Infektionsforschung FZB wird vollwertiger Partner am Hamburger CSSB

Autor: Julia Mutzbauer

Das Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum (FZB), wird nun vollwertiges Mitglied des Zentrums für Strukturelle Systembiologie (CSSB) in Hamburg. Ziel ist es, gemeinsam die Forschung im Bereich der Lungeninfektionen weiter voranzutreiben.

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Das FZB ist bereits seit fünf Jahren als assoziierter Partner beim CSSB tätig und hat seine wissenschaftliche Expertise zur Tuberkuloseforschung eingebracht
Das FZB ist bereits seit fünf Jahren als assoziierter Partner beim CSSB tätig und hat seine wissenschaftliche Expertise zur Tuberkuloseforschung eingebracht
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Das CSSB ist eine Initiative von insgesamt zehn Forschungspartnern aus Norddeutschland, darunter drei Universitäten und sieben Forschungsinstituten, die sich infektionsbiologischen Fragestellungen widmet. Wissenschaftler aus insgesamt 22 Nationen und 13 Forschungsgruppen forschen auf dem Gelände des DESY-Campus in Bahrenfeld gemeinsam an den komplexen Prozessen und Wechselwirkungen zwischen Krankheitserregern und ihren Wirten, um neue Anhaltspunkte für Wirk- und Impfstoffe zu finden.

Das FZB ist bereits seit dem Jahr 2016 als assoziierter Partner beim CSSB tätig und hat seine wissenschaftliche Expertise auf dem Gebiet der Infektionsbiologie mit dem Schwerpunkt der Tuberkuloseforschung eingebracht. Künftig soll diese Zusammenarbeit auf drei Ebenen ausgebaut werden:

In einem gemeinsamen finanziellen Vorhaben aller Partner wird zum einen ein Labor der Sicherheitsstufe 3 (BSL-3) aufgebaut, welches ab 2022/2023 allen Gruppen zur Verfügung stehen soll. Das BSL-3-Labor wird vom FZB betrieben, damit dieses seine langjährige Erfahrung im Umgang mit luftübertragenen Krankheitserregern wie dem Tuberkuloseerreger einbringen kann.

Unter der Leitung der Borsteler Forschungsgruppe „Biophysik“ wird auf den Laborflächen des CSSB zudem ein neues Rasterkraftmikroskop installiert. Dieses Mikroskop ermöglicht die Visualisierung von Oberflächen im molekularen Bereich und soll so zu einem besseren Verständnis der Struktur und der Interaktion von Krankheitserregern führen.

„Das Mikroskop wird in dem BSL-3 Labor aufgebaut, damit wir in Zukunft wichtige strukturbiologische Forschung auch an hochpathogenen Krankheitserregern vornehmen können“, erklärt Prof. Thomas Gutsmann, Leiter der Forschungsgruppe Biophysik und stellvertretender Direktor des Programmbereichs „Infektionen“ am FZB.

Laut Gutsmann war diese Forschung bisher noch nicht möglich. Das CSSB sei damit weltweit das erste BSL-3-Labor mit einem Rasterkraftmikroskop. Es soll sowohl für die Tuberkuloseforschung, aber auch für andere bakterielle und virale Krankheitserreger genutzt werden. Neben dem Rasterkraftmikroskop soll dort auch ein Kryo-Elektronenmikroskop zur Verfügung stehen.

Zudem soll das CSSB um eine Forschungsgruppe verstärkt werden: Die Gruppe „Interaktom der Dysbiose“ wird sich mit der Strukturforschung von Bakterien und bakteriellen Verbünden beschäftigen. Die Wissenschaftler wollen dabei die Interaktion von Bakterien mit Oberflächenstrukturen der Lunge bei chronischen Lungenerkrankungen untersuchen. Für den Aufbau dieser Forschungsgruppe wird eine W2-Professur im Tenure-Track-Verfahren an der Universität Hamburg eingerichtet. Die Professur wird aktuell ausgeschrieben und soll im kommenden Jahr besetzt werden.

„Wir freuen uns sehr, dass uns durch die Genehmigung des Sondertatbestandes ,Lungengesundheit‘ die Möglichkeit eröffnet wurde, die Forschungsgruppe am CSSB besetzen können. Diese Gruppe soll die innovativen strukturbiologischen und bildgebenden Infrastrukturen am CSSB nutzen, um Interaktionen zwischen Krankheitserregern, der Mikroflora und Wirtszellen zu untersuchen und so neue Ansatzpunkte für Wirkstoffe zu identifizieren, aber auch das CSSB und das FZB besser vernetzten“, so Prof. Dr. Ulrich Schaible, Zentrumsdirektor Forschungszentrum Borstel.

„Als Vollpartner können wir unsere langjährige Forschungstätigkeit zu bakteriellen Lungeninfektionen besonders der Tuberkulose um die Techniken, die am CSSB zur Verfügung stehen, erweitern. Für uns ist es eine aufregende Perspektive, zum Beispiel die innovativen und hochauflösenden Bildgebungsverfahren am CSSB nutzen zu können, um die Interaktionen zwischen Bakterien, wie dem Tuberkuloseerreger, und Lungenzellen, aber auch mit anderen dort vorkommenden Keimen der natürlich vorkommenden Mikroflora zu studieren,“ ergänzt Schaible.

Prof. Dr. Chris Meier, Wissenschaftlicher Direktor des CSSB ist sich sicher: „Diese Partnerschaft wird innovative Forschungsprojekte inspirieren, die zu unserem Verständnis von Infektionskrankheiten beitragen werden.“

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Redaktion, eGovernment Computing