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Forscher testen Assistenzsystem für Pflegearbeit Digitaler Engel soll vor Burnout schützen

| Redakteur: Julia Mutzbauer

Pflegekräfte sind durch ihren Beruf oft großen psychischen und körperlichen Belastungen ausgesetzt. Das Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo) will daher testen, ob digitale Assistenzsysteme im Pflegealltag unterstützen und Fehlbeanspruchungen vermieden werden können.

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Die hohe psychische Belastung und ausgeprägtes Stresserleben können bei Pflegekräften zu Burnout führen. Das Assistenzsystem „Digitaler Engel“ soll Fehlbeanspruchungen bei Pflegenden erkennen und durch geeignete individuelle Handlungsempfehlungen die Belastung redzuzieren
Die hohe psychische Belastung und ausgeprägtes Stresserleben können bei Pflegekräften zu Burnout führen. Das Assistenzsystem „Digitaler Engel“ soll Fehlbeanspruchungen bei Pflegenden erkennen und durch geeignete individuelle Handlungsempfehlungen die Belastung redzuzieren
(© upixa - stock.adobe.com)

Am Pius-Hospital in Oldenburg soll Anfang 2020 das Assistenzsystem Digitaler Engel mit Pflegekräften getestet werden. Ziel des Projekts ist es, die Arbeit von Pflegekräften zu erleichtern und die körperliche und psychische Belastung zu reduzieren, um dem gefürchteten Burnout vorzubeugen. Das Projekt des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo) wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit rund 2,4 Millionen Euro gefördert.

Mithilfe des Digitalen Engels sollen körperliche Fehlbeanspruchungen bei Pflegekräften rechtzeitig erkannt und vermieden werden. Sollen doch aus den erhobenen Daten geeignete individuelle Handlungsempfehlungen für die Interaktion mit den Patienten erarbeitet und an das Pflegepersonal weiter gereicht werden.

Unter anderem soll getestet werden, inwiefern Datenbrillen geeignet sind, pflegerelevante Informationen zu präsentieren und Auskunft über die eigene Fehlbeanspruchung und geeignete Gegenmaßnahmen zu liefern. Ein Beispiel für so eine Maßnahme wäre, dass sich das Personal für eine Kurzpause in einen virtuellen Rückzugsraum begeben kann.

Die IfADo gibt an, dass für die technische Umsetzung folgende Punkte geplant sind:

  • Ein Portal, das alle Daten zusammenführt, dokumentiert und mittels Künstlicher Intelligenz individuelle Handlungsempfehlungen ableitet.
  • Verschiedene körpernahe Sensoren, die direkt vor Ort Daten erfassen.
  • Datenbrillen, die mit dem Portal kommunizieren und auf diese Weise individuelle Handlungsempfehlungen sowie allgemeine Informationen, etwa zum Behandlungsplan oder Patientenstatus, geben.

In Form von Tagebuchstudien und Fragebögen am Pius-Hospital in Oldenburg soll die Beanspruchung der Pflegekräfte erfasst werden. So soll herausgefunden werden, welche Aspekte besonders starken Einfluss auf die Gefühlswelt haben würden und besonders belastend sein könnten. Dazu zählen Zeitdruck, individuelles Stressempfinden, der persönliche Umgang mit Beanspruchung oder auch die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen sowie Vorgesetzten.

Darauf basierend sollen Handlungsempfehlungen abgeleitet werden, die bei der Bewältigung von psychischem Stress individuell unterstützen sollen. Diese sollen durch den Digitalen Engel situationsspezifisch an die Pflegenden weitergegeben werden. In diesem Prozess sollen auch Patienten und Patientinen eine wichtige Rolle spielen.

So soll etwa untersucht werden, inwiefern ein Stimmungsprofil der Patienten, hilfreich für die adäquate Patienteninteraktion sein könnte. Zusätzlich sollen begleitende Interventionsmaßnahmen beispielsweise für die Gestaltung der Arbeit, Strategien zur Stressbewältigung oder Schulungen für Führungskräfte entworfen und gepürft werden.

Der Digitale Engel soll vor Ort getestet und zusammen mit den Pflegekräften bewertet werden, da das System anwenderfreundlich und für die Pflegearbeit von Nutzen sein soll. Dabei sollen die fünf Kooperationspartner das Fraunhofer IML (Projekt-Federführung), das Pius-Hospital, das Fraunhofer ISST, die Firma Ubimax und das IfADo. gemeinsam am Digitalen Engel arbeiten.

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