Neue Dienstleistung macht Langzeit-EKGs einfacher zugänglich Gesundheitsservice nutzt Apotheken als Anlaufstelle

Autor: Julia Mutzbauer

Medizintechnik wird immer smarter – doch warum profitieren davon nicht mehr Patienten? Dieser Frage gingen zwei italienische Medizintechnik-Experten nach. Um Leistungen wie Langzeit-EKGs einfacher zugänglich zu machen, entwickelten die beiden Medizintechniker ein neues Dienstleistungskonzept.

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Das Dienstleistungsunternehmen ActiveAction hat das über Apotheken bereitgestellte Untersuchungsangebot um Leistungen wie Langzeit-EKGs erweitert
Das Dienstleistungsunternehmen ActiveAction hat das über Apotheken bereitgestellte Untersuchungsangebot um Leistungen wie Langzeit-EKGs erweitert
(© Bittium)

Medizintechniker Emilio Attolini und Kardiologe Dr. Massimo Gualerzi beobachteten, dass viele Italiener aufgrund immer längerer Wartezeiten für Termine und langer Warteschlangen in Kliniken, längst die Apotheke in der Nachbarschaft als erste Anlaufstelle für alle nicht-notfallmedizinischen Anliegen nutzten. Ein früher sehr erfolgreicher Fernservice, der über Apotheken angeboten wurde, war beispielsweise die Blutdruckkontrolle. Die beiden Experten beschlossen, dieses über Apotheken bereitgestellte Untersuchungsangebot um stark nachgefragte diagnostische Leistungen wie Langzeit-EKGs zur Erkennung von Herzrhythmusstörungen zu erweitern und gründeten das Gesundheits-Serviceunternehmen ActiveAction.

Ein wichtiger Faktor für die EKG-Überwachung als Remote Service ist ein intelligentes medizinisches Gerät, das diagnostische Genauigkeit liefert, aber gleichzeitig einfach zu handhaben und bequem zu tragen ist, ohne die Endkunden in ihrem Alltag zu beeinträchtigen. „Traditionelle EKG-Holter sind ziemlich sperrig und mit einer Reihe von Elektroden und Kabeln ausgestattet. Sie sind nicht nur komplizierter in der Anwendung, sondern auch unangenehm zu tragen“, erklärt Emilio Attolini.

„Aus dem Feedback der Patienten beziehungsweise Anwender haben wir gelernt, dass sie es nicht mögen, wenn ihre Arbeitgeber, Kollegen oder Freunde sehen, dass sie ein Langzeit-EKG-Gerät tragen. Es könnte den Eindruck erwecken, dass sie ernsthaft krank sind, während sie nur einen Gesundheitscheck aufgrund einer früheren Herzrhythmusstörung durchführen lassen wollen.“

Deshalb suchten Attolini und Gualerzi nach Alternativen. „Bei unserer Recherche stießen wir auf das Bittium Faros EKG-Holter-Gerät, das perfekt zu den Bedürfnissen unserer Kunden passt. Es ist klein, leicht, aber vor allem einfach anzulegen und zu bedienen“, ergänzt Attolini. Der Hersteller erklärt:„Der Faros Holter ist für eine EKG-Messung ohne lästige Kabel konzipiert. Die Patch-Elektrode FastFix lässt sich einfach im Brustbereich anbringen. Sie kann für jeweils 3-7 Tage genutzt und danach durch eine neue Elektrode ersetzt werden, falls die Überwachung fortgesetzt werden soll. Die EKG-Lösung wurde schnell zu einem der erfolgreichsten und meistgefragten Service von ActiveAction“.

Nach Attolinis Worten war das Gerät „ ein echter Game Changer“ für den Service. Der Medizintechniker weiter: „Für die Endanwender ist der Holter sehr angenehm zu tragen. Sobald er in der Apotheke angelegt wurde, können sie ihn quasi vergessen und bis zu sieben Tage lang tragen, ohne das Elektrodenpflaster zu wechseln. Da das Gerät wasserdicht ist, ist auch das Duschen oder Sporttreiben kein Problem“.

Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen müssen strenge Compliance-Vorgaben erfüllen – sowohl für medizinische Geräte als auch für die Software und die Datenverarbeitung. Dazu erfüllt der Holter nach den Angaben des Herstellers alle erforderlichen medizinischen Zertifizierungen. Die Daten werden von den Geräten erfasst und über eine in den Apotheken installierte sichere Softwareplattform verschlüsselt an den Gesundheitsdienstleister übertragen. Die Fernanalyse und -diagnose sowie valide medizinische Berichte müssen anschließend von qualifizierten Ärzten, wie Kardiologen, erstellt werden, die der entsprechende Gesundheitsdienstleister beschäftigt oder mit denen er kooperiert.

„Eine Softwareplattform und KI-gestützte Funktionen unterstützen das medizinische Reporting, so dass die Expertise der Kardiologen effektiver genutzt werden kann“, erläutert der Hersteller. Teil dieser Lösung ist der Cardiac Navigator, der für die Analyse von klinischen Holter-EKG-Aufzeichnungen entwickelt wurde. „Seine benutzerfreundliche und informative Datendarstellung sowie die intuitiven Analysewerkzeuge machen die Software einfach in der Anwendung. Die Software ist darauf ausgelegt, längere Messungen effizient auszuwerten und damit die endgültige Diagnose zu beschleunigen“.

„Unsere Kardiologen schätzen den Bittium Cardiac Navigator wegen seiner Genauigkeit sehr“, bestätigt Attolini. „Auch das Feedback der Apotheker und Endverbraucher ist sehr positiv. Das Gerät ist sehr einfach zu bedienen, bequem zu tragen und liefert sehr genaue Daten.“

Heute ist das Serviceangebot von ActiveAction in mehr als 2.000 Apotheken in ganz Italien zu finden. Besonders von älteren Patienten werde die Hilfe eines Apothekers beim Anlegen des Holter-EKGs sehr geschätzt. Aufgrund des Interesses neuer und jüngerer Zielgruppen, aber auch, weil das Gerät so einfach zu bedienen sei und die Bevölkerung insgesamt immer technikaffiner werde, erweitere ActiveAction sein Geschäftsmodell, heißt es. So können Anwender in naher Zukunft das EKG-Gerät sowie das Elektrodenpflaster auch online bestellen und sich direkt nach Hause liefern lassen. Mithilfe von schriftlichen- und Video-Anleitungen könnten sie das Gerät selbst anlegen und die Aufzeichnung starten.

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 Julia Mutzbauer

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Redaktion, eGovernment Computing