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DIG-IN Digitaler Healthcare Index Handlungsdruck bei der Digitalisierung in der Gesundheitsbranche

| Redakteur: Ira Zahorsky

Die fortschreitende Digitalisierung wird auch im Healthcare-Bereich immer wichtiger. Mit welchen Entwicklungen sich Führungskräfte auseinandersetzen müssen, hat der Healthcare Frauen (HCF) e. V. im DIG-In Healthcare Index aufgeschlüsselt.

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Die Gesundheitsbranche hat beim Thema Digitalisierung noch viel Potenzial.
Die Gesundheitsbranche hat beim Thema Digitalisierung noch viel Potenzial.
(Bild: © wsf-f - stock.adobe.com)

Die Digitalisierung sorgt für eine nie dagewesene Transparenz, Unmengen verfügbarer Daten und Informationen sowie ein rasantes Tempo ihrer Verarbeitung. Das birgt Chancen wie Risiken. Und es beeinflusst den Führungsalltag nachhaltig. So stehen Führungskräfte z. B. bei der Daten- und Informationspolitik vor neuen Herausforderungen und müssen sicherstellen, dass relevante Daten – und nur solche – am richtigen Ort landen. Mehr als die Hälfte der 106 Befragten empfindet hier eine zunehmende Belastung, sowohl bei sich selbst (57 %) als auch bei den Mitarbeitern (55 %). Jede dritte Führungskraft stellt fest, dass Erfahrungen und vorhandenes Wissen immer schneller überholt sind. Der steigenden Komplexität stehen Chancen zur beruflichen Weiterentwicklung und mehr Gestaltungsfreiheit gegenüber, der zeitlichen Entlastung ein erhöhter Zeitdruck.

Als positiv sehen die Manager eine Veränderung der Unternehmenskultur hinsichtliche Tempo, Flexibilität und Effizienz. Auch die Erwartungen an Optimierung und Neugeschäft durch die Digitalisierung sind hoch. Dennoch gibt es auch Bedenken: Einige haben Sorge, wichtige Trends zu verpassen (26 %) oder durch Wettbewerber überholt zu werden (13 %). Und die Unternehmenskultur könnte sich, so 13 Prozent der Befragten, auch dahingehend verändern, dass der persönliche Kontakt verloren geht.

Herausforderungen

Mit 51 Prozent wird die unternehmensstrategische Ausrichtung von den Befragten als größte Herausforderung betrachtet, dicht gefolgt von den Führungskompetenzen (49 %). Dabei ist eine Sorge, nicht den Anschluss an die Entwicklung zu verlieren (22 %). Gleichzeitig betrachten 19 Prozent es als Herausforderung, die Mitarbeitenden mit auf die digitale Reise zu nehmen und sie entsprechend zu motivieren. Von 43 Prozent der Befragten wird es zudem als notwendig erachtet, dass sich mit der digitalen Transformation auch die Unternehmenskultur verändert. Die Rekrutierung von Fachkräften bzw. das Vorhandensein digitaler Kompetenzen bei Mitarbeitenden zählt derzeit noch nicht zu den vornehmlich wahrgenommenen Herausforderungen.

Gefragt nach möglichen Herausforderungen für Mitarbeitende, stuft mehr als ein Drittel (34 %) der befragten Führungskräfte die Veränderung der Unternehmenskultur und damit verbundene Auswirkungen auf das Kommunikations- und Arbeitsverhalten als herausfordernd für die Mitarbeitenden ein.

„Die Gesundheitsbranche hat bei der Digitalisierung noch viel Luft nach oben“, sagt Emily Andreae, Head of Business Development Health bei adesso, Mitglied der Healthcare Frauen und Projektleiterin der Studie. Anlass zum Pessimismus sieht die Medizinökonomin deshalb aber nicht. „Das Thema ist im Bewusstsein der Verantwortlichen inzwischen angekommen und sie wissen, dass sie etwas ändern müssen. Das hören wir in unseren vielen Gesprächen mit Führungskräften der Branche immer wieder heraus.“

New Work

Die Weiterqualifizierung und die Auseinandersetzung mit neuen Technologien, Prozessen und Geschäftsmodellen sind als Folge der fortschreitenden Digitalisierung ebenso unverzichtbar wie ihre Anwendung, wenn Unternehmen zukunftsfähig bleiben wollen. Die Innovationsbereitschaft am Arbeitsplatz scheint in Anbetracht der Umfrageergebnisse in der Gesundheitswirtschaft noch verhalten zu sein.

Was disruptive Technologien angeht, so kommen vor allem Big-Data-Verfahren in der Gesundheitswirtschaft im Rahmen von Marktforschung und -analyse zum Einsatz. 77 Prozent der Befragten führen intern Business-Intelligence-Analysen durch. Dabei liegen Big-Data-Analysen mit einem Anteil von 72 Prozent noch deutlich vor der Künstlichen Intelligenz (KI), die bei insgesamt 86 Prozent selten oder nie zum Einsatz kommt.

In fast allen befragten Unternehmen ist das Arbeiten im Home Office möglich, das von mehr als 75 Prozent der Mitarbeitenden mindestens gelegentlich, von einem Viertel sogar regelmäßig genutzt wird. In den Unternehmen vor Ort bleibt es noch bei überwiegend fest zugewiesenen Arbeitsplätzen, bei lediglich 14 Prozent haben sich bislang flexible Arbeitsplätze etabliert. Das mobile Arbeiten scheint jedoch gewisse Einbußen hinsichtlich der Identifikation mit dem Team zu bedeuten, wie die Befragung zeigt. Fast jede fünfte Führungskraft (19 %) stufte diese bei Mitarbeitenden, die häufig im mobilen Büro arbeiten, als geringer ein. Die Zusammenarbeit mit Mitarbeitenden und Kollegen, die nicht vor Ort sitzen, erfordert indes neue Formen des Austauschs: Knapp 70 Prozent der befragten Führungskräfte setzen initiativ Videoanrufe ein, vor allem für Meetings.

Über die Studie

Die Healthcare Frauen (HCF) e. V. sind ein Businessnetzwerk führender Managerinnen der deutschen Gesundheitsbranche. Mit dem Online-Marktforschungstool DIG-IN Digitaler Healthcare Index hat HCF in Kooperation mit dem IFAK Institut für Markt- und Sozialforschung erstmals eine branchen- und bundesweite Befragung entwickelt, die den Status Quo der Transformation in der Gesundheitswirtschaft zeigen soll. Bis 2023 sollen jährlich Führungskräfte der ersten und zweiten Ebene in der Healthcare-Branche zu unternehmens- und organisationssoziologischen Aspekten befragt werden.

In diesem Jahr wurden insgesamt 106 Manager aus der Gesundheitsbranche befragt. Davon waren 51 HFC-Mitglieder. 48 Prozent gehören dem Top-Management, 52 dem mittleren Management an.

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