Pandemiemanagement in NRW Digitale Vorbereitung auf künftige Krisen

Von Dr. Markus Bodemann/Philipp Wilken

Corona hat die Bedeutung von eGovernment und Verwaltungsdigitalisierung deutlich gemacht. Das Bundesland Nordrhein-Westfalen hat einen Gesamtüberblick über die digitalen Werkzeuge und Informationsflüsse als Blaupause für digital unterstützte Maßnahmen zur Pandemieeindämmung erstellt, um auch für künftige Notfälle gerüstet zu sein.

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NRW stellt digitalen Werkzeugkasten für das Pandemiemanagement zusammen
NRW stellt digitalen Werkzeugkasten für das Pandemiemanagement zusammen
(© Blue Planet Studio – stock.adobe.com)

Mit steigenden Impfquoten und der sinkenden Zahl von schwerwiegenden COVID-19-Verläufen entspannt sich derzeit das Pandemiegeschehen. Die letzten Fassungen der Corona-Schutzverordnung NRW haben hierauf mit weiteren Lockerungsschritten reagiert. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die Corona-Pandemie äußerst dynamisch und in ihrem Verlauf kaum vorhersehbar ist. Eine neue Infektionswelle im Herbst und Winter kann nicht ausgeschlossen werden. So geben die Beschlüsse der Bund-Länder-Beratungen vom 10. August 2021 zu bedenken, dass die aktuellen, gelockerten Maßnahmen durch eine „situationsgerechte Anpassung in den Herbst und Wintermonaten“ wieder verschärft werden könnten.

Die aktuelle Situation ist beispielhaft für die größte Herausforderung bei der Entwicklung, Bereitstellung und Vernetzung digitaler Werkzeuge und Informationsflüsse zur Pandemiebekämpfung: Wie können digitale Infrastrukturen an die schnellen Wechsel des Pandemieverlaufs, neue wissenschaftliche Erkenntnisse oder geänderte rechtliche Rahmenbedingungen angepasst werden?

Neben der Förderung der Vernetzung der Beteiligten und der Stärkung des Vorsorgegedankens war eine der Antworten in Nordrhein-Westfalen, eine möglichst vollständige und verständliche Übersicht („Big Picture“) zum digitalen Pandemiemanagement zu entwickeln. Denn ein solcher Gesamtüberblick ermöglicht es unter anderem, die tatsächlichen Auswirkungen von einzelnen, vielleicht nur punktuellen Veränderungen nachvollziehen zu können. Dies sorgt für eine verbesserte Planungsgrundlage, die wiederum schnelleres Handeln ermöglicht.

Um die Erkenntnisse bei der Erarbeitung dieses Gesamtüberblicks mit der breiteren Fachöffentlichkeit zu teilen, aber auch um die Diskussion über die dargestellten Zusammenhänge zu befördern, soll nachfolgend das Big Picture zum digitalen Pandemiemanagement in Nordrhein-Westfalen (NRW) erläutert werden.

Seit Herbst 2020 nutzt und fördert die Landesregierung verstärkt die Möglichkeiten der Digitalisierung, insbesondere um die Auswirkungen einschränkender Vorgaben bei der Eindämmung der Pandemie zu mildern. Die Bemühungen konzentrierten sich zunächst auf die Digitalisierung der Arbeitsabläufe in den Gesundheitsämtern mit Hilfe der Software SORMAS.

Im Frühjahr 2021 stellte die Landesregierung das digitale Pandemiemanagement auf eine breitere Grundlage, die insbesondere den Bereich der digitalen Kontaktdatenerfassung beinhaltete. Im Zuge dieser Neuausrichtung entstand in Zusammenarbeit von IT.NRW und PwC sowie dem CIO des Landes Nordrhein-Westfalen das „Big Picture“ zum digitalen Pandemiemanagement. Damit sollte verhindert werden, dass das digitale Pandemiemanagement lediglich ein Flickenteppich von einzelnen Werkzeugen und Akteuren bleibt. Stattdessen sollte ein ganzheitlicher Ansatz „aus einem Guss“ entwickelt werden.

Konkret lässt sich das Big Picture als Gesamtüberblick über das Beziehungsgeflecht zwischen Akteuren und Werkzeugen beim digitalen Pandemiemanagement in NRW beschreiben. Der Mehrwert des Big Pictures ergibt sich aus der anschaulichen Darstellung und Nachvollziehbarkeit des Gesamt-Beziehungskomplexes.

Die Bedeutung des Zusammenwirkens der verschiedenen Akteure wird dadurch sichtbar und kann weiter gefördert werden. Es wird deutlich, dass das digitale Pandemiemanagement eine Gemeinschaftsaufgabe ist, bei der insbesondere Land, Kommunen und die lokale digitale Community angesprochen sind. Zudem kann das Big Picture genutzt werden, um Optimierungs- und Fördermaßnahmen konkret zu verorten. Auch die verschiedenen Abhängigkeiten zu anderen betroffenen Akteuren und Werkzeugen lassen sich so identifizieren.

Ein weiterer Nutzen besteht darin, das Schaubild als Innovationstreiber und Motivation für weitere Vernetzungen in diesem Bereich zu verwenden. Bestehende Prozesse, Schnittstellen und Werkzeuge können diskutiert werden, um diese zu beschleunigen, zu optimieren oder um neue Vorschläge für automatisierte und digitalisierte Prozesse des Pandemiemanagements zu unterbreiten. Selbst wenn einzelne digitale Werkzeuge oder Informationsflüsse aufgrund von Lockerungen oder einer geänderten Stoßrichtung bei der Pandemiebekämpfung aktuell nicht benötigt werden, bleiben sie Teil des Big Pictures. Das Big Picture dient damit auch als Ideenspeicher sowie zur Visualisierung von Vorsorgemaßnahmen bei einer sich verändernden Pandemielage.

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