Suchen

Zeitersparnis, Transparenz, Qualität Digitalisierung des Brustkrebs-Früherkennungsprogramms

| Redakteur: Ira Zahorsky

Eine gemeinsame elektronische Fallakte soll künftig in Schleswig Holstein die Brustkrebs-Früherkennung beschleunigen. Rund 75.000 Patientinnen sollen davon jährlich profitieren.

Firmen zum Thema

Die Brustkrebs-Früherkennung in Schleswig-Holstein startet in digitaler Form als eQuaMaDi neu durch. Die beteiligten Akteure (v. l.): Thomas Haeger (AOK-Landesdirektor), Dr. Monika Schliffke (Vorstandsvorsitzende der KVSH), Dr. Heiner Garg (Landes-Gesundheitsminister) und Armin Tank (Leiter der vdek-Landesvertretung), stellten eQuaMaDi Anfang der Woche in Kiel der Öffentlichkeit vor.
Die Brustkrebs-Früherkennung in Schleswig-Holstein startet in digitaler Form als eQuaMaDi neu durch. Die beteiligten Akteure (v. l.): Thomas Haeger (AOK-Landesdirektor), Dr. Monika Schliffke (Vorstandsvorsitzende der KVSH), Dr. Heiner Garg (Landes-Gesundheitsminister) und Armin Tank (Leiter der vdek-Landesvertretung), stellten eQuaMaDi Anfang der Woche in Kiel der Öffentlichkeit vor.
(Bild: Kuschel/AOK/hfr.)

Ziel der Qualitätsgesicherten Mammadiagnostik (QuaMaDi) ist es, Brustkrebs bei Risikopatientinnen und Patientinnen mit einem Verdachtsbefund rechtzeitig zu erkennen und damit die Heilungschancen zu erhöhen. Zentrales Element ist ein Mehr-Augen-Prinzip, d. h. zwei Radiologen beurteilen unabhängig voneinander Mammographien und ergänzende Aufnahmen. In Zweifelsfällen wird zusätzlich ein klinisches Brustzentrum hinzugezogen. Durch dieses Vorgehen wird insbesondere das Risiko eines falschen Befundes reduziert.

Bisher wurden bei QuaMaDi jährlich etwa 250.000 Papierbefunde und 75.000 Mammographieaufnahmen quer durch Schleswig-Holstein zwischen den beteiligten Fachärzten transportiert. Mit eQuaMaDi sind künftig alle an der Brustkrebsdiagnostik eQuaMaDi beteiligten Fachärzte digital miteinander vernetzt und haben sofortigen Zugriff auf relevante Befunde, Mammographie- und Ultraschallaufnahmen sowie weitere Behandlungsdaten einer Patientin. Alle Befunddaten werden in einer elektronischen Fallakte erfasst. Fachärzte, die eine Zweit- oder Drittbefundung vornehmen, können Behandlungsdaten und Bilder online einsehen und um eigene Beurteilungen ergänzen.

Die Fallakte prüft automatisch, ob beide Radiologen zum gleichen Ergebnis gekommen sind. Falls nicht, wird der Fall automatisch an das Brustzentrum gesendet. Diagnostikprozesse werden dadurch beschleunigt. Patientinnen haben schneller Gewissheit über ihre Situation und können Therapien früher beginnen. Im Rechenzentrum der KVSH wurde eigens für eQuaMaDi ein den aktuellen Datenschutzanforderungen entsprechendes Datenzentrum für die Bilder und Befunde geschaffen.

Das Land Schleswig-Holstein unterstützt eQuaMaDi finanziell, um ein Datenzentrum aufzubauen. Grundlage ist ein Vertrag zwischen der KVSH und den gesetzlichen Krankenkassen in Schleswig-Holstein. Zudem hat Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg die Schirmherrschaft über das Projekt übernommen.

Stimmen der beteiligten Akteure

„eQuaMaDi ist ein Meilenstein“, so die Vorstandsvorsitzende der KVSH, Dr. Monika Schliffke. Die Digitalisierung sei sowohl im Interesse der beteiligten Ärzte als auch der Patientinnen, weil die Prozesse schneller und schlanker würden. Die Schaffung einer zentralen Dokumentationsplattform mit elektronischen Fallakten, wie jetzt im Rahmen von QuaMaDi, könne zudem eine Blaupause sein für ein fach- und sektorenübergreifendes digitales Fallmanagement in weiteren Versorgungsbereichen, so Schliffke.

„Durch eQuaMaDi wird die häufig belastende Wartezeit auf Untersuchungsergebnisse kürzer, falls notwendig kann mit einer Therapie zeitnah begonnen werden. Eine frühe und sicherere Diagnose wie in eQuaMaDi bedeutet auch bessere Behandlungs- und Heilungschancen. Das schafft schneller Klarheit für die Patientinnen und trägt zu einer Vermeidung unnötiger Eingriffe bei“, so Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg. „Das Gesundheitsministerium beteiligt sich deshalb mit 150.000 Euro an der Digitalisierung von QuaMaDi.“

„Die elektronische Fallakte verkürzt den Zeitraum der Diagnostik deutlich und schafft damit schneller Klarheit für die betroffenen Frauen. Das begrüßen wir sehr. Von der Evaluierung zum Ende des Modellversuchs er-warten wir uns wichtige Erkenntnisse für die weitere Entwicklung digitaler diagnostischer Untersuchungspfade, bei denen mehrere Arztdisziplinen beteiligt sind. Unser Ziel ist es, Versorgungsprozesse im Land weiter zu modernisieren und zu vernetzen – auch unter Nutzung Künstlicher Intelligenz“, sagt Thomas Haeger, Landesdirektor der AOK Nordwest.

„Mit eQuaMaDi unterstreicht Schleswig-Holstein einmal mehr sein besonderes Engagement für die Brustgesundheit und zeigt, wie man gute Programme zeitgemäß verbessern kann“, betont Armin Tank, Leiter der vdek-Landesvertretung. „eQuaMaDi bietet nicht nur Vorteile wie Zeitersparnis und höhere Transparenz innerhalb der Prozesskette, sondern das Programm zielt außerdem auf die nachhaltige Qualität künftiger Befundungen. Auch die regelmäßig stattfindenden interdisziplinären Fallkonferenzen profitieren ganz erheblich von der Digitalisierung.“

Über eQuaMaDi

Die Digitalisierung des Brustkrebs-Früherkennungsprogramms QuaMaDi, das es seit 2005 gibt, beruht auf einem neuen Versorgungsvertrag zwischen der KVSH und den gesetzlichen Krankenkassen in Schleswig-Holstein. Es handelt sich um ein Modellprojekt zur Weiterentwicklung der Versorgung nach § 63 Sozialgesetzbuch V (SGB V). Das Projekt ist zunächst auf drei Jahre befristet, mit der Option einer Verlängerung um weitere zwei Jahre. An dem Vertrag können Gynäkologen, radiologisch tätige Gynäkologen, Radiologen, Pathologen und ermächtigte Ärzte in den vertraglich vereinbarten Referenzzentren mit Sitz in Schleswig-Holstein teilnehmen. Derzeit sind 380 Gynäkologen, 70 Radiologen und vier klinische Brustzentren an QuaMaDi beteiligt.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46328076)