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Kommentar von Prof. Dr. med. Mathias Goyen, GE Healthcare

Digitalisierung in der Medizin ist eine Herausforderung

| Autor/ Redakteur: Prof. Dr. med. Mathias Goyen / Nico Litzel

Die Digitalisierung ist heute fester Teil unserer Gesellschaft. Ihre Bedeutung, insbesondere auch für Unternehmen, wird nicht mehr in Frage gestellt. Damit verbunden sind Themen wie beispielsweise die Automatisierung von Abläufen, die Analyse von Daten, oder auch Künstliche Intelligenz (KI).

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Der Autor: Prof. Dr. med. Mathias Goyen ist Chief Medical Officer Europe bei GE Healthcare
Der Autor: Prof. Dr. med. Mathias Goyen ist Chief Medical Officer Europe bei GE Healthcare
( Bild: GE Healthcare )

Einige Branchen scheinen eine Vorreiterrolle in der Digitalisierung einzunehmen. Hierzu zählt beispielsweise der eCommerce. Andere Brachen hingegen nähern sich den technologischen Möglichkeiten nur langsam. Die Gründe dafür können vielfältig sein und reichen von Bedenken über die Datensicherheit, über die fehlenden finanziellen Mittel, limitierende gesetzliche Regelungen, bis hin zum Mangel an digitalen Kompetenzen.

In der „IT-Trend Studie 2019“ von Capgemini, in deren Rahmen Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (kurz DACH) befragt wurden, geben beispielsweise knapp 31 Prozent der Befragten an, bisher gar keine Big-Data-Technologie einzusetzen. Und obwohl rund 70 Prozent der Teilnehmer angeben, bereits intelligente Technologien zu nutzen, wie beispielsweise zur Bilderkennung oder Verarbeitung von Sprache, räumen mehr als 50 Prozent ein, diese Technologien nur in geringem Umfang zu nutzen.

Auch in der medizinischen Versorgung wird das Thema Digitalisierung zunehmend wichtiger. Die Möglichkeiten, wie zum Beispiel Diagnosen schneller und präziser zu stellen, Behandlungen auf den Patienten abzustimmen oder zunächst an einem sogenannten digitalen Zwilling zu testen, machen dieses Feld besonders spannend. Demgegenüber stehen jedoch auch viele Bedenken, insbesondere rund um das Patientenwohl.

Von der Digitalisierung profitieren

Doch wer kann eigentlich wirklich von der Digitalisierung in der Medizin profitieren? Die Antwort lautet ganz klar: alle Beteiligen. Bei Betrachtung des DACH Raums in der medizinischen Versorgung fallen insbesondere folgende Herausforderungen auf, denen sich unsere Kunden gegenübersehen:

  • Ressourcenknappheit, insbesondere von Fachkräften, wie z. B. Radiologen oder Medizinisch-technische Assistenten (MTRA), bei steigendem Qualitätsanspruch.
  • Zunehmender Druck, effizient zu arbeiten bei zugleich steigender Nachfrage an medizinischen Leistungen.
  • Informationssilos, die eine Beurteilung des Patienten erschweren bzw. verlangsamen können.

Hier kann die Digitalisierung helfen. So kann mithilfe von KI beispielsweise die Befundung in der Radiologie vereinfacht werden. Durch einen automatisierten Abgleich mit den Daten aus anderen Bildern, von denen der KI-Algorithmus gelernt hat, wird der Radiologe dabei unterstützt, schnell mögliche Abweichungen bei seinem Patienten zu entdecken. Das erlaubt es ihm, zum einen schneller die Befundung durchzuführen, sodass er mehr Zeit mit dem Patienten verbringen kann, zum anderen aber auch, mehr Patienten zu behandeln.

Ein anderes Beispiel stammt aus dem Management von Krankenhäusern: Werden Datenanalysen dazu genutzt, Transparenz über die Bettenauslastung eines Krankenhauses zu schaffen, ist es möglich, deren Auslastung zu erhöhen. Für Krankenhäuser birgt dies ein enormes Potenzial, um effizienter zu arbeiten. Patienten profitieren auf der anderen Seite beispielsweise davon, im jeweiligen Krankenhaus aufgenommen zu werden.

Aber auch aus dem Umfeld von Arztpraxen lassen sich Beispiele finden. So können z. B. sogenannte „No shows“ - also Patienten, die einen Termin haben, diesen aber nicht wahrnehmen – anhand definierter Parameter wie beispielsweise Wettervorhersagen, Wochentag oder Tageszeit mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit vorhergesagt werden. Praxen können diese Information nutzen und ihre Terminplanung entsprechend anpassen. Und der Algorithmus lernt mit jedem Patienten dazu, um präzisere Vorhersagen zu treffen.

Wer keine digitale Kompetenz aufbaut, wird verlieren

Bedeutet der vermehrte Einsatz digitaler Technologien nun etwa, dass Ärzte künftig um ihren Job bangen müssen, da sie durch neue technologische Errungenschaften, wie Künstliche Intelligenz, ersetzt werden? Natürlich nicht. Die KI wird keineswegs die intuitive Expertise eines Humanmediziners und das Wissen von geschultem medizinischem Personal ersetzen. Medizinisches Fachpersonal, das Zugang zu fortgeschrittenen Technologien hat und diese auch einzusetzen weiß, wird jedoch einen enormen Wettbewerbsvorteil genießen. Daher müssen sich Mediziner heute darüber im Klaren sein, dass sie in naher Zukunft durch Ärzte ersetzt werden könnten, die solche Technologien einsetzen. Diese Tatsache wird auch durch eine im Jahr 2017 von PwC Digital IQ durchgeführte Umfrage im Gesundheitswesen deutlich: 39 Prozent aller befragten Gesundheitsmanager planen, verstärkt in KI zu investieren. KI-gestützte Technologie im Gesundheitswesen ist auf dem Vormarsch und hat in den vergangenen Jahren einen deutlichen Anstieg erhalten – insbesondere in der Radiologie.

Das Gesundheitswesen muss sich mit der Digitalisierung auseinandersetzen

Für mich ist der Appell ganz klar: Das gesamte Gesundheitswesen muss sich endlich wirklich ernsthaft mit der Digitalisierung auseinandersetzen. Dazu gehören natürlich auch Politik und Verbände, ganz klar aber auch Ärzte und medizinisches Personal.

Sie müssen Wissen darüber aufbauen, wie die Digitalisierung ihnen helfen kann, und was sie dafür tun müssen, um davon wirklich nutzen zu machen. Natürlich müssen sie sich auch mit den möglichen Gefahren, wie beispielsweise beim Umgang mit sensiblen Daten, auseinandersetzen. Wichtig ist hier, dass die Angst vor der Digitalisierung abgebaut wird und durch einen sinnvollen und gekonnten Umgang ersetzt wird. Denn der Patient ist schon heute gleichermaßen analog und digital.

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