Smarte Medikamentenproduktion Echtzeit-Datenmanagement und SD-WAN-Ausbau in Pharmaunternehmen

Autor / Redakteur: Volker Schiemann / Ira Zahorsky

Die Pharmaproduktion wird dank der Implementierung von IoT-Sensoren in Kombination mit Campus-Netzen und schnellen Internet-Anbindungen zum neuen Standard in der Branche. Doch stehen Pharmaunternehmen durch die neuen Technologien vor neuen Herausforderungen, vor allem bei der Datenübertragung.

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Produktions- und Abfüllmaschinen in der Pharmaindustrie kommunizieren miteinander und tauschen Sensorinformationen aus. So erfolgt die Produktion automatisiert und die Prozesse sind verbessert und nahtlos dokumentiert.
Produktions- und Abfüllmaschinen in der Pharmaindustrie kommunizieren miteinander und tauschen Sensorinformationen aus. So erfolgt die Produktion automatisiert und die Prozesse sind verbessert und nahtlos dokumentiert.
(Bild: I-Viewfinder – adobe.stock.com)

Gerade im Bereich der Netzwerktechnologie erfolgt die Entwicklung auch mit dem Ausbau auf 5G und dem Einsatz von IoT-Sensoren wesentlich schneller als in der Entwicklung neuer Medikamente oder Impfstoffe. Technologien wie das Internet of Things (IoT) oder Machine Learning (ML) bieten Pharmaproduzenten einen echten Mehrwert durch die neue Art und Weise Daten zu erhalten, zu analysieren und auszuwerten. Die besondere Herausforderung besteht dabei darin, die Medikamentenentwicklung und -fertigung mit der Datenauswertung in Einklang zu bringen. Der erste Schritt in diese Richtung ist das fortlaufende Prüfen der bereits implementierten Netzwerkdienste im Konzern – analog zu den Produktionsprozessen: Sind die Services für eine effiziente Medikamentenherstellung bei gleichzeitiger Datenauswertung in Echtzeit wirklich gut geeignet? Analysiert werden sollte zudem, welche Skalierbarkeit mit dem bestehenden Netz noch möglich ist oder ob ein Ausbau nötig ist.

Pharmaunternehmen benötigen Netzwerk-Ausbau für Industrie 4.0

Pharmaunternehmen stellen neue und vor allem hohe Anforderungen an ihre Netzwerk-Services. Denn sie müssen ein breites Geflecht aus Mitarbeitern, Kunden, Zulieferern und Partnern miteinander vernetzen, inklusive ausgelagerter Prozesse. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einen großen Pharmakonzern oder einen mittelständischen Zulieferer spezialisierter Lösungen handelt. Denn komplexe Produktionstechniken fordern das IT-Netzwerk in jedem Bereich der Pharmaproduktion. Schwindende Wettbewerbs- und Standortvorteile, die Steigerung der Effizienz und Produktivität in der Lieferkette und die ständige Verbesserung der Fertigungstechniken führt dazu, dass vor allem deutsche „Hidden Champions“ auf neue IT-Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI), ML und IoT angewiesen sind. Denn nur damit können sie ihre Produktionstechniken und Lieferketten optimieren und die Möglichkeiten des eSourcing ausschöpfen. Die Herausforderung für die Hersteller besteht schlussendlich darin, die Infrastruktur aufrechtzuerhalten und gleichzeitig auf neue Innovationen reagieren zu können.

SD-WAN in geschlossenen Netzwerken
SD-WAN in geschlossenen Netzwerken
(Bild: GTT)

Der Ausbau des Netzwerks sowie die bessere Nutzung von Software Defined Wide Area Networks (SD-WAN) spielen dafür eine große Rolle. Laut einer von GTT beauftragten IDC-Studie ist der Grad der SD-WAN-Vernetzung in der Industrie unterschiedlich ausgeprägt. Drei Viertel der Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz evaluieren oder nutzen Cloud Services und Cloud-Technologie. Mehr als zwei Drittel der Anwendungen sollen in den nächsten zwei Jahren Cloud-fähig oder Cloud-native sein. In der diskreten Fertigung weisen bereits 54 Prozent der Unternehmen eine hohe Applikationsperformance in Bezug auf die WAN-Optimierung vor. In der prozessorientierten Fertigung ist es jedes vierte Unternehmen (43 %). Zum Vergleich: In den Branchen Handel und Logistik ist der Wert mit 28 Prozent beziehungsweise 34 Prozent deutlich niedriger.

Smarter Wandel auch in der Logistik

Smart Manufacturing und Industrie 4.0 haben die Art und Weise der Logistik des gesamten Industriesektors signifikant verändert. Das Ende der Wertschöpfungskette stellten bislang der Verkauf und die Montage eines Produkts dar, doch dank neuer Technologien wie IoT und Cloud ist der moderne Produktlebenszyklus erweitert und sorgt für neue Geschäftsmodelle. Darunter fallen beispielsweise der mitunter sogar visuelle Remote Support oder das digitale Monitoring von Produktionsanlagen und Transportwegen in Echtzeit. Dieser Wandel brachte sogar Unternehmen hervor, bei denen „Product as a Service“ das Kerngeschäft ausmacht. Um solche Prozesse effizient und nachhaltig in der Pharmaindustrie zu nutzen, ist ein belastungsstarkes Unternehmensnetzwerk erforderlich. Denn die Vernetzung muss für den gesamten Produkt- und Dienstleistungslebenszyklus sichergestellt sein – von der Beschaffung einzelner Inhaltsstoffe oder Materialien über die Produktion von Medikamenten oder anderen Pharmaprodukten bis hin zur Lieferung und der anschließenden Wartungsdienste.

Das richtige Netzwerk für den Produktkreislauf

Viele kleine und mittelständische Unternehmen sehen in der digitalen Transformation und dem Einsatz von Industrie 4.0 eine zu hohe Investition und könnten dadurch den Anschluss an die Konkurrenz im Markt verlieren. Mit einem rein auf zentralistisches MPLS ausgelegten Netzwerk ist Digitalisierung kaum möglich. Es sichert zwar das Datenmanagement im Inhouse-Bereich und bietet ein der Unternehmens-IT ein abgeschlossenes Netzwerk, doch effizient und zukunftssicher ist dies nicht.

Wichtige Wirtschaftsfaktoren wie digitale Arbeitsprozesse und Cloud-basierte Geschäftsmodelle benötigen eine zugrundeliegende Netzwerkarchitektur, die eine vernetzte Wertschöpfungskette sowie neue Produktionsmethoden in den notwendigen Bereichen abbilden kann. Vor allem im Business-to-Business-Sektor treten SD-WAN und der „as-a-Service“-Ansatz immer stärker in den Fokus. Dieser Fortschritt macht auch vor der Pharmaindustrie nicht halt. Denn auch hier müssen die eigenen Standorte sowie die von Partnern und Kunden über ein intelligentes Netzwerk miteinander verbunden sein, um Informationen und Daten auszutauschen. Nur so optimieren sie die Fertigungsprozesse und Produkte über den gesamten Produktionskreislauf hinweg. Damit lassen unter anderem Produktionsmaschinen oder Abfüllanlagen im Zuge des „as-a-Service“-Gedankens beim Pharmaproduzenten in Echtzeit monitoren, um dessen Produktion zu verbessern und Anlagenausfälle zu vermeiden.

Echtzeit-Datenaustausch für On-Demand-Service

IT-Verantwortliche sollten Daten für die Standort-übergreifende Nutzung in einen Cloudspeicher transferieren, denn in lokalen Alt-Applikationen führen sie oft zu einer schlechten User Experience. Das liegt daran, dass der Datenzugriff auf lokale Server, die oft tausende Kilometer weit entfernt stehen, längere Zeit in Anspruch nimmt und so für schlechte Performance beim Support sorgt. Und eines ist gewiss: Lange Reaktionszeiten sind weder effizient noch produktiv und sind somit ungeeignet für den Einsatz von Lösungen im Bereich Industrie 4.0.

Pharmaunternehmen sollten daher auf ein Netzwerk setzen, das den globalen Datenaustausch und einen echten On-Demand-Service auch in Spitzenzeiten einwandfrei bewältigen kann. Eine digitale Infrastruktur mit SD-WAN ist hierfür eine optimale Lösung, die sowohl die Altanwendungen als auch eine globale Cloud-Landschaft vereint. So ist es zu jeder Zeit und von jedem Standort aus gewährleistet, dass Support-Mitarbeiter dank vernetzter Server und Cloud-Datenmanagement in Echtzeit auf alle Informationen zugreifen und so eine optimale Serviceleistung für ihre Kunden und Partner bieten können.

Volker Schiemann
Volker Schiemann ist VP Operations & Consulting DACH bei GTT und Experte rund um das Thema IT- und Telekommunikation. Seit 2005 berät und begleitet er Unternehmen aller Größen und Branchen bei der Modernisierung von IT-Netzwerken und bei der Implementierung von SD-WAN-Projekten.

 

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