Messenger für das Gesundheitswesen Gematik plant Veröffentlichung der Spezifikationen

Redakteur: Manfred Klein

Richtig rund läuft es derzeit offenbar bei der Gematik. Der Ankündigung der elektronischen Arbeitsunfähigkeits­bescheinigung und den letzten News zu KIM, der Kommunikation im Medizinwesen in der vergangenen Woche soll jetzt noch im Oktober die Veröffentlichung der Spezifikationen für den TI-Messenger folgen. Damit wäre der Weg frei für Anbieter aus der Wirtschaft.

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Digitale Kommunikation in Echtzeit, die sicher ist und interoperabel funktioniert – das soll TI-Messenger garantieren
Digitale Kommunikation in Echtzeit, die sicher ist und interoperabel funktioniert – das soll TI-Messenger garantieren
(© fizkes – stock.adobe.com)

Aus dem Alltag der meisten Menschen sind Messenger-Dienste wie Whatsapp nicht mehr wegzudenken. Auch im Gesundheitswesen ist der Bedarf an schneller Information mehr als gegeben. Digitale Kommunikation in Echtzeit, die dabei sicher ist und interoperabel funktioniert, wäre für die Menschen, die im Gesundheitsbereich arbeiten, und für die Patientenversorgung ein großer Gewinn. Der Einsatz scheiterte bislang jedoch an den hohen Anforderungen in Sachen IT-Sicherheit und Datenschutz. Die gematik entwickelt deshalb auf Basis des offenen Matrix-Standards einen Ansatz für sicheres und anbieterübergreifendes Messaging im Gesundheitswesen – den TI-Messenger.

Das Konzeptpapier dazu wurde bereits veröffentlicht und bei der Gematik digital – Veranstaltung zur Kommunikation im Medizinwesen am 25. August vorgestellt. Momentan arbeitet das Gematik-Team laut eigenen Aussagen mit Hochdruck an der Spezifikation zur ersten Ausbaustufe, die im Oktober veröffentlicht werden soll. Auf dieser Basis sollen Industriepartner und Dritte eigene Messenger-Lösungen entwickeln und ihren Kunden nach Zulassung durch die Gematik anbieten können.

„Bisher gibt es auf dem Markt Insellösungen, die für den Versand sensibler Patientendaten geeignet sind. Was bislang fehlt ist die Möglichkeit, Personen aus dem Gesundheitssektor zu erreichen, unabhängig davon, welchen Messenger-Anbieter sie verwenden. Mit dem TI-Messenger ändert sich das. Wir wollen dabei frühzeitig den Dialog mit Nutzern und Herstellern führen, um gemeinsam passende Lösungen zu entwickeln. Als gematik legen wir dafür die „Spielregeln“ fest und moderieren den Prozess“, erklärt Eric Grey, Produktmanager der Gematik GmbH.

Der TI-Messenger eröffne dabei ganz neue Kommunikationsmöglichkeiten: zunächst für Beschäftigte im Gesundheitssektor, die entweder über einen Heilberufsausweis verfügen oder in einer Institution arbeiten, die per so genannter SMC-B-Karte an die Telematikinfrastruktur angeschlossen ist, so Grey weiter. Das sei wichtig für die Authentifizierung und als Basis für das Adressbuch geprüfter Identitäten, in dem Nutzer schnell geprüfte Kontakte für den geschützten und direkten Austausch finden und anschreiben können. Ab 2023 soll der TI-Messenger auch Versicherten zur Verfügung stehen, die damit über einen schnellen Kommunikationskanal zum Beispiel zu ihrer Kasse oder der behandelnden Praxis verfügen werden.

Dr. med. Peter Gocke, Chief Digital Officer und Leiter der Stabsstelle „Digitale Transformation“ an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, ergänzt: „Mit dem TI-Messenger hält eine nutzerfreundliche und datenschutzkonforme Kommunikation endlich auch Einzug in das deutsche Gesundheitswesen. Hiervon profitieren wird vor allem die Interaktion zwischen Ärztinnen und Ärzten sowie Patientinnen und Patienten. Überzeugend finde ich, dass für die Umsetzung ein herstellerneutrales Open Source-basiertes Protokoll gewählt wurde.“

„Dass der im Rahmen des dritten Mainzer Healthcare Hackathons entwickelte Lösungsansatz eines Instant Messengers für das Gesundheitswesen auf der Basis des offenen Protokolls nun durch eine Integration in die Telematikinfrastruktur 'geadelt' und damit zum Standard für Gesundheitsdienstleistende in Deutschland wird, ist ein tolles Zeugnis für die enge und innovative Zusammenarbeit mit der gematik. Die betonte Offenheit der Lösung und die Festlegung auf einen gemeinsamen Standard gewährleistet Interoperabilität, Nachhaltigkeit und eine hohe Nutzerakzeptanz“, so der Kaufmännische Vorstand der Universitätsmedizin Mainz, PD Dr. Christian Elsner.

Die Ausbaustufen des TI-Messengers im Überblick

Wie der TI-Messenger entwickelt wird und wie der Zeitplan dazu aussieht, ist im Digitale-Versorgungs-und Pflege-Modernisierungs-Gesetz (DVPMG) geregelt. Die Veröffentlichung der Spezifikation der ersten Stufe des TI-Messengers wird im Oktober 2021 erfolgen. Hiermit wird der Grundstein für einen Messenger-Dienst gelegt, der zunächst die Kommunikation zwischen Beschäftigten im Gesundheitssektor „auf dem kurzen Dienstweg“ ermöglicht.

Im April 2022 soll die Spezifikation für einen Messenger-Dienst bereitstehen, der auch von Versicherten genutzt werden kann. Geplant ist, dass die Krankenkassen ihren Versicherten einen TI-Messenger über ihre Kassen-Apps anbieten. Damit steht dann auch Patientinnen und Patienten ein schneller und sicherer Kommunikationsweg zur Verfügung. Eine weitere künftige Ausbaustufe sieht unter anderem eine Videochat-Möglichkeiten vor.

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