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Siilo-App schafft Grundlage für Netzwerkmedizin Immer mehr Ärzte sprechen sich in Chat-Gruppen ab

Autor: Julia Mutzbauer

Fachliche Nachfragen bei Kollegen in einer anderen Praxis, Abteilung oder Klinik sind fester Bestandteil des Alltags in der Medizinbranche. Diese finden immer häufiger digital statt. Das zeigt eine Nutzerzahlen-Analyse des niederländischen Health-Tech-Unternehmens Siilo.

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Nach den Angaben des Netzwerk-Anbieters Siilo waren bis März 2020 rund 2.500 Nutzer in medizinischen Chat-Gruppen aktiv
Nach den Angaben des Netzwerk-Anbieters Siilo waren bis März 2020 rund 2.500 Nutzer in medizinischen Chat-Gruppen aktiv
(© tetxu – stock.adobe.com)

Siilo ist ein Netzwerk für medizinisches Fachpersonal in Europa. Das niederländische Unternehmen hat es nach eigenen Angaben innerhalb von zwei Jahren zum bevorzugten Kommunikationstool im Heimatland geschafft. Dort nutzen 70 Prozent der Hausärzte sowie Mitarbeiter aller Krankenhäuser die gleichnamige Messenger-App. In Deutschland wird der Messenger-Dienst „von Ärzten für Ärzte“ seit einem Jahr angeboten. Auch hier wachse das Netzwerk, heißt es. Die Zahl der Nutzer habe sich in Deutschland seit Oktober 2019 mehr als vervierfacht.

Aktuell seien hierzulande rund 27.000 Mitarbeiter aus Praxen und größeren medizinischen Organisationen, vorwiegend Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, Teil des Netzwerks. Täglich würden zwischen 50 und 100 neue Ärzte, Pfleger, Physiotherapeuten und weitere medizinische Fachangestellte dazukommen. Das größte Wachstum habe das Unternehmen im März verzeichnet, als täglich 500 neue Mitglieder dem Netz beitraten. „Innerhalb eines Jahres haben die deutschen Nutzer zweieinhalb Millionen Kurznachrichten versendet“, heißt es. Besonders gewachsen sei die Zahl der Chat-Gruppen. Mehr als 13.000 Mitglieder seien zurzeit in 2.000 Gruppen aktiv, in denen sich beispielsweise Mitarbeiter einer Krankenhausabteilung zu Patienten, Dienstplänen oder Notfallplänen austauschten.

Besonders zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr dieses Jahres sei die Zahl der Nutzer exponentiell gestiegen, und damit auch die Zahl der Chat-Gruppen. Waren bis März rund 2.500 Nutzer in Chat-Gruppen aktiv, stieg diese Zahl laut Siilo innerhalb von nur sechs Monaten um 490 Prozent. „Vorreiter sind Kardiologie- und Urologie-Abteilungen. Innerhalb der Gruppen geht es um schnelle und unkomplizierte Entscheidungen“, so Daniel Pourasghar, Deutschland-Chef und Vice President von Siilo. „Ärzte und Pfleger fragen nach zweiten Meinungen, entscheiden, ob ein Patient sofort in den OP-Saal muss oder tauschen sich zu Befunden aus“, fügt Pourasghar hinzu. Das zeige, wie hoch der Bedarf nach einem Tool ist, das Entscheidungs- und Informationsprozesse beschleunigt und erleichtert. Da die Anwendung DSGVO-konform sei, könnten medizinische Teams und das Krankenhaus-Management die App unbedenklich einsetzen. „Das erklärt ihre enorme Akzeptanz unserer App.“

Sassan Sangsari, Medical Director bei Siilo, kennt die Anforderungen für eine optimale Patientenversorgung als ehemaliger Chirurg besonders gut: „In der modernen Welt sind wir dank neuer Technologien endlich in der Lage, die Zusammenarbeit zwischen medizinischem Fachpersonal, Institutionen und Regionen zu entbürokratisieren und zu beschleunigen. Und das sogar über Länder- und Institutionsgrenzen hinaus“. Siilo biete mit der digitalen Plattform einen zentralen Ort, an dem alle Akteure für ein gemeinsames Ziel zusammenarbeiten. „Diese Praxis der kollaborativen Arbeit nennen wir Netzwerkmedizin“, ergänzt Sangsari.

Diese Art der medizinischen Kolaboration zeichnet sich nach Unternehmensangaben auch als internationaler Trend ab. „Weltweit tauschen sich aktuell mehr als 260.000 Mediziner regelmäßig über Siilo aus. Das sind 70 Prozent mehr als im Oktober 2019“, so der Netzwerk-Anbieter.

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 Julia Mutzbauer

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Redaktion, eGovernment Computing