IoMT in der Praxis Digitaler Wandel im Gesundheitswesen

Redakteur: Manfred Klein

Deutschland hat eines der teuersten Gesundheitssysteme innerhalb der Europäischen Union. Das bedeutet aber nicht, dass es zugleich das Effizienteste ist. Könnten mithilfe des Internet of Things die Kosten gesenkt und die Effizienz gesteigert werden?

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Welche Auswirkungen wird das IoMT auf den medizinischen Alltag und die Patientenversorgung haben
Welche Auswirkungen wird das IoMT auf den medizinischen Alltag und die Patientenversorgung haben
(© Pixabay)

Laut einer Untersuchung der Europäischen Union gibt Deutschland pro Person mehr für Gesundheit aus als andere EU-Länder. Jedoch ist das System laut der Studie aufgrund zahlreicher Kostenträger und Leistungserbringer stark fragmentiert, was zu Ineffizienzen und einer verminderten Qualität der Versorgung in bestimmten Versorgungseinrichtungen führt. In Krankenhäusern geht beispielsweise viel Zeit durch administrative Aufgaben verloren, die dann bei der Patientenversorgung fehlt: In einer Mitgliederbefragung des Marburger Bundes gaben 35 Prozent der Ärzte an, dass sie mindestens vier Stunden am Tag mit Verwaltungstätigkeiten befasst sind. Das Internet of Things (IoT) könnte hier Abhilfe schaffen.

IoT als Teil der Digitalisierung des Gesundheitswesens: Das IoMT

Die Digitalisierung macht auch vor dem Gesundheitswesen nicht halt. Ein Teilbereich dieser umfassenden Umwälzung, das Internet of Medical Things (IoMT), soll hier näher beleuchtet werden. Ganz allgemein bezeichnet IoT die digitale Vernetzung von physischen Objekten (Dingen) über das Internet. Im Gesundheitssektor wiederum werden Medizingeräte, Software-Anwendungen, Gesundheitssysteme und -dienstleistungen miteinander vernetzt, die dann untereinander kommunizieren – sie bilden das IoMT.

Das ermöglicht umfassende Innovationen, von denen einerseits die Patienten direkt profitieren können. Andererseits gehen die Möglichkeiten des IoMT über die medizinische Versorgung hinaus. Auch nicht-medizinische Prozesse im Gesundheitswesen lassen sich mit dem IoMT optimieren. Von diesen Verbesserungen profitieren die Patienten im Idealfall indirekt: Durch die Ressourceneinsparungen bei den nicht-medizinischen Prozessen stehen theoretisch wieder mehr Ressourcen für die Patientenversorgung bereit.

Die Vorteile der Technik: Besser entscheiden und datengestützt automatisieren

Der Nutzen des IoMT besteht darin, über Sensoren Daten zu sammeln und sie mittels Software-Plattformen so aufzubereiten beziehungsweise zu präsentieren, dass sie als Entscheidungsgrundlage dienen oder die Automatisierung von Prozessen erlauben. Smarte Sensoren erlauben etwa das Telemonitoring, das Überwachen der Patientenwerte aus der Ferne. Ein Arzt kann also seinen Patienten überwachen und dennoch von ihm räumlich getrennt sein.

Das ist eine Voraussetzung für die Telemedizin: das Wissen beim Arzt über die neuesten Gesundheitsparameter des Patienten. Die Erfassung der Vitaldaten erforderte traditionell einen Besuch in der Praxis oder Klinik. Das ändert sich jetzt mit dem IoMT. Die andere Voraussetzung für Telemedizin, eine Kommunikationsverbindung zwischen Arzt und Patient, existierte mit dem Telefon schon lange.

Aber nicht nur die Ortsunabhängigkeit ist ein Faktor: Die Sensoren des IoMT sammeln die Patientenwerte automatisch und kontinuierlich. Die Vitaldaten müssen also nicht mehr zeitaufwendig händisch von Pflegern und Ärzten erfasst werden. Zudem liegen nicht nur Momentaufnahmen, etwa des Blutdrucks vor, sondern lückenlose Aufzeichnungen über Wochen, Monate und Jahre.

Im Gesundheitssystem spielt neben der besseren und schnelleren Patientenversorgung auch die Kostenkontrolle und -senkung eine zentrale Rolle. Die stationäre Versorgung steht beidem – außer in Notfällen – entgegen. Für Patienten ist der Krankenhausaufenthalt mindestens unschön, und die stationäre Versorgung ist einer der größten Kostenfaktoren im Gesundheitswesen. Daher zielen viele Bemühungen darauf ab, den Bedarf für stationäre Versorgung zu reduzieren. Dazu kann das IoMT entscheidend beitragen.

Prävention statt Behandlung – ein neues Level der Prävention dank des IoMT

Am stärksten lässt sich der der Bedarf nach stationärer Versorgung reduzieren, wenn die Menschen gar nicht erst krank werden oder zumindest seltener erkranken. Dazu muss der Shift „von Cure zu Care“ stattfinden, auf allen Ebenen, die daran beteiligt sind. Prävention macht in Deutschland allerdings bisher nur einen kleinen Teil von den gesamten Gesundheitsausgaben aus. Schrittzähler, Fitnessarmbänder, Activity Tracker, tragbare Blutdruck-Messgeräte und ähnliche Devices können dazu beitragen, Gesundheitsprobleme frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Das bringt nicht nur Vorteile für die Menschen mit sich, sondern auch für das Gesundheitssystem: Wenn weniger Leute erkranken, haben Ärzte mehr Zeit pro Patient, da sie sich insgesamt um weniger Patienten kümmern müssen.

Das Präventionspotenzial lässt sich durch neue Technologien zudem immer weiter verbessern. In Zukunft könnten Zahnbürsten den Speichel analysieren oder Badezimmerspiegel die Temperatur messen und Veränderungen der Haut erkennen. Die nächsten Schritte – ebenfalls noch Zukunftsmusik – sind im Körper integrierte Sensoren, die Daten sammeln und ins IoMT weitergeben.

Ob Smartwatch, Zahnbürste oder implantierter Sensor, allen ist eines gemein: Die Person wird bereits über Dysbalancen hingewiesen werden, bevor bei einer Routinekontrolle Auffälligkeiten festgestellt werden oder eine merkbare Verschlechterung des Gesundheitszustandes eintritt, weil eine Krankheit ein fortgeschrittenes Stadium erreicht.

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