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Niedersächsicher Gesundheitspreis Drei Projekte für die Zukunft

| Autor: Julia Mutzbauer

In Niedersachsen wurden drei Projekte mit erfolgversprechenden Ansätzen für eine gute Gesundheitsversorgung und Gesundheitsförderung mit dem Gesundheitspreis ausgezeichnet. Die Gewinner sind: der Niedersächsische Turner-Bund und sein Projekt „3.000 Schritte“, der Caritasverband für den Landkreis Emsland Caritas mit dem Projekt „Help4Work“ und das Zentrum Gesundheit in Leer mit „Ophthamed-Telenet“.

Die Preisträgerinnen und Preisträger des Niedersächsischen Gesundheitspreises sowie die Initiatoren und Organisatoren rund um Dr. Carola Reimann, Nds. Sozialministerin
Die Preisträgerinnen und Preisträger des Niedersächsischen Gesundheitspreises sowie die Initiatoren und Organisatoren rund um Dr. Carola Reimann, Nds. Sozialministerin
(© Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, Holger Hollemann)

Der Gesundheitspreis umfasst insgesamt 15.000 Euro und wird gemeinsam vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, vom Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung, von der AOK Niedersachsen, der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen und der Apothekerkammer Niedersachsen vergeben. Die Koordinierung des Preises übernimmt die Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen.

Gesundheitsministerin Carola Reimann freute sich auf der diesjährigen Preisverleihung: „Ich bin begeistert von der Ideenvielfalt der eingereichten und ausgezeichneten Projekte. So können und müssen präventive, gesundheitsfördernde und -versorgende Modelle aussehen“.

Die Gewinner

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Die Preis wurden in drei Kategorien vergeben:

  • „Gesunde Lebensräume – Mitdenken und Mitgestalten“: Niedersächsischer Turner-Bund e.V. mit dem Projekt „3.000 Schritte“: In diesem Projekt unternehmen ältere Menschen in Begleitung einen barrierefreien Spaziergang in ihrem Stadtteil – eine niedrigschwellige und kostenfreie Möglichkeit, sich im Alltag zu bewegen und Gemeinschaft zu erfahren. Unterstützt werden die Akteurinnen und Akteure hierbei von ehrenamtlich Engagierten. Sie werden vorab in einer speziellen Ausbildung für Bewegungsbegleiterinnen und -begleiter geschult. Das Projekt geht über ein Bewegungs- und Sportangebot hinaus. Es trägt mit seinem sozial integrativen Charakter im Stadtteil dazu bei, dass Menschen Bekanntschaften schließen und sich Organisationen vernetzen.
  • „Arbeit (s) formen – Neue Wege für Gesundheitsberufe“: Caritas Emsland-Mitte Pflege GmbH mit dem Projekt „Help4work“: Durch mehr Flexibilität im Arbeitsalltag sollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der ambulanten Pflege entlastet werden. So können die Pflegekräfte beispielsweise im Homeoffice die Pflegeplanung vornehmen, Pflegeteams werden dezentral bzw. näher an der Familie organisiert. Darüber hinaus führt der Pflegedienst virtuelle Teambesprechungen per Videokonferenz durch und bietet den Pflegekräften ein Lifecoaching in Krisensituationen an. Durch neue Arbeitsweisen, unterstützt durch digitale Technik, untersuchen und erproben die Akteurinnen und Akteure systematisch, wie zum Beispiel Informations- und Kommunikationstechnologie die Arbeit in der ambulanten Pflege erleichtern kann. So sollen Gesundheitsrisiken minimiert, die Arbeitszufriedenheit gesteigert, schnelle Hilfe in Krisen und Konfliktsituationen angeboten und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihren Aufgaben gestärkt werden. Davon profitieren neben den Pflegekräften auch die Pflegebedürftigen.
  • „eHealth – Distanzen intelligent überwinden“: Die Gesundheitsregion Landkreis Leer und das ZG Zentrum Gesundheit GmbH mit dem Projekt „Ophthamed-Telenet“: Aufbau eines augenärztlich fachübergreifenden telemedizinischen Netzwerkes zur Anbindung ländlicher Regionen am Beispiel der Insel Borkum. Im Inselkrankenhaus Borkum wurde ein Zentrum für Augendiagnostik eingerichtet. Nach einer Indikation der drei hausärztlichen Praxen und des Insel-MVZ Borkum werden hier Patientinnen und Patienten mit Augenproblemen und bekannten chronischen Augenerkrankungen mit einem hohen technischen Standard untersucht. Speziell geschulte Medizinische Fachangestellte führen mittels augenärztlicher Diagnostikgeräte die angeordneten Untersuchungen durch und übertragen die Daten per VPN-Leitung an die Facharztpraxis am Festland. Dort befunden die Fachärztinnen und -ärzte die Ergebnisse. Dank des Angebotes ist eine fachärztliche Versorgung auf der Insel möglich und die augenärztliche Versorgungssituation hinsichtlich Früherkennung, Diagnostik, Verlaufskontrolle und Therapie wird verbessert.

In der Kategorie „Gesunde Lebensräume – Mitdenken und Mitgestalten“ übergab Jan Seeger, Mitglied des Vorstandes der AOK in Niedersachsen, den Preis an den Niedersächsischen Turner-Bund für das Projekt „3000 Schritte“. Seger erklärte: „Die Erhaltung der Mobilität und der sozialen Teilhabe ist gerade für ältere Menschen eine große Herausforderung. Das Projekt ‚3000 Schritte‘ ermutigt sie mit begleiteten Spaziergängen, in ihrem Stadtteil alltägliche Wege zu gehen und dabei Gemeinschaft zu erleben. Dieses Projekt ist beispielhaft und zeigt, wie wohnortnahe Gesundheitsförderung zukunftsfähig, menschlich und bedarfsgerecht gestaltet werden kann“.

Die zweite Preiskategorie „Arbeit(s)formen – Neue Wege für Gesundheitsberufe“ wurde von Dr. Jörg Berling, stellvertretender Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen ausgezeichnet. Berling betonte in seiner Rede, wie wichtig ein Projekt wie „Help4Work“ ist: „Das Projekt setzt direkt bei der konkreten Arbeitssituation in der ambulanten Pflege an. Es baut zahlreiche Belastungen bei Pflegekräften ab, die zum Beispiel durch die Schichtarbeit entstehen. Gerade in der ambulanten Pflege ist der für die Arbeitsqualität und das Wohlbefinden so wichtige kollegiale Austausch logistisch herausfordernd. Mit technischer Unterstützung wird systematisch an vielen Stellschrauben bei ‚Help4work‘ gedreht, um belastende Faktoren zu erkennen und anschließend abzubauen. So werden das Krisenmanagement, der Austausch im Team, die Anleitung bei neuen Aufgaben und die Pflegeplanung direkt und unkompliziert angegangen.“

Mit digitaler Unterstützung ließen sich heute viele Herausforderungen in ländlichen Regionen besser meistern. Das zeige das Gewinnerprojekt der Preiskategorie „eHealth – Distanzen intelligent überwinden“ „Ophthamed-Telenet“ ganz eindeutig, so Stefan Muhle, Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung. „Telemedizinische Lösungen eröffnen die Chance, dass Menschen weiterhin einen einfachen und umfassenden Zugang zu medizinischer Expertise haben. Die Digitalisierung im Gesundheitswesen bietet hier neue Perspektiven für die medizinische Versorgung“, sagte Stefan Muhle.

Die Präsidentin der Apothekerkammer Niedersachsen, Cathrin Burs, sieht im Gesundheitspreis einen entscheidenden Vorteil: „Der Niedersächsische Gesundheitspreis motiviert viele Menschen dazu, mit kreativen Ideen und bewährten Konzepten, Impulse zur Gesundheitsversorgung und -förderung zu geben – unabhängig davon, ob es sich um Maßnahmen im privaten oder betrieblichen Umfeld handelt. Das ist toll und eine Inspiration für die tägliche Praxis, was zum Nutzen der Patienten möglich gemacht wird.“

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