Besorgniserregender Anstieg von Cyber-Angriffen Gesundheitswesen im Fokus von DDoS-Attacken

Ein Gastbeitrag von Karl Heuser*

Die wachsende Zahl von DDoS-Angriffen auf Deutschlands Gesundheitswesen ist nicht überraschend, da auch zentraleuropäische Nachbarländer den gleichen Trend verzeichnen. Was auffällt, ist, dass der Grad an Komplexität und die Bedrohlichkeit von Cyber-Attacken deutlich zugenommen hat.

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Durch den schnellen Wandel von Technologien und der Verlagerung von Daten und Apps in digitale Umgebungen finden Cyber-Kriminelle mehr Ansatzpunkte für Angriffe
Durch den schnellen Wandel von Technologien und der Verlagerung von Daten und Apps in digitale Umgebungen finden Cyber-Kriminelle mehr Ansatzpunkte für Angriffe
(Bild: Alex – stock.adobe.com)

Die schiere Zahl der DDoS-Angriffe und die Rate, mit der diese Zahl wächst, sind alarmierend.

Warum ist das Gesundheitswesen so stark von Cyber-Angriffen betroffen?

Die Motivation für DDoS-Angriffe auf Gesundheitsdienste ist unterschiedlich, jedoch verzeichnen wir neben dem Anstieg von politisch motivierten Angriffen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie auch vermehrt kriminell organisierte Erpressungsversuche, weil ein bedeutender prozentualer Anteil des Bruttoinlandsprodukts auf den medizinischen Sektor entfallen. Ransomware- und DDoS-Angriffe stellen hier eine ernstzunehmende Bedrohung für Patienten und Dienstleister dar. Gelingt es Angreifern, kritische Systeme durch Ransomware zu verschlüsseln oder IT-Systeme und medizinische Services durch DDoS-Angriffe zum Erliegen zu bringen, ist schlimmstenfalls das Leben von Personen in Gefahr, was enormen Druck ausübt.

Immer mehr Prozesse im Gesundheitswesen werden digitalisiert. Die Abhängigkeit dieser digitalen Services macht Kliniken und Unternehmen im Gesundheitswesen anfälliger für Distributed-Denial-of-Service-Angriffe (DDoS).
Immer mehr Prozesse im Gesundheitswesen werden digitalisiert. Die Abhängigkeit dieser digitalen Services macht Kliniken und Unternehmen im Gesundheitswesen anfälliger für Distributed-Denial-of-Service-Angriffe (DDoS).
(© Netscout)

Durch den schnellen Wandel von Technologien und der Verlagerung von Daten und Apps in digitale Umgebungen finden Cyber-Kriminelle mehr Ansatzpunkte für Angriffe vor. Auch der zunehmende Einsatz von IoT-Technologie bietet eine breite Angriffsfläche, da IoT-Geräte vielfach ohne Gedanken an IT-Sicherheit entwickelt und gebaut werden, und somit anfällig für Missbrauch durch Cyber-Kriminelle sind.

Nutzer sind wiederum darauf angewiesen, dass diese digitalen Services und IT-Ressourcen störungsfrei zur Verfügung stehen. Beispiele sind hier die Verarbeitung von Echtzeitdaten bei Diagnose und Behandlungen oder Augmented-Reality-Visualisierungen, um Patienten eine Diagnose oder Behandlung besser verständlich zu machen.

Laut dem Netscout Threat Intelligence Report zum ersten Halbjahr 2021 stieg die Zahl der DDoS-Angriffe weltweit im Vergleich zu 2020 um fast elf Prozent auf 5,4 Millionen. In Deutschland registrierte der Report einen komplexen DDoS-Angriff, bei dem 31 unterschiedliche Angriffsvektoren zum Einsatz kamen, so viel wie in keinem anderen Fall. Das Ziel der Angreifer: Die betroffenen Organisationen sollen zahlen, um vor weiteren Attacken verschont zu bleiben.

Wie sich Unternehmen im Gesundheitswesen schützen können

DDoS-Angriffe setzen Unternehmen dem Risiko aus, große Teile ihrer Online-Dienste und -Systeme zu zerstören oder lahmzulegen. Hinzu kommt, dass die anfallenden Kosten, wenn man Opfer eines DDoS-Angriffs wird, erheblich sind. Wie eine Bitkom-Studie vom August 2021 zeigt, stehen DDoS-Attacken auf der Liste der jährlichen Gesamtschäden an zweiter Stelle.

Maßgeschneiderte Lösungen

Eine Patentlösung für die Abwehr von DDoS-Attacken gibt es nicht. Vielmehr ist es angebracht, ein individuelles Schutzkonzept zu entwickeln. Es sollte die Eigenheiten des Netzwerks und die speziellen Anforderungen des Unternehmens berücksichtigen.

Wirkungsvolle Sicherheitskonzepte gegen moderne DDoS-Angriffe zeichnen sich heute dadurch aus, dass sie auf Basis von Best-Current-Practices-Empfehlungen hybrid konzipiert sind, sprich wie ein Schutzschild, das ein On-Premise-DDoS-Protection-System im eigenen Rechenzentrum mit einem cloudbasierten DDoS-Abwehr-Service kombiniert.

Diese Verteidigungsstrategie schafft die Möglichkeit, dass Unternehmen alle Arten von DDoS-Angriffen, also auch Attacken die im verschlüsselten Datenverkehr eingebettet sind oder die sich zum Beispiel gegen Session haltende Systeme wie NextGen Firewalls oder LoadBalancer richten, zunächst am Rand des eigenen Netzwerkes erkennen und abwehren.

Im Falle von volumetrischen DDoS-Angriffen erfolgt dann ein Re-Routing zu einem Cloud-DdoS Service Provider, der dann diese Art der Angriffe abschwächt und einen gereinigten Datenverkehr zurück ins eigene Rechenzentrum ermöglicht.

Änderungen der IT-Infrastruktur dokumentieren

Änderungen der IT-Infrastruktur sollten dokumentiert werden – das klingt trivial, bleibt jedoch häufig im Tagesgeschäft „auf der Strecke“. Eine wirkungsvolle DDoS-Abwehr setzt voraus, dass alle Modifikationen an Servern, Anwendungen, Services und IT-Sicherheitssystemen mit Zugang zum Internet dokumentiert und in die Verteidigungsstrategie integriert werden.

Testen, testen, testen

Die Vorkehrungen gegen DDoS-Angriffe müssen regelmäßig auf ihre Wirksamkeit getestet werden, und das unter realitätsnahen Bedingungen. Das gilt für alle Server, Services sowie Netzwerk- und Storage-Komponenten. Denn in der Praxis kommt es häufig vor, dass beispielsweise ein Web-Server, auf denen extern zugegriffen wird, gut abgeschirmt ist. Das gilt aber nicht für ebenso wichtige Systeme wie DNS- und Anwendungsserver. Tests machen solche Defizite transparent.

Fazit: Vorbeugen ist Pflicht

Es ist davon auszugehen, dass sich die Zahl der DDoS-Angriffe weiter erhöht. Zu denken gibt, dass mittlerweile immer mehr Attacken auftreten, die mehrere Methoden kombinieren: DDoS, den Diebstahl von verwertbaren Daten und das Verschlüsseln von Unternehmensinformationen – Stichwort „Ransomware“. Daher ist es wichtiger denn je, eine effektive DDoS-Abwehr aufzubauen.

*Der Autor, Karl Heuser, ist Account Manager Security DACH bei Netscout.

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