würde. Dabei bestehe die Gefahr, dass – falls Mediziner im Ausland günstiger seien – diese eher zum Zuge kämen als einheimische. Zudem kritisierte Sachs, dass Juristen oft nicht mit einbezogen würden, wenn es zum Beispiel um das Thema IT-Sicherheit gehe.

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Außerdem wurden in den Vorträgen neue digitalen Lösungen für den Gesundheitsbereich – wie zum Beispiel die mySugr-Tagebuch-App für Diabetispatienten – vorgestellt. Die Gesundheits-App macht über den therapeutischen Nutzen hinaus deutlich, welch wichtige Rolle Patientendaten künftig für Therapieentscheidungen spielen werden.

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